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Interview: YE BANISHED PRIVATEERS
Titel: Beherzter Beutezug

Diese aufgeweckten schwedischen Kostümfreunde erfüllen das Vermächtnis der historischen Freibeuter des 17. Jahrhunderts so aufwändig und liebevoll mit musikalischem Leben, dass es Seltenheitswert hat.

Die vielköpfig instrumentierende und facettenreich vokalisierende Formation zelebriert ihren Pirate Folk dermaßen schwungvoll und unterhaltsam, dass es einfach Laune macht.

Das aktuelle dritte Album von Ye Banished Privateers führt die Kursroute der beiden Vorgänger „Songs And Curses“ und „The Legend Of Libertalia“ in quicklebendig blubberndem Fahrwasser fort. Und die bunten Lieder auf „First Night Back In Port“ sind in der Tat abwechslungsreicher als die Flattertöne einer Totenkopffahne im wildesten Orkan.

Wie Trommler und Leadsänger Black Pyte mit einer gehörigen Portion an Enthusiasmus in der rauen Stimme berichtet, können er und seine Mannschaft schier gar nicht genug bekommen vom Thema Piraten.

„Und wir merken ja auch immer wieder, dass es vielen da draußen ebenso geht wie uns. Sie wurden eigentlich schon während ihrer Hochzeit zu einem Mythos verklärt. Ich denke, das liegt hauptsächlich an der Verlockung ihres freien und unabhängigen Underdog-Lebensstils. Ein weltweit relativ kleiner Haufen an Lumpen und Ausbrechern aus der Unterschicht der Gesellschaft, der es geschafft hat, eine riesige Markierung in der Geschichtsschreibung zu hinterlassen.“


Wie der singende Taktklopfer weiter ausführt, zählten die trinkfreudigen Säbelschwinger in der Seepiraterie an der Schwelle zum 18. Jahrhundert gar nicht mehr als zwischen 3.000 bis 5.000 Mann.

„Dennoch schafften sie es, die fünf Großmächte der Welt für einige Jahre in eine beinahe komplette Seeblockade zu zwingen. Es geht also gar nicht mal so sehr um den versteckten, großen und sagenhaften Schatz. Sondern viel mehr um Freiheit und Gemeinschaft, und auch darum, seine eigenen Regeln aufzustellen und sich individuelle Chancen einfach energisch freizuschlagen. Und ahem, ja, natürlich auch darum, bis zum Morgengrauen Rum zu saufen“, wird das Statement laut lachend beendet.“


Wer die prächtig inszenierten Bandportraits von Ye Banished Privateers erblickt, der mag sich fragen, wie viel Arbeit in derlei Staffage wohl stecken mag. Wellenbrecher Black Pyte lässt wissen: „Einige von uns stecken eine Menge Aufwand in die visuelle Seite der Band, weil sie die Optik als eine wichtige Rolle im Gesamtbild erachten. Die Kleidungsstücke sind ein Mix aus Flohmarktfunden und zusammengeflickten Altkleiderfetzen. So manches davon haben wir uns auch emsig von Opern- und Theater-Outlets zusammengefischt. Wir vermeiden es ganz bewusst, Lagerhaus-designte, Pseudo-Renaissance-Klamotten und den obligatorischen ‚Piratenkarneval‘ bei uns zu präsentieren. Viel lieber zeigen wir uns so originell wie möglich.“ 



Zudem fordern die raue Natur der Auftritte und die Bedingungen der Touren einen schweren Tribut von den Kostümen. „Uns ist das tatsächlich aber nur recht, wir nähen einen Flicken nach dem anderen dazu und waschen sehr wenig - das lässt die Stücke umso echter, länger getragener aussehen. Seht euch doch nur mal Silent Jims Hemd an! Er hat es an, seitdem er uns beigetreten ist, mittlerweile besteht es aus mehr Flicken als das Ursprüngliche.“

Selbiger, bei dem fidelen Haufen seines Zeichens Mandolinist und ebenfalls Leadsänger, bevorzugt im direkten Vergleich Filme der „Fluch der Karibik“-Reihe.

„Die erwähnten alten Klassiker mit Errol Flynn beispielsweise aus den 50er- und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts geben mir eher weniger - ich bin ja nicht damit aufgewachsen. Ich liebe also eher die mysteriösen und atmosphärischen Welten der modernen ‚Fantasy Piraten‘, die aus offensichtlichen Gründen visuell natürlich noch viel reicher und prächtiger gezeigt werden. Auch wird eine deftige Prise an dunkler Magie zugefügt, die doch prima zu den überzeichneten Charakteren in ihren oftmals übertriebenen Outfits passt. Einziger Wermutstropfen ist meiner Ansicht nach, dass in den neuen Movies der Fokus viel zu sehr auf ständige, teils wirklich kuriose Action gelegt wird, anstatt der filmischen Bestimmung gerecht zu werden - nämlich, großartige Stories zu erzählen.“

© Markus Eck, 04.06.2017

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