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Interview: CYHRA
Titel: Auf Gefühl komm’ raus

Maximal vitalisierender Melodic Metal? Aufregend modern und überraschend originell arrangiert? Aus Schweden? Mit illustrem Line-Up? Und ein neues Album noch dazu?

Ein rundum interessantes „Ja!“ gibt die Band als gewichtige Antwort auf all diese Fragen - und empfiehlt dazu herzlich den vierten Studio-Release „Requiem For A Pipe Dream“.

Auch von der PR des Labels werden Cyhra als „Melodic Metal Supergroup“ vermarktet. Sänger Jake E nimmt dies gelassen, wie er wissen lässt.

„Das schmeichelt uns natürlich, aber gleichzeitig machen wir uns nicht allzu viele Gedanken über Etiketten oder Titel. Und manchmal wirkt sich dieses ‚Etikett‘ sogar nachteilig für uns aus. Wir alle kommen aus Bands und Projekten, die in verschiedenen Bereichen der Metal-Szene erfolgreich waren, daher verstehe ich, warum die Leute den Begriff ‚Supergroup‘ verwenden. Für uns ging es bei Cyhra jedoch nie darum, berühmte Namen zusammenzubringen. Es ging immer darum, Musiker zu finden, die dieselbe Leidenschaft für das Schreiben großartiger Songs teilen. Letztendlich entscheidet das Publikum, was wir sind. Wenn die Leute die Musik hören und sich damit identifizieren können, ist das das Wichtigste. Wir gehen immer noch jedes Album mit der Einstellung an, dass wir etwas zu beweisen haben.“

In den letzten zehn Jahren war er mit Cyhra ziemlich aktiv in der Szene – was viele Erfahrungen, Lektionen und Erkenntnisse mit sich brachte. 


„Die wichtigste Lektion ist, dass großartige Musik allein nicht mehr ausreicht. Man muss anpassungsfähig, geduldig und bereit sein, ständig dazuzulernen. Die Musikindustrie hat sich seit den Anfängen von Cyhra dramatisch verändert. Streaming, soziale Medien, Content-Erstellung, die Wirtschaftlichkeit von Tourneen – alles ist anders. Wir haben auch gelernt, wie wichtig Durchhaltevermögen ist. Jede Band erlebt Rückschläge. Mitglieder kommen und gehen, Tourneen werden abgesagt, Chancen vergehen und Pläne ändern sich. Die Bands, die überleben, sind diejenigen, die weitermachen. Eine weitere wichtige Lektion ist, auf sein Bauchgefühl zu vertrauen. Manchmal sind es gerade die Songs, bei denen Labels, das Management oder sogar die Leute um einen herum unsicher sind, die jedoch dann bei den Fans am besten ankommen.“

So glaubt der Frontmann, wie er sagt, über all diese Zeit viel aufgeschlossener geworden zu sein.

„Vor Jahren fühlten sich die Metal-Genres noch stärker voneinander getrennt an. Heute legen die Hörer nicht mehr so viel Wert auf Grenzen. Die jüngere Generation ist damit aufgewachsen, Metal, Pop, elektronische Musik, Hip-Hop und Rock gleichzeitig zu hören. Aus diesem Grund glaube ich, dass Modern Metal viel kreativer geworden ist. Ein heavy Riff kann neben einem gewaltigen melodischen Refrain, atmosphärischen Elementen oder elektronischen Texturen bestehen. Was mir heute am wichtigsten ist, ist nicht, ob etwas perfekt in ein Genre passt. Es geht darum, ob es eine emotionale Reaktion hervorruft.“

Aber auch die Band selbst ist insgesamt selbstbewusster geworden, was ihre Identität angeht, wie in dem Kontext zu erfahren ist. 


„In der Anfangszeit ist man natürlich noch dabei, seine Identität zu finden. Jetzt wissen wir, dass Cyhra aggressiv, melodisch, emotional, modern und klassisch zugleich sein kann. Was mir heute besonders gefällt, ist, dass wir keine Angst mehr haben, einem Song zu folgen, wohin auch immer er uns führen mag. Wenn ein Track heavier sein muss, machen wir ihn heavier. Wenn er einen massiven Refrain braucht, machen wir das. Wir dienen dem Song und nicht einer vorgefassten Vorstellung davon, wie Cyhra sein sollte.“


Auch dadurch kann „Requiem For A Pipe Dream“ mühelos überzeugen – so kraftvoll und abwechslungsreich, so originell und eingängig zugleich wie die neuen Songs sind.

Partiell schaffen es Cyhra gar, den Verfasser damit an The Rasmus auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Karriere zu erinnern. 


Jake: „Das ist ein wirklich interessanter Vergleich. Ich mochte ‚In The Shadows‘ sehr und bin damals sogar als Pyrotechniker für einige Shows mit ihnen auf Tour gegangen. Bei Cyhra versuchen wir nie bewusst, wie eine andere Band zu klingen, aber ich denke, es gibt Ähnlichkeiten in dem Sinne, dass wir wollen, dass Heavy-Musik emotional und zugänglich bleibt. Wir möchten, dass sich die Hörer an die Songs erinnern, nachdem sie sie einmal gehört haben, und ihnen gleichzeitig Tiefe und Substanz unter der Oberfläche verleihen.“ 


So erlebt der Sänger es als aufregend - und beängstigend (!) - zugleich, wie er unumwunden preisgibt, daran zu denken, dass zahllose Menschen nun seine neue Musik freudig zelebrieren werden.

„Man verbringt Monate, manchmal Jahre damit, mit diesen Songs zu leben. Irgendwann verliert man fast den Überblick, weil man sie so oft gehört hat. Dann kommt der Moment, in dem sie nicht mehr einem selbst, sondern den Zuhörern gehören. Das ist immer der lohnendste Teil. Zu sehen, wie die Leute die Songs interpretieren, und Bedeutungen zu entdecken, die wir nie bewusst beabsichtigt haben, ist eine der großen Freuden am Musikmachen.“


© Markus Eck, 21.05.2026

Photo Credit: Linda Florin

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