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Interview: TROLLFEST
Titel: Geschmacklich grenzenlos

Viele nehmen sie primär als die köstlich durchgeknallten Spaßvögel wahr, die sie tatsächlich auch sind. Kenner des norwegischen Haufens schätzen daneben aber auch ein unerhört hohes Maß an Originalität nebst einer oberquirligen Hochniveau-Spielkultur.

Als Laune machende Überbrückung von ihrem 2019er Album „Norwegian Fairytales“ zum nächsten Langdreher spendieren Trollfest ihren Anhängern nun die EP „Happy Heroes“. Vokalist Trollmannen präsentiert sich wie immer in fideler Erzähllaune. Befragt, wie man in diesen betrüblichen Zeiten so eine Fun-Bombe wie „Happy Heroes“ zünden kann, erhellt sich seine Miene wie ein Sonnenaufgang im Zeitraffer.

„Ich behaupte, dass gerade in solchen Zeiten das Lächeln und das Lachen am wichtigsten ist - und wir haben die Hoffnung, dass unsere Songs etwas von der Depression lindern können, die immer wieder umherschwirrt. Wir wissen sicher, dass dies bei uns der Fall war, denn von der Ideenfindung bis zur Fertigstellung der EP haben wir auf dem ganzen Weg gegrinst, gejuxt und gegackert!“

Die riesige, geradezu eruptive Spielfreude, mit welcher die Formation über sämtliche Genregrenzen bekannt wurde, konnte für dieses Mal gar noch fabelhafter umgesetzt werden als je zuvor seit der 2003er Gründung - lebendiger, dynamischer und spritziger geht es wohl nicht. Trollmannen resümiert:

„Ich glaube, als wir mit den Aufnahmen zu dieser EP begannen, hatte die Pandemie bereits voll eingesetzt. Wir mussten unsere Amerika-Tournee absagen. Einige von uns hatten bereits ihre Jobs verloren und die Gesellschaft kam gerade aus dem ersten Lockdown in Norwegen heraus. Wir hatten uns seit dem Streaming-Konzert im Osloer Blå ja nicht mehr gesehen und auch nicht mehr zusammen gespielt. So war eine ganze Menge Glück und Freude mit in Umlauf, einfach, weil wir uns wiedersehen würden. Gepaart mit der unbändigen Freude, unsere Instrumente wieder zusammen spielen zu können, hatten wir wirklich alle Zutaten für eine schöne Zeit.“

Der aufbrausende Titeltrack „Happy Heroes“ verkündet die abgefahrene Story von einem Comic-Anti-Superhelden. „Herman Hedning ist ein Comic von Jonas Darnell, also dem Mann, der seit unserem dritten Album ‚Villanden‘ unsere Cover zeichnet. Das ist mit Abstand mein Lieblingscomic aller Zeiten, weil sein Humor perfekt zu mir passt. Es ist vielleicht erwähnenswert, dass wir von klein auf große Fans seiner Comics waren - deshalb sind wir einst an ihn herangetreten, damit er für uns zeichnet. Ich liebe auch die Asterix-Comics und die dänischen Valhall-Comics. Mein absoluter Lieblingsheld ist wahrscheinlich Batman, auch wenn er in vielerlei Hinsicht nur ein reicher Kerl ist, der herumläuft und arme Leute verprügelt“, bekennt der Frontmann.

Warum dieses Mal ‚nur‘ eine EP für die Fans drin ist, hat natürlich seinen Grund.

Ob die Kerle in ihrem neuen Glücksrausch am Ende nach nur wenigen Songs so wild geworden sind, dass ihre Lachmuskeln den Dienst versagt haben? Der Sänger legt dar:

„Guter Ansatz, und teilweise wahr - aber im Grunde lag es an den drei darauf vertretenen Coversongs. Wir wollten wieder ein paar Covers machen, hatten aber das Gefühl, dass es nicht auf ein Album von uns mit lyrischen Konzepten und so passen würde. Und wir hatten auch einen coolen Stand-Alone-Song herumliegen - also haben wir einfach beides kombiniert und eine EP gemacht.“

Dargeboten werden die immens unterhaltsamen Nummern „Happy“, im Original von Pharrell Williams, „Don't Worry Be Happy“, einst von Bobby McFerrin gesungen, sowie der Aqua-Hit „Cartoon Heroes“.

Auswahl und ‚Trollfestisierung‘ der ungewöhnlichen Nachspielversionen erfolgten aus persönlichen Vorlieben heraus. „Jeder dieser Coversongs wird von mindestens einem unserer Mitglieder in seiner ursprünglichen Form wirklich geliebt.“

© Markus Eck, 02.03.2021

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