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Interview: VISIONS OF ATLANTIS
Titel: Bewusste Lebensnähe

Viel hat sich seit dem 2013er Album „Ethera“ bei den österreichischen Symphonic Metallern getan, welche von Besetzungswechseln seit jeher alles andere als verschont waren.

Einmal mehr änderte sich bei Visions Of Atlantis auch die Position der Leadvokalistin - so wurde die griechische Frontdame Maxi Nil zum Jahresende 2013 durch die fähigere Französin Clémentine Delauney abgelöst. Die herausragenden Kehlenkünste von letzterer kennen Insider bereits durch ihr edles Wirken bei der stilistisch teils nicht ganz unähnlich vorgehenden Austria-Formation Serenity.

Bandgründer, Wegbereiter und Drummer Thomas Caser ließ die Line-Up-Würfel ohnehin wiederholt schwungvoll poltern, stellte Visions Of Atlantis mit den seiner Meinung nach optimal harmonierenden Protagonisten zusammen. Und Allroundmeister Caser hatte ein glückliches Händchen, wie die breit überzeugenden Songs des sechsten Albums „The Deep & The Dark“ beweisen, dessen Veröffentlichung für den 16. Februar 2018 datiert ist.

Clémentine lässt mich ebenso gerne wie offen und herzlich an ihrer persönlichen Jahresbilanz teilhaben.

„Danke der Nachfrage, ich fühle mich derzeit wirklich prächtig“, schnellt es aus dem sympathischen, attraktiven Wirbelwind heraus, „ich habe zwar auch dieser Tage sehr viel um die Ohren, aber das füllt mich prima aus! 2017 ging gefühlt extrem schnell für mich vorbei. Das Jahr war zwar von so einigen wundervollen Höhen durchzogen, doch ich hatte leider auch unerwartete Niederlagen zu bestehen, die teils heftig waren. Einige Konstanten in meinem Dasein erwiesen sich jedoch als so stabil, verlässlich und letztlich massiv kräftigend, was mich ermutigte, immer weiterzumachen, ganz egal, was mir passierte. Alles in allem war es für mich ein intensives und produktives Jahr.“

Wie sie, von ihrem schmunzelndem Lachen begleitet, weiter erzählt, hat sie sowieso keinerlei Zeit in ihrem selbstgewählten Trubel, um überhaupt in ‚Jahren‘ zu denken.

„Ich werde es schon wissen, wann die richtige Zeit sein wird, um eine Familie zu gründen. Momentan ist es eindeutig noch nicht soweit. Ich habe gegenwärtig noch so viele Dinge und Ziele im Kopf, die ich unbedingt verwirklichen will. Und ich möchte mein Leben schließlich immer noch nach meinen eigenen Vorstellungen leben können. Es ist dennoch ein harter Weg, den ich gehe. Und der Faktor Zeit ist für mich darin sozusagen das Schlüsselelement. Ich investiere meine Zeit daher primär in die für mich jeweils wichtigsten Aufgaben und Belange. Dass ich selbst auch älter werde, ist Bestandteil des Lebens, dagegen kann man nichts tun. Man sollte es daher einfach akzeptieren und nicht großartig darüber nachdenken!“

