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Interview: THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA
Titel: Aus der Welt der Träume

Herzlich willkommen, liebe Passagiere des Zeitreise-Nachtfluges in die Rockwelt der 1980er - die Maschine startet nun, bitte schnallen sie sich an und genießen sie ihren Trip in aller Nostalgie!

Ja, was die schwedischen Retro-Meister um Vokalist Björn ‚Speed‘ Strid auf ihrem neuesten Album „Aeromantic II“ liefern, könnte dieser nicht nur musikalisch wirklich sagenhaften Ära nicht beseelter und verbundener huldigen.

Das originelle Helsingborger Septett vereint entsprechende Inspirationen erneut mit seiner ganz eigenen Linienführung, und, wie Björn wissen lässt, ist das Songwriting auch für den aktuellen Titelnachfolger zum letztjährigen Longplayer für die Band das reinste Kinderspiel gewesen: 


„Es lief echt scheinbar besser denn je! Als wir die enthaltenen Kompositionen - es sind alles Stücke, welche aus allerlei Gründen irgendwie nicht so recht auf den Albumvorgänger passten - bearbeiten und aufbereiteten, nahm es eine Eigendynamik an, die zum reinsten Selbstläufer wurde. [lacht] Der Ideenfluss war einfach phänomenal. Natürlich tat COVID19 auch seinen Teil dazu, wir konnten nicht touren etc. und hatten somit auch eine Unmenge mehr an Zeit fürs Songwriting.“

Dass sich auch die neuen Kompostionen auf „Aeromantic II“ so ungemein genuin, völlig ungekünstelt und so flüssig ins Ohr gehend anhören, hat seinen Grund, wie von dem bemerkenswert lässigen Sänger zu erfahren ist.

„Ich war ja schon als Kind voll in der Musik drin. Ich liebte es, mit meiner Mutter im Auto mitzufahren, denn sie hatte stets prima Musik in ihrer Anlage laufen. Wir hörten in dieser Zeit nicht selten oft dieselben Lieder immer wieder, weil wir zwei sie so liebten. Vieles davon hat sich lebenslang in mir eingebrannt - Toto, Foreigner, Asia, Journey etc.“

Nach seinem ganz persönlichen ‚Erweckungslied‘ befragt, gibt der passionierte Retrorocker offenherzig preis:

„Das war Mark Knopflers ‚Local Heroes Theme‘. Und wie ich es heute noch liebe! Ich war noch ziemlich klein, und meine Mutter hörte die Nummer nach dem Aufstehen - ich war schlagartig gänzlich berührt und von da an war auch ich musikalisch! Viel hat man ja nicht mehr aus seinen eigenen, frühesten Tagen auf Erden klar im Bewusstsein - doch daran kann ich mich noch ganz genau erinnern. Ich fühlte mich so sehr davon angesprochen, ‚Local Heroes Theme‘ hat mich tatsächlich voll und ganz für einnehmen können. Ich bin Muttern und diesem speziellen Lied also für immer zutiefst dankbar.“

Als der entsprechend impulsiv angeregte Dialog auf die beiden Background-Vokalistinnen Anna-Mia Bonde und Anna Brygård Bezug nimmt, gesteht der Frontmann noch eine seiner Schwächen, und Björn gerät dabei gar in einen merklich milden Erzählton.

„Mir haben es seit jeher die alten Bands mit Backgroundsängerinnen angetan. Früher, also primär in den 60s und auch noch frühen Siebzigern, was das gang und gebe - beispielsweise die frühen Acts die auf den berühmten Motown Records unter Vertrag waren. Weibliche Background-Vocals bringen so viel Wärme in einen Song. Mir fehlt das so, wenn ich die heutige Musikwelt sehe und höre. So hat es sich wohl völlig natürlich ergeben, dass derlei auch in The Night Flight Orchestra verwirklicht wird.“


Neueinsteigern, welche erstmalig und überraschend mit der Tatsache konfrontiert werden, dass Björn in der Vergangenheit und auch noch heute aktiv bei ziemlich hart zockenden Combos mitmischt, teilt der Vielseitige mit:

„Bei Soilwork und einigen anderen bin ich natürlich noch dabei, denn ich liebe ja nach wie vor eine weite Bandbreite an Stilen. Egal, ob knallhart oder eher in der AOR-Schiene, ich kann mich und meine mannigfaltigen Stimmungen da einfach bestens verwirklichen.“

Ja, sagt Björn, eine richtige Metal-Dröhnung ist für ihn das eine, und da darf es auch mal gerne herb bis ziemlich derb zugehen - doch sein Herz schlägt einfach auch heftig pulsierend für die phänomenalen Rockgiganten der Achtziger Jahre.

„Wenn ich mal gute Laune brauche etc. gibt es nichts Besseres für mich, als all die vertrauten, mir über all die Jahre seit damals immer enger ans Herz gewachsenen Klassiker aus dieser Zeit kultiviert zu genießen. Viele Songs davon sind so dermaßen genial und zeitlos, dass man einfach nur darüber staunen muss. Der Grund dafür liegt meines Erachtens nach hauptsächlich auch darin, dass die Menschen zu der Zeit mehr Träume im Kopf hatten und es ihnen aufgrund der unbeschwerteren Lebensumstände auch sehr viel leichter fiel, sich in ihre Wunschvisionen hinein zu träumen. Heutzutage ist das ja doch gänzlich anders: man ist von immens viel kommunikativer, digitaler Technik eingenommen, den ganzen Tag lang hämmern einem überwiegend negative ‚News‘ unerbittlich in den Schädel - und es liegt an jedem einzelnen selbst, sich davon nicht in Trübsal, Missmut und Hoffnungslosigkeit bringen zu lassen.“

© Markus Eck, 14.08.2021

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