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Interview: ELYSION
Titel: Konstant facettenreich

Mit ihrem vitalen Mix aus Alternative und Gothic Metal konnten sich die Hellenen um Sängerin Christianna über die Jahre vor allem seit dem 2009er Debütalbum „Silent Scr3am“ weit über die Landesgrenzen hinaus eine äußerst stabile Fanbase erspielen.

„Identity“, der aktuelle Nachfolger zum Vorgängeralbum „Bring Out Your Dead“ aus 2023 offenbart die gelungene kompositorische Weiterentwicklung der überaus ambitionierten Band, die sich stilistisch weiterhin treu bleibt.

Es müsste schon mit dem Inselteufel zugehen, wenn Elysion mit diesem famosen vierten Langspieler nicht ein veritabler Erfolg beschieden sein wird.

„Ja, wir sind natürlich total begeistert von ‚Identity‘, haben härter als je zuvor an diesem Album gearbeitet und können es kaum erwarten, es mit der Welt zu teilen! Die Resonanz auf die beiden bereits veröffentlichten Singles war spektakulär, aber die richtige Feier beginnt erst, wenn wir mit den neuen Songs auf die Bühne gehen“, verkündet Christianna mit einer sagenhaften Lebendigkeit.

„Wie immer lässt es unsere Herzen vor Begeisterung schneller schlagen, aber auch mit ein bisschen Nervosität – wir drücken die Daumen, dass wir es schaffen, unsere Botschaft zu vermitteln, und dass all die Liebe, die wir in das neue Album gesteckt haben, ihre Empfänger findet! Ich muss zugeben, dass ich bei ‚Identity‘ besonders nervös bin, verglichen mit den vorherigen Alben, denn dies ist das anspruchsvollste Werk, das wir bisher veröffentlicht haben – mit einem härteren Sound, einigen neuen experimentellen Elementen und insgesamt einer ganz neuen Ebene von Emotionen. Ich kann kaum glauben, dass es in ein paar Monaten endlich erscheint.“

Elysion wurde bereits 2006 von Maxi Nil co-gegründet, die der Verfasser vor vielen Jahren interviewt hat, als sie noch Sängerin bei Visions Of Atlantis war.

Und viele Gothic-Metal-Heads haben es bislang nie wirklich geschafft, Elysion unter all den vielen Veröffentlichungen im Genre die Aufmerksamkeit zu schenken, die das Quartett verdient.

Auch bei Metal Archives ist die enorm selbsttreue Formation nicht aufgeführt – was wohl an der partiell Rock-orientierten Alternative-Metal-Musik liegen dürfte.

Christianna nickt. „Elysion wurden 2006 von Johnny Zero ins Leben gerufen, und ja, Maxi war damals die Vokalistin. Ich selbst bin dann 2008 zur Band gestoßen, noch vor den Aufnahmen zu unserem ersten Album ‚Silent Scr3am‘ – meine Güte, das kommt mir jetzt vor wie eine Ewigkeit. Seitdem hat sich so viel verändert und doch ist so vieles gleich geblieben. Ich habe keine Ahnung, warum Metal Archives uns nicht auflistet. Absolut, das stimmt, sind wir unserem Sound immer sehr treu geblieben, und abgesehen von der offensichtlichen Entwicklung, die die Jahre bei jeder Band mit sich bringen, sind wir stolz darauf, dass es eines der größten Komplimente unserer Fans ist, dass wir unserem Charakter – daher auch der Titel ‚Identity‘ – stets treu geblieben sind und stets Songs in gleichbleibender Qualität liefern.“

Zwei Jahrzehnte künstlerisch am Ball, dafür gebührt den Beteiligten Respekt und Anerkennung. „Ich kann ehrlich gesagt gar nicht fassen, wie schnell die Zeit vergeht – es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich ins Studio gegangen bin, um das erste Album aufzunehmen! Es war zum Glück einfach, unserem künstlerischen Selbst treu zu bleiben - denn alles, was wir je getan haben, war, unserem Herzen zu folgen und unsere Träume und Ängste durch Musik auszudrücken. Keine Rezepte, es kam alles ganz natürlich. Es wäre schwierig gewesen, so zu tun, als wären wir etwas anderes – es war einfach, einfach wir selbst zu sein.“

Vielen wird Christiannas kraftvoller Gesang Wonnen ins Gehör zaubern, der den Fehler vermeidet, andere nachahmen zu wollen, und der stattdessen lieber eigenes Potenzial und stimmliches Charisma über einen weiten Tonumfang hinweg voll zur Geltung bringt.

Die formidable „Solo“-Gesangspassage in „Do Or Die“ zeigt dies vollends auf - klingt, als wäre viel Mühe und Sorgfalt in die mannigfaltigen emotionalen Facetten geflossen, von denen jede sorgfältig ausgelotet wird.

„Das freut mich riesig, denn ich möchte in der Tat niemanden imitieren und versuche immer, wie ich selbst zu klingen, kombiniere dabei aber verschiedene Techniken, um dem Gefühl des Songs gerecht zu werden. ‚Identity‘ war bzw. ist für mich stimmlich das anspruchsvollste Elysion-Album, und ich habe jede Sekunde der Aufnahmen in vollen Zügen genossen! Produzent Fotis Benardo hat so viel dazu beigetragen, indem er das Beste aus mir herausgeholt hat und genau wusste, was ich mir vorstelle und wie man es umsetzt. ‚Do Or Die‘ ist auch einer meiner persönlichen Favoriten auf dem Album. Insgesamt geht es mir vor allem darum, die Emotion rüberzubringen. Nicht, um ‚zu viel zu singen‘, nicht, um mich selbst und meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, sondern um die Geschichte zu erzählen. Der Song ist größer als wir, die Musik ist größer als der Musiker. Wir sind die Botschafter, die Botschaft steht über uns.“

Leicht vorzustellen, dass Elysion insbesondere in ihrem Heimatland sehr populär und beliebt sind. Jedoch: „Eigentlich ist es genau umgekehrt. Natürlich sind wir hier bekannt und können uns über einen mangelnden Bekanntheitsgrad nicht beklagen, aber wenn man sich unsere sozialen Medien ansieht, wird man feststellen, dass wir außerhalb der Landesgrenzen weitaus beliebter sind, und das war schon immer ein Segen. Seit über 20 Jahren sind wir eine Band, die mit begrenztem Budget und selbst finanzierten Mitteln alles daran setzt, das bestmögliche Ergebnis in Bezug auf Songwriting und Produktion zu erzielen. Wir hatten keinerlei Werbung und dennoch haben wir vom ersten Tag an unglaubliche Unterstützung aus der ganzen Welt erfahren. Wir könnten dafür nicht dankbarer sein. Das gilt nicht nur für Europa, sondern auch für die USA, Lateinamerika und Japan - wir haben in der Vergangenheit sogar spezielle japanische Ausgaben veröffentlicht -, und ich möchte unseren Spotify-Account erwähnen, der uns seit vielen Jahren in Folge zu den weltweit meistgestreamten Metal-Bands aus Griechenland macht. Man verzeihe mir, dass ich das so gerne hervorhebe, aber es ist eine riesige Ehre und eine herzerwärmende Leistung, die wir dem Engagement der Elysion-Familie verdanken. Alles an dem kommenden Album ist ihnen gewidmet.“

© Markus Eck, 02.10.2026

Photo Credit: Dimitris Tzortzis

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