
| Interview: | GRIMNER |
| Titel: | Innigliche Nordliebe |
So hören sich sechs immens spielfreudige Schweden an: Mit dem neuen Album „Stormvingar” wuppen die Östergötlander eine wunderbar erfrischende Folk-/Viking-Metal-Sause unter die verdammte sommerliche Hitzeglocke!
2008 als Band gegründet, reiht sich der neue Auswurf als fünftes Langschwert in die anhaltend qualitativ bestückte Waffenkammer dieser gänzlich unbekümmerten Seefahrerseelen ein.
Flötist Johan Rydberg jauchzt: „Ja, wir sind ziemlich glücklich und begeistert von diesem neuen Album! Und, in der Tat,, die Hörner sind bei uns schon seit einer ganzen Weile in die Höhe gereckt – ich glaube, wir haben das Album bereits im Februar zum ersten Mal gemeinsam mit ein paar Freunden angehört. Da hatten wir wirklich das Gefühl, dass wir etwas Gutes in den Händen halten.“
Lead-Gitarrist und Sänger Ted Sjulmark nickt dies entschlossen ab. „Wir freuen uns schon riesig darauf, mit dem neuen Material auf die Bühne zu gehen.“
Laut Johan sind Grimner live schon immer eine ziemlich energiegeladene Band gewesen. „Wir singen schließlich über Mythologie, Folklore und Geschichte. Wir wollen uns nicht wirklich zur modernen Welt äußern. Wir könnten es tun. Aber dann würde es etwas anderes werden. Live wollen wir einfach nur eine tolle Zeit mit unseren Fans und Freunden haben. Scheiß’ auf den ganzen Mist, der gerade abgeht – lasst uns einfach nett zueinander sein und einen Abend lang richtig Spaß haben.“
Ted weiß zu ergänzen: „Tatsächlich gibt es jede Menge Bands, die all die schrecklichen aktuellen Ereignisse in ihre Auftritte, Texte oder was auch immer einfließen lassen. Und das ist völlig in Ordnung, ich liebe einige Bands, die das tun. Aber wir lassen nicht zu, dass all das unsere Liebe zum Publikum und zu unserem Handwerk trübt.“
Fünf Alben in 18 Jahren – man lässt sich also die nötige Zeit.
„Es kommt mir nicht so vor, als hätten wir es langsam angehen lassen. Ich denke, die Pandemie und die Besetzungswechsel haben die Dinge natürlich ein bisschen verlangsamt. Hoffentlich kommen wir in Zukunft etwas besser in Schwung! Allerdings braucht es auch Zeit, ein Album zu produzieren; hinter den Kulissen läuft bei der Vorbereitung einer Veröffentlichung neben der Musik noch eine Menge ab“, konstatiert Johan.
Ted meint dazu: „Außerdem haben wir unser erstes Album erst veröffentlicht, als wir technisch gesehen schon seit sechs Jahren als Band existierten – es kommt also darauf an, wie man es zählen will! [lacht] Aber trotzdem gab es auch ein paar Verzögerungen wegen privater Angelegenheiten, obwohl wir wirklich hart an der Musikproduktion gearbeitet haben. Wir wollen künftig aber nicht noch länger zwischen den Alben warten - und auch ich glaube, dass der Arbeitsfluss in der Band von nun an tatsächlich besser sein wird.“
Und die Grimner-Crew ist angewachsen: Auf der neuen Veröffentlichungen gesellen sich die Brüder Anton als Schlagzeuger und Axel Elowson als Bassist dazu, die dem fidelen Sound der Formation haufenweise frische Energie und probates musikalisches Können zukommen lassen.
