Top
Interview: DUIR
Titel: Level für Level

Dass diese ungestüme Horde aus Verona für ihr zweites Album einen Label-Deal einsacken konnte, erscheint bei den qualitativen Klängen von „Catarsi“ einzig logisch. Folkloristischer Black Metal, mitreißend wild, melodisch griffig, spielkulturell famos, gesanglich mordsgiftig und atmosphärisch hermetisch stimmig.

Was ihre angesehenen Genrevettern Belenos über die Jahre für Frankreich wurden, das sollte damit nun auch Duir für ihr Heimatland mühelos möglich sein.

Wie Axeman und Composer MK dazu wissen lässt, empfindet dies auch die Band als einen sehr wichtigen Schritt für sich.

„Der Plattenvertrag und das zweite Album sind das Ergebnis langjähriger harter Arbeit, daher ist es auf jeden Fall befriedigend zu sehen, wie alles zusammenkommt. Gleichzeitig fühlt es sich aber eher wie ein neuer Ausgangspunkt an als wie ein endgültiger Erfolg. Es gibt noch viel, was wir tun und verbessern wollen, daher liegt der Fokus im Moment hauptsächlich darauf, auf dem bisher Erreichten aufzubauen und sicherzustellen, dass diese nächste Veröffentlichung uns richtig repräsentiert.“ 


Auffällig bei Duir sind die schwarzen Kostüme mit den verschiedenfarbigen Fantasiesymbolen. 


MK: „Sie stehen für den Schatten und die Dunkelheit, die den Kern unserer Musik und der Themen bilden, mit denen wir uns bei Duir beschäftigen. Sie sind die Grundschicht, das emotionale und konzeptionelle Fundament der Band. Die fluoreszierenden Symbole hingegen stehen für menschliche Emotionen und verschiedene innere Zustände. Sie sind eine Möglichkeit, diesen Gefühlen visuell Gestalt zu verleihen, fast so, als würde man hervorheben, was in der Dunkelheit existiert. Zusammen ergibt sich ein einfacher Kontrast: Der Schatten als Fundament und die Symbole als Fragmente von Emotionen, die daraus hervortreten.“

Was die Beziehungen in der Formation untereinander angeht, so ist das Band der Verbundenheit gerade so stark wie nie zuvor, wie der Saitenschrubber sagt.

„Wir fühlen uns jetzt wirklich wie eine Einheit. Alle verfolgen dieselbe Richtung und dasselbe Ziel, und das macht sowohl den kreativen als auch den Arbeitsprozess viel fokussierter und unkomplizierter.“

„Catarsi“ bietet in haufenweise umwerfendem Material auch völlig wahnsinnige, extrem aggressiv-hysterische Vokalisierungen, was von dem findigen Griffbrett-Surfer unmittelbar abgenickt wird.

„Mit ‚Catarsi‘ ist unser Sound definitiv fokussierter geworden und hat ein stärkeres Bewusstsein für seine eigene Identität entwickelt. Die Folk-Elemente spielen nun eine zentralere Rolle im Songwriting, und die Black-Metal-Seite ist in Bezug auf Struktur und Intensität geschlossener geworden. Diese Entwicklung ergab sich ganz natürlich dadurch, dass wir konsequenter zusammen geschrieben und gespielt haben. Wir haben besser verstanden, wie man Atmosphäre, Aggression und melodische Elemente in Einklang bringt, ohne eines davon zu erzwingen. Was mir persönlich an diesem Stil am besten gefällt, ist genau diese Balance. Sie ermöglicht es uns, bei Bedarf extrem zu sein, aber dennoch ein starkes Gespür für Melodie und Atmosphäre in den Songs zu bewahren.“

Und hinter seiner Musik stehen viele verschiedene Inspirationsquellen, so der Notenmeister, die sowohl aus der Black-Metal- als auch aus der Folk-beeinflussten Szene stammen.

„Bands wie Moonsorrow, Alcest, Saor, Panopticon, Ellende, Groza, Austere, Woods Of Desolation und Enisum - mit denen ich auch als Session-Gitarrist zusammenarbeite und die für mich persönlich eine große Inspiration waren - waren in den letzten Jahren wichtige Vorbilder, insbesondere was die Atmosphäre, den Songwriting-Ansatz und die emotionale Wirkung angeht. Wenn ich weiter zurückblicke, hatten Bands wie Draugr und die frühen Ensiferum-Alben einen großen Einfluss auf mich, als ich jünger war, insbesondere in Bezug darauf, wie Folk-Elemente auf direktere Weise mit Extreme Metal kombiniert werden können. Außerhalb des Metal sind Komponisten wie Hans Zimmer und Howard Shore ebenfalls eine wichtige Inspirationsquelle, insbesondere wegen ihrer Fähigkeit, durch Komposition Atmosphäre und Emotionen aufzubauen.“

Thematisch spielt sich „Catarsi“ im Ersten Weltkrieg ab: Ein junger Soldat ist auf seiner eigenen kathartischen Reise, hin- und hergerissen zwischen Stolz, Verzweiflung und Vergessenheit. 


Wie sich Sänger Vox In Umbra dazu informierend einbringt, so stammt die Inspiration dazu aus verschiedenen Quellen. „Der Ort, an dem sich unser Proberaum befindet, ist eine österreichische Festung aus dem Jahr 1845, die im Laufe der Jahrhunderte Tausende von Soldaten beherbergt hat. An den Wänden sind noch immer Inschriften zu sehen, die während des Ersten Weltkriegs eingeritzt wurden – Namen von Soldaten, die in den Stein gemeißelt sind. Dies war für uns eine starke Quelle des Interesses und der Inspiration, die es uns ermöglichte, bestimmte Geschichten durch die Orte selbst nacherleben zu können. Große Inspiration haben wir auch aus Filmen wie ‚1917‘, Büchern wie ‚Im Westen nichts Neues‘ und der Poesie geschöpft – insbesondere aus dem Großteil von Ungarettis Werken, aus denen wir im Song ‚Del Giorno‘ direkt zitieren. Von dort aus ließ ich meiner Fantasie freien Lauf und schuf die Figur des Vox In Umbra – einen Soldaten, der im Kampf niedergestreckt wird, aber nicht stirbt … und doch auch nicht überlebt. Er existiert in einer Schwebe, die ihn zu einer Stimme im Schatten macht – ‚Vox in Umbra‘ bedeutet auf Lateinisch ‚die Stimme im Schatten‘ –, welche die Geschichten, die Empfindungen und die Ängste des Soldaten im Krieg erzählt.“


© Markus Eck, 12.06.2026

Photo Credit: Duir

[ zur Übersicht ]

All copyrights for image material are held by the respective owners.

Advertising

+++