Mit ihren 2017 absolvierten Leistungen ist Madame Delauney nicht nur im Reinen, sondern sogar größtenteils überaus zufrieden, wie die 30-jährige dezent aufgeregt wissen lässt. „Die beiden großen Projekte, die für das Jahr geplant waren, gerieten beinahe wie von selbst nach meiner Vorstellung, was mich immens froh machen kann: Neben dem neuen Visions Of Atlantis-Album ‚The Deep & The Dark’ wirkte ich bekanntlich auch mit den drei Sängerinnen Amanda Somerville, Anna Brunner und Marina La Torraca beim neuen Exit Eden-Longplayer ‚Rhapsodies In Black’ mit. Wenn ich zu persönlichen Aspekten oder meinem musikprofessionell geführten Leben resümiere, gab es Überraschungen im hellen und auch dunklen Sektor. Ich muss nicht unbedingt alles in meinem Leben kontrollieren. Was ich handhaben kann, das ergreife ich, damit es so wird, wie ich es möchte. Kommt es allerdings zu Sachen, die ich nicht in der Hand habe, dann überlasse ich es lieber dem Leben an sich, seine eigene Magie zu zaubern. Und genau diese Art meines Umgangs damit brachte mir in der Vergangenheit bereits einige großartige Geschehnisse und Entwicklungen mit sich. Dafür bin ich sehr dankbar! Das Jahr verlief also für mich im Schnitt nicht wie vorab erhofft, wenn ich so darüber sinniere, sondern sogar besser - und manchmal eben schlechter.“

Dass die Sängerin so gut gelaunt im Gespräch ist, liegt vor allem auch am erfreulichen Feedback zum vorab veröffentlichten Song „Return To Lemuria“, der von den Fans ganz begeistert aufgenommen wird.

Clémentine strahlt über das ganze Gesicht:

„Fantastisch, unsere Anhänger feiern das Stück richtig ab! Und nicht nur das, die Leute verstehen auch, wohin wir mit dem Album gehen wollen, und wertschätzen die neue musikalische Direktive, was es für die ganze Band gerade umso schöner zu erleben macht. Ich bin total glücklich damit. Eine große Zahl an Menschen fragt uns auch jetzt schon nach einer Visions Of Atlantis-Welttour, was sich sehr speziell für mich anfühlt, insbesondere nach der relativ langen Albumpause der Band seit ‚Ethera‘. Das tut enorm gut. Natürlich kann ich es daneben schier kaum noch erwarten, dass ‚The Deep & The Dark’ endlich veröffentlicht wird und wie sich die Reaktionen auf das gesamte Songmaterial gestalten. Denn es sind so einige tolle Lieder darin enthalten.“

Als der Dialog dazu übergeht, der Vokalistin ihre jeweilig schönsten und übelsten Erlebnisse im Jahr zu entlocken, gerät ihr Redefluss zunächst wieder schlagartig in quirlige Impulsivität. „Mit das Tollste und am meisten Überwältigende war ganz klar all die Arbeit und das Album von Exit Eden! Es hat mir so viel Spaß gemacht und es war ein so interessantes, frisches und wagemutiges Projekt. Bekannte Popsongs ins Metalgewand zu bringen und mit drei wundervollen Ladys zu covern, empfand ich als eine regelrechte Explosion an frischem Wind in mir. Zudem konnten wir im September ganz urplötzlich auf die Bühne mit den Tracks gehen, was so nicht zu erwarten war, weil unser Management zunächst bewusst erst für 2018 etwas veranschlagt hatte.“

Die Fans dabei zum ersten Mal zu treffen, nachdem das eigentliche Albumprojekt von Exit Eden einige Monate zuvor abgeschlossen wurde, fühlte sich für die Frau richtig gut an, offenbart sie.

„Und es half uns vieren, viel mehr zu realisieren, dass Exit Eden und das ganze Feedback ‚echt‘ ist. Ich erwartete mir im Vorfeld für Exit Eden nämlich reine Liebe und starken Hass gleichermaßen. Und so kam es auch. Allerdings beeindruckte mich die positive Seite wirklich sehr. Ich durfte so viele Leute erleben, die große Freude an dem haben, was wir da tun, und die ihre Gefühle enthusiastisch mit uns teilen. Wir erhielten bereits kurz nach dem Release der ersten Kompositionen zahlreiche Messages, es wurden Fan-Pages aufgezogen und sogar auch Fan-Art kreiert. Das war so überhaupt nicht zu erwarten!“

Und auch noch endlich an das Songwriting der neuen Visions Of Atlantis-Nummern gehen zu können, erlebte Clémentine in allen Wonnen.

