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Interview: THULCANDRA
Titel: Einfach souverän

Mit „Hail The Abyss“ liefern die bayerischen Black Death-Metaller wieder mal gehobene Genrekost ab. Der fünfte Langspieler präsentiert die spieltechnischen Geschicke des anspruchsvollen Quartetts in allen Raffinessen, was aus den enorm flüssig inszenierten Kompositionen inspirierend abgründige und energisch fesselnde Notenstürmen macht.

Wie Sänger und Gitarrist Steffen Kummerer dazu wissen lässt, fasst „Hail The Abyss“ die Stärken und Entwicklungen der letzten Jahre zusammen.

„Das Album entstand aus der Arbeit des Kollektivs und öffnet sich stilistisch mehr und mehr. Gerade verschiedene Tempi wurden noch weiter ausgereizt und das Repertoire von Uptempo bis hin zu fast Doom-lastigen Passagen unterstreicht den variablen Charakter der Band. Wir diskutieren wenig und schreiben Musik nach unserem Bauchgefühl, setzen Ideen direkt um und erhalten einen rohen Gesamteindruck. Man hört eine echte Band spielen, kein glatt poliertes Studioprojekt.“

An jedem Song und jedem Detail möchte auch er, selbst nach der finalen Abgabe, immer noch arbeiten, so bekennt der fitte Saitenschrubber.

„Ich persönlich bin mit jedem Lied schon zufrieden, sonst wäre es nicht auf dem Album. Die Fülle an Material und das breite Spektrum an Sounds sind für mich die Würze unserer neuen Veröffentlichung. Kein Song ähnelt dem anderen, das gesamte Album fließt in einem Stück. Wir habe circa ein halbes Jahr an den Aufnahmen zu ‚Hail The Abyss‘ gearbeitet. Einige Stücke waren nicht ganz neu und basieren auf älteren Ideen. Zusätzlich wurden zwei unvollendete Nummern der Sessions zu ‚Under A Frozen Sun‘ von 2011 endlich ausgearbeitet und abgeschlossen. Beide Songs werden im 7“-Format unter dem Namen ‚Black Sun Aeon‘ veröffentlicht.“

Kompositionen auszuarbeiten und zu notieren ist Steffen oft schon Freude genug, konstatiert er.

„Wirklich besonders sind für mich dann die Momente in denen Kollagen während der Aufnahmen entstehen und bis zur finalen Abgabe wachsen - und letztendlich irgendwann sogar besser als erhofft klingen.“

Das gesamte Songwriting lief auch diesmal wie seit jeher bei Thulcandra ab, wie bilanziert wird. Steffen: „Wir arbeiten einzelne Songs aus und geben den Stücken in der Gruppe den letzten Schliff. Einzelne Lieder liefern beide Gitarristen an, das Arrangement und der Feinschliff wird nachfolgend von uns allen bearbeitet. In diesem Setup wurde bereits am 2021er Vorgänger ‚A Dying Wish‘ erfolgreich gearbeitet, und daran wollten wir auch vorerst nichts ändern. An manchen Kompositionen sitze ich Jahre, an anderen wenige Tage. Jedes Stück hat seine eigene Geschichte und einen eigenen Werdegang.“

Auch die Zusammenarbeit war wiederholt vom ausgeprägten Gemeinschaftssinn der Formation beseelt. „Als Band sind wir live und auch in unserer Studioumgebung eingespielt und können uns auf die Erfahrung des jeweils anderen verlassen. Wir stellen sicher alle Songs zu notieren und vorzuproduzieren bevor wir mit einem Studio Kontakt aufnehmen. Kompositorisch waren die Arbeiten an geeigneten Streicher- und Chorpassagen diesmal wahrscheinlich die aufwändigsten Aufgaben. Generell erhalten wir uns einen spontanen Charakter und möchten auch nicht zu viel analysieren, der Vibe und das Feeling stehen bei uns schließlich ganz klar im Vordergrund.“

Studioarbeiten genießt dieser virtuose Griffbrett-Profi grundsätzlich, wie er informiert. „ Die aktuellen Aufnahmen verliefen ohne Rückschläge. Mit einem realistischen Zeitplan lassen sich auch Hürden problemlos überbrücken und Abgaben einhalten. Die jeweilige Zusammenarbeit mit Thomas Taube im FiveLakes Studio und Dan Swanö vom Unisound Studio verlief hervorragend und wir schätzen uns glücklich mit beiden an ‚Hail The Abyss‘ gearbeitet zu haben. Die Master-Aufnahmen klingen dynamisch, kein Instrument wurde poliert und jede Performance transportiert eine natürliche Intensität. Auch damit bin ich persönlich sehr zufrieden.“

© Markus Eck, 02.05.2023

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