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Interview: TARJA
Titel: (Heraus)Fordernd

Für ihr neues, diesmal mehr denn je personifizierendes Album „Frisson Noir“ sammelte die charismatische Grande Dame der symphonisch erhebenden und opulent arrangierten Metalkunst über viele Jahre Eindrücke, Ideen und Inspirationen.

Und der Titel ist Programm für die zehn neuen Kompositionen, denn die ausgereift durchdachten und allesamt enorm spannenden Stücke zählen nicht nur eindeutig zum härtesten und schwersten Material unter diesem bedeutenden Namen - sondern die einnehmend packenden Atmosphären sorgen anhaltend für eindringlich „dunkle Schauer“.

Die enge, dabei vertraute und harmonische Kooperation mit dem jahrelang bewährten, unsagbar findigen Arrangeur und Filmmusikkomponisten Jim Dooley hat sich einmal mehr maximal gelohnt, so sagt die Sängerin. Und so trifft es die aktuell mit kompetentem Kickstart angeworfene Marketing-Maschinerie mit „Cinematic Symphonic Art Metal“ auch ganz vortrefflich.

Ein Paradebeispiel für Letzteres in der immens gehaltvollen Tracklist ist das über zehnminütige und mitsamt passioniert gestrichenen Klassiksaiten geradezu operettenhaft aufgebaute „At Sea“, da stimmt auch Tarja vollauf zu, welche hierin als Vokalistin oberste Weltklasse mit zuverlässiger Gänsehautgarantie aufzeigt.

Als beachtlich mutige Album-Single wurde „At Sea“ wurde am 18. März präsentiert, und auch das aufwändige Musikvideo erfreut sich anhaltender großer Beachtung, was der gänzlich unerwarteten Überlänge dieses voluminösen Liedes einzig angemessen ist: Wahrlich ein vortrefflich gewählter Repräsentant für „Frisson Noir“, gemäß all der darin überraschend geschmetterten Härte und musikalischen Tiefe dieses immens gehaltvollen Outputs.

„Es mag nicht wenig überraschen, aber ich habe mich gewollt dafür entschieden, dass genau ‚At Sea‘ als erste Single vorab erscheint, um damit sogleich ein gewichtiges und eindeutiges Zeichen zu setzen für die musikalische Urtiefe und kompositorische Überbreite meines neuesten Albums - welches das exakte Gegenteil sein soll als Instant-Stoff für oberflächlich bzw. nebenbei Hörende.“

Ohnehin ist „Frisson Noir“ alles andere als erwartungserfüllende Gefälligkeits-Kost, wie auch schon der Opener und Titelsong beweist, welcher als Einstieg sehr gut gewählt wurde.

Verspielte Mitsing-Griffigkeiten? Absolute Fehlanzeige, es muss sich schon einige Zeit damit befasst werden, um den raffinierten und ausgeklügelt miteinander verzahnten Strukturen in all ihrer Komplexität gewahr zu werden. Ein düsterer Gothic-Streifen von Altmeister Tim Burton wäre damit jedenfalls musikalisch perfekt eingerahmt.

Überhaupt ist dieses neue Werk in all seiner runderneuert präsentierten Intensität und schwelgend zelebrierten Hingabe und das erste Studioalbum seit sieben Jahren, ein absoluter Grower. Und das ist gänzlich beabsichtigt, wie die Meisterin dahinter wissen lässt.

Und es gibt noch so viel mehr auf diesem ereignisreichen Abenteuer für die Ohren zu erleben. Tarjas neue Musik beschäftigt sich berührend einfühlsam und berührend verständnisvoll mit zutiefst menschlichen Themen wie allerlei Ängsten als auch schmerzlichem Verlust, doch es werden auch zeitlose Kontexte wie das Streben und Vorhandensein von Schönheit an sich besungen.