„Ich musste schließlich sehr, sehr lange darauf warten! Es verlief wirklich außergewöhnlich speziell, diese Songtexte zu verfassen und das Ganze Ende des Sommers final im Studio aufzunehmen.“

Als Clémentine zu den weniger erfreulichen Geschehnissen übergeht, wird sie erst merklich nachdenklich, dann ernster und schließlich tiefsinniger.

„Meine Niederlagen und Tiefschläge erstreckten sich mehr auf der persönlichen Seite. Ich habe ja hier in Frankreich mit Sounds Like Hell Productions als örtlicher Konzertveranstalter meine eigene Firma am Laufen. Dabei hatte ich mich 2017 ernsten Schwierigkeiten zu stellen, die mich in argen inneren Aufruhr versetzten. Intensive Zweifel daran waren Mitte des Sommers die leidige Folge. Ich bin keine depressive Person, doch für einige Zeit fühlte ich mich tatsächlich so. Ich wollte gar nichts mehr anpacken zu der Zeit, sah alles viel zu dunkel, war dabei, meine Hoffnungen und Träume selbst zu zerstören. So wurde ich sogar leicht krank vor den Aufnahmen zum neuen Visions Of Atlantis-Album. Wir mussten deswegen sogar eine Show absagen und die Aufnahmen verzögern. Das war ein schwerer Schlag für mich. Ich bin so unsagbar dankbar, dass ich in dieser schlimmen Zeit auf Menschen zählen konnte, die für mich da waren. Ich sehe meine Freunde nicht gerade oft, aber ich kann glücklicherweise voll auf sie zählen, vor allem auf meinen Lebenspartner Harald.“

Als es zurück zu den rundherum positiven Aspekten des Jahres geht, freut sich die empfindsame Sängerin sichtlich, über die gespielten Festivals berichten zu können. „Vor allem das tschechische Masters Of Rock war erneut absolut fantastisch zu erleben, wir lieben die Leute dort! Die Metal Days 2017 in Slowenien waren für Visions Of Atlantis ebenfalls ein fulminantes Erlebnis, wir spielten genau vor dem Sturm, der da nachfolgend toste. Und, weil wir gerade dabei sind: was Gigs von Serenity angeht, so kann es ebenfalls nicht erwarten, mit der Band im Februar 2018 das neue Album ‚Lionheart‘ in ganz Europa zu präsentieren!“

Wie sie preisgibt, lieh Clémentine 2017 ihr Ohr einer Vielzahl an unterschiedlichen Künstlern und Formationen.

„Ziemlich schwer zu sagen, welche davon mich am meisten betört, inspiriert oder beeinflusst haben. Vielleicht Maybe Plini, Lana Del Rey, Anneke Van Giersbergens Vuur, Polyphia, Holding Absence, Periphery, Sigur Ròs oder Pvris … um eine grobe Übersicht zu nennen.“

An filmischen Werken, die ihrem Geschmack entsprechen, ist die Kunstsinnige ebenfalls sehr interessiert.

So ging ihr der Adventure-Movie „The Lost City Of Z” von James Gray ganz besonders unter die Haut, sagt sie.

„Der war viel interessanter, tiefgründiger und bedeutungsvoller als der Blockbuster ‚Fantastic Beasts‘ aus der Harry Potter-Saga, der zwar schön anzusehen war, sich aber für mich ziemlich hohl anfühlte. Echt großartig fand ich auch, was aus dem Stoff von ‚Wonder Woman‘ gemacht wurde! Endlich mal ein richtiger Superheldenfilm mit einer Frau in der Hauptrolle und dann auch noch begeisternd gemacht, Danke an Patty Jenkins! Aber auch ‚Dunkirk‘ von Christopher Nolan war sehr beeindruckend zu sehen. Ich schätze viele seiner eigenständigen Regieentscheidungen sehr, welche den Zuschauer auf eine völlig andere, aber kraftvolle Weise in diesem Kriegsfilm mitnehmen.“

© Markus Eck, 27.12.2017

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