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