Liebenswerte bis schwärmerische Nostalgie, (be)stärkendes Vertrauen und bewundernswerte Beharrlichkeit setzen ebenfalls prägende textliche Akzente in den vertonten Geschichten von „Frisson Noir“, wobei es auf diesem Langspieler auch um relevante Eigenschaften wie Widerstandsfähigkeit, unbedingten Trotz neben der Kraft und dem Wunder der Identität geht. Ein wertvoller Beitrag wird auch mit dem lyrischen Ausleuchten des Trachtens und (Aus)Lebens der menschlichen Unabhängigkeit im steten Wandel der Welt geleistet.

Souverän authentisch: Hatte sie im Februar noch einige umjubelte Abschlusskonzerte ihrer - seit 2022 aufgrund des umfassend großen Publikumszuspruchs fortgeführten - „Living The Dream - The Hits Tour“ in Österreich und Deutschland zelebriert, so ging es für Tarja danach sofort vollbeschäftigt weiter.

Fürs Ausruhen blieb für die Berühmtheit keine Zeit, sie befindet sich nämlich seitdem mitten im umfangreichen Vorbereitungsprozess für das spannende neue Album „Frisson Noir“.

Ein einzigartiger Weg: Von damalig obligatorischem Symphonic-Schwermetall ging es für die gefeierte Sängerin über oft spektakulär orchestrierte, clever ausgefeilte Arena-Rocknummern bis hin zum aktuellen „Cinematic Symphonic Art Metal“!

„Ja, nach meinem 2019er Album ‚In The Raw‘ habe ich ja so einiges erlebt und wie immer nachhaltig sinnierend auf mich wirken lassen, was auf der neuen Liederkollektion natürlich voll und ganz zum Tragen kommen sollte. Trotz der vielen Mühen war es doch eine riesengroß erfüllende Freude für mich, daran und dafür zu arbeiten. Einmal mehr eine ‚aktualisierte Selbstverwirklichung‘ sozusagen, die voll und ganz aus mir selbst kommt. Ich bin restlos glücklich damit und ich ‚fühle‘ dabei sehr innig für ‚Frisson Noir‘ - es ist mit jeder Komposition eine ausgeprägtere Verbundenheit entstanden. Natürlich war ich bislang mit jedem Album von mir im Reinen, aber diesmal fühlte es sich einfach für mich so an, als ob es an der Zeit wäre, mich von allem ‚abzukoppeln‘, was ich zuvor als Künstlerin machte, um mein aktuelles Ich vollends mit jeder Note umzusetzen.“

Sieben Jahre zwischen zwei Alben, vor allem in den oftmals immens bewegten letzten sieben Jahren, sind eine sehr lange Zeit, da stimmt Tarja vorbehaltlos zu.



„Aktiv am Liederschreiben war ich ja immer, und oftmals lud ich mir mal wieder viel zu viel auf! [lacht] So ist es dadurch auch diesmal zwar wiederholt nicht gerade leicht gewesen, die Lieder so werden zu lassen, eben auch betreffs emotionaler Bandbreiten, wie sie mir vorschwebten in meinen Visionen - aber dank meines bewährten Teams glückte uns alles perfekt nach Plan. Schließlich reifte auch ich immens die letzten Jahre. ‚Frisson Noir‘ bezeichne ich daher als mein emotionalstes Album überhaupt bislang, und damit meine ich keine Schwärmereien - sondern eine außergewöhnlich breite Palette an Befindlichkeiten und Gemütszuständen.“

Dass seit dem Albumvorgänger scheinbar mehr denn je auf dem Erdenrund Fassungslosigkeit und Horizontalkopfschütteln auslösen kann, dessen ist sich die Vokalistin gänzlich bewusst, wie sie bejaht.