Johan preist sie an: „Diese Jungs sind einfach unglaublich. Obwohl sie etwa zehn Jahre jünger sind, fügen sie sich hervorragend in die Dynamik der Band ein. Sie sind unglaublich nette und zuverlässige Typen beim gemeinsamen Schaffen und zudem außergewöhnliche Musiker. Es begann damit, dass wir einen Beitrag veröffentlichten, in dem wir nach einem neuen Schlagzeuger suchten, und Anton bewarb sich. Später, als wir einen Bassisten suchten, schalteten wir ebenfalls eine Anzeige, aber es war ziemlich logisch, dass wir auch Axel fragten, obwohl sein Hauptinstrument die Gitarre war. Allerdings haben Axel und unser - auch singender - Marcus Asplund Brattberg vor kurzem die Instrumente getauscht, sodass Axel nun stattdessen die Rhythmusgitarre spielt.“
So hat sich Grimners Stil nach dem 2022er Vorgängeralbum „Urfader“ durchaus weiterentwickelt, wie von Johan zu erfahren ist. „Ich würde sagen, der eigentliche Hauptunterschied besteht darin, dass auf ‚Urfader‘ etwas mehr Wert auf Clean-Gesang gelegt wird, da es das erste Album war, an dem der damalige Clean-Sänger Martin von Anfang an mitwirkte, und auch, dass es ein recht klares Klangbild hat. Das liegt vor allem daran, dass wir alles in den Top Floor Studios aufgenommen haben, die viel mit sehr knackigen und hochproduzierten Sounds arbeiten, viel Progressive Metal und dergleichen. Für dieses Album haben wir mit dem kleinen, feinen Studio HoboRec zusammengearbeitet, deren Hintergrund eher im raueren Metal, Punk und Metalcore liegt. Ich glaube, das hat dem neuen Album eine ganz andere Atmosphäre verliehen. Vor allem finde ich, dass die Growls auf diesem Werk besser und härter klingen als je zuvor! Im Grunde haben beide Studios, die jeweils zuvor noch nicht wirklich mit Folk Metal gearbeitet hatten, ihr Fachwissen und ihre Erfahrung bei der Zusammenarbeit mit uns eingebracht, was zu einigen recht interessanten klanglichen Unterschieden zwischen den Alben geführt hat.“
Laut Teds Ergänzung hätte es sein Bandkollege nicht besser beschreiben können.
„Ich möchte noch hinzufügen: Wenn wir die Studios einmal außer Acht lassen und uns ausschließlich auf den Musikstil selbst konzentrieren, dann hat sich unser Stil meiner Meinung nach etwas wilder und weniger vorhersehbar entwickelt als auf ‚Urfader‘, ist aber immer noch kontrollierter und fokussierter als in unseren Anfangsjahren.“
Gevatter Sjulmark möchte den neuen Langspieler seiner Truppe dahingehend sowieso als eine Art Neuanfang betrachten.
„In vielerlei Hinsicht ist es genau das. Denn das ist einfach das Gefühl, das spontan in mir aufkommt, wenn ich darüber nachdenke, wie dieses Album in unserer Diskografie grundsätzlich so dasteht.“
Johan grinst zustimmend: „Wir sagen das zwar immer wieder, aber wir sind wirklich unglaublich zufrieden mit der Produktion dieses Albums. Es ist zudem eine Verschmelzung von Altem und Neuem. Sowohl in dem Sinne, dass Marcus zurück ist und die Elowson-Brüder dazugekommen sind, als auch in der Musik. Neben den Songs, die eigens für diesen Release geschrieben wurden, haben wir auch ein paar alte Lieder von einer sehr frühen EP neu aufgenommen. ‚Runstenen‘ und ‚Völvans spådom‘ sowie das Stück ‚De kom från norr‘, welches ein Akustiksong von einer alten Akustik-EP war. Und ‚Där mjöd och högmod flödar‘ war ebenfalls ein Song, der schon vor langer Zeit geschrieben wurde, wahrscheinlich sogar vor über zehn Jahren. Aber erst auf diesem Album hat er seinen passenden Text und seinen richtigen Platz gefunden.“
© Markus Eck, 29.07.2026
Photo Credit: Alexandra Petersen
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