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Interview: VELVET OCEAN
Titel: Aus der ganzen Fülle des Herzens

Ebenso verspielt wie eingängig und gefühlvoll lassen es diese aus dem nördlichen Teil Finnlands angehen. Velvet Ocean aus Oulu nennen ihren Stil selbst treffend Alternative Melodic Metal.

Mit der behutsam vokalisierenden Stimme von Frontfrau Riitu Ronkainen werden die Songs betont emotional besungen, was ein stimmiges Gesamtbild mit sich bringt.

2015 gegründet, lassen die aufrichtigen Liebhaber von düster-schönen, romantischen Stimmungen nun das Debütalbum „Purposes And Promises“ folgen - eine nicht allzu hart ertönende Genießerscheibe zum Schwelgen und Träumen.

Wie Riitus Ehemann und Gitarrist Jarkko, kurz ‚Jake‘, zum mehrjährigen Entstehungsprozess von „Purposes And Promises“ wissen lässt, war den Beteiligten zu Beginn noch gar keine allzu klare Marschroute bewusst.

„Wir legten da eben einfach los und waren primär hoffnungsvoll. Beide wollten wir auf alle Fälle ein Metal-Album machen, doch welche Sorte an Metal dabei entsteht, war unsicher. Primär sollte es musikalisch ehrlich und durchwegs aufrichtig sein. Wir wollten uns nämlich nicht einschränken müssen, sondern ganz intuitiv weitermachen, um zu sehen, was herauskommt, wenn wir die Ideen einfach frei fließen lassen. Genauso waren wir aber auch durchaus bereit, Ideen aus Genres außerhalb des Metal zu verwenden. Wir hoffen natürlich, dass diese Art von intuitiver Herangehensweise als eine Art Originalität im fertigen Album zu hören ist.“

Riitu fügt an: „Für mich ist das Wichtigste beim Musizieren die Herstellung einer Verbindung auf emotionaler Ebene zwischen meiner Musik und den Menschen die sie hören. Für mich geht es bei dem Ganzen darum, wie sich ein Mensch dabei fühlt. Auch war es für mich von Anfang an höchst relevant, meine eigenen Lieder erstmalig überhaupt zu veröffentlichen. Ich freue mich sehr darüber, dass das Album so vielseitig geworden ist, und es soll auch als eine Art Einführung für neue Hörer dienen. Ich hoffe sehr, dass diese Lieder exakt das jeweilige Gefühl vermitteln, mit dem sie gemacht worden sind.“

Wie Jake resümiert, waren sie beide alles in allem nicht sehr erfahrene Songwriter und Texter, als sie mit der Arbeit an dem Album begannen. „Ich denke, das Wichtigste war eine Art Lernprozess während der gesamten Erstellung. Von den ersten Ideen, ganz egal wie großartig man sie auch findet, ist es noch ein langer Weg bis zu den Arrangements und der Klanglandschaft, wie man sie letztlich haben möchte. So war es großartig zu erleben, wie sich unsere Fähigkeiten in vielen Dingen während dieses Prozesses entwickelt haben. Nach all der harten Arbeit sind wir selbst ziemlich glücklich mit ‚Purposes And Promises‘.“

Laut Riitu ist das Debütalbum hauptsächlich erfüllt von einer genuinen Mischung aus verschiedenen Gefühlszuständen.

Sie gerät merklich ins Sinnieren: „Verzweiflung, Enttäuschung, Angst, Widerspruch, Hoffnung, Phantasie. Und dem Glauben daran, dass die Dinge besser werden.“

Jake nickt dazu wohlwollend: „Ja, in den Songs geht es in der Tat ziemlich emotional und auch oftmals vertieft melancholisch zu - aber ich denke, die Traurigkeit, die man hören kann oder könnte, ist von bittersüßer Qualität. Es gibt viele Dinge, die im Leben von uns Menschen passieren und es kann eben nicht immer nur einzig Sonnenschein und Glück vorherrschen. Es mag ein Klischee sein, aber ich bin wirklich der Ansicht, dass man auch dunklere Tage haben muss, um das Gute in besseren Tagen überhaupt zu sehen. Damit meine ich, dass das Album nicht depressiv wirken soll. Es ist eine Art ‚Tagebuch‘ einiger Ereignisse in unserem Leben, und wir hoffen, dass die Leute das ganz spezielle Gefühl, das diese Dinge in uns hervorgerufen haben, nachempfinden können und vielleicht sogar etwas für sich selbst daraus gewinnen können.“

Ganz direkt befragt, ob sie selbst auch derlei Charakter- und Wesenszüge birgt wie die dramaturgisch so voluminös aufgeladenen Kompositionen von Velvet Ocean, bekennt Riitu mit dem Brustton der Überzeugung:

„Ja, das ist definitiv der Fall bei mir. Ich bin sehr emotional und ich lebe jeden Augenblick mit Leidenschaft. Natürlich hat das auch Nachteile, weil es manchmal ziemlich hart werden kann. Zugegeben, es ist jedoch sehr nützlich, um unsere Lieder zu machen, denn genau dadurch werden die Emotionen 1:1 in Melodien und Texte umgesetzt!“

Jake pflichtet dazu erneut bei, diesmal gar von einem seriös-liebevollen Grinsen untermauert - er kennt seine Frau schließlich genau, ist er doch seit zwölf Jahren mit ihr liiert.

„Ich glaube, wir sind beide ziemlich emotional oder in gewisser Weise sogar schrullig, aber wenn man den reinen Songwritingprozess betrachtet, gibt es da einen wichtigen Unterschied. Riitus Schreiben ist sehr intuitiv und sie bringt sich irgendwie in die richtige Stimmung und fängt dann einfach an, das aufzunehmen oder aufzuschreiben, was immer sie in diesem Moment fühlt. Sie spürt die Musik in sich selbst und muss sie eigentlich nur noch aus sich herausholen. Mein eigenes Songwriting ist vielleicht das Gegenteil. Ich muss über jede mögliche Perspektive nachdenken und eine Art ‚mathematisches‘ Modell dessen bilden, was ich zu tun versuche. Dazu gehört bei mir auch viel ‚Versuch und Irrtum‘. Und natürlich muss die hauptsächliche Motivation hinter all dem sein, dass es etwas gibt, was man mit der eigenen Musik im Kern nach außen hin ausdrücken will.“

© Markus Eck, 17.03.2020

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