„Unbedingt, diese derzeitige Welt braucht ‚Frisson Noir‘ ganz dringend. Die überwiegende Menschheit sollte sich unbedingt wieder beruhigen und dabei erden. Die ganze neue Technologie bringt neben all den Verbesserungen und Vorteilen bedauerlicherweise auch so viel an Verrücktheiten mit sich, die man sich früher so noch gar nicht vorstellen konnte. Es geht ja heute alles so rasend schnell. Musik kann ein relevantes Mittel dafür sein, um zu sich selbst zu finden. Ich sage das, weil ich selbst sehr dankbar bin, das Privileg leben zu dürfen, mein ganzes Leben lang schon mit Kunst zu tun zu haben bzw. selbst welche machen zu dürfen. Ich behaupte ja nun beileibe nicht, dass KI beispielsweise per se eine schlechte oder gefährliche Technologie ist, aber man braucht in all dem umso wichtiger auch möglichst viel Echtes - Dinge als auch Erlebnisse usw.!“

Und genau so erachtet Tarja auch grundsätzlich das gesamte Liedgut auf „Frisson Noir“, wie sie anfügt.

„Echtheit, durchwegs, das ist es! Es ist zweifellos mein bislang persönlichstes Release, in jeder Nuance und mit jeder Facette, was diese Stücke aufs Engste mit mir und meiner ureigenen Persönlichkeit für immer verbunden sein lässt. Letzteres kommt vor allem ja auch nicht zuletzt daher, dass ich diesmal die längste Zeit überhaupt für den gesamten Kompositionsprozess hatte - nach der Veröffentlichung von ‚In The Raw‘ brach ja direkt die weltweite Pandemie aus, mitsamt all den multiplen Auswirkungen. Ich hatte plötzlich so viel mehr an Zeit zur Verfügung, um mich meinen weiteren Liedern hingeben zu können. Das war etwas völlig Neues für mich, das kannte ich so bis dato nicht - aber es tat mir sehr gut, so losgelöst und ‚autark‘ an meiner Musik werken zu können. Und ich denke, das hört man dem neuen Material in all seiner vielfältigen und dennoch jederzeit punktuell massiven Ausgeprägtheit auch deutlich an.“


Verpflichtend, dass auch in Sachen Album-Sound in jeweils zweckdienlich fokussierter, zentrierter Zusammenarbeit mit erfahrenen Studio-Spitzenleuten alles genau nach Tarjas Vorstellung - sie hat sich umfassend in den gesamten Produktionsprozess eingebracht, wie sie sagt - und Vision abgelaufen ist, um „Frisson Noir“ mit einem sagenhaft druckvollen, jederzeit umwerfend dynamischen und vielfach bezaubernd ästhetischen Klangbild zugleich zu rahmen. 



Auch für die erlaucht ertönenden Orchesteraufnahmen und die sich nicht selten monumental und überdimensional aufbauenden Chöre - aufgenommen in den ungarischen Hallen des einzigartigen OPERA Eiffel Art Studio - wurden laut der Sängerin allergrößte Mühen und modernste Technik aufgewendet, und das ist deutlich zu hören. Spektakulärer und dabei eben seriöser geht es einfach nicht.

Durch den cleveren Mix von Neal Avron im kalifornischen The Casita in Hollywood und das großartig gewordene Mastering des ebenfalls in USA arbeitenden Ted Jensen im Sterling Sound erstrahlt „Frisson Noir“ ebenso energisch wie bombastisch und filigran in einem. Tarja legte dabei extra Wert auf Vielseitigkeit, wie sie offenbart. So zeichnet Jensen für stilistisch so unterschiedliche Klassiker wie „Hotel California“ von den Eagles oder Green Days „American Idiot“ verantwortlich.

So einige originelle Gastauftritte, darunter Schwarzmetall-Ikone Dani Filth, ex-Nightwish Marko Hietala, Apocalyptica und Chad Smith, Drummer der Red Hot Chili Peppers, um mal die hierzulande bekannteren Namen zu nennen, wissen dieses famose und bestechend kunstsinnige Album köstlich anzureichern, doch es tummeln sich noch mehr internationale, höchst faszinierende Künstler in den neuen Liedern.

© Markus Eck, 16.04.2026

Photo Credit: Tarja Turunen & Tim Tronckoe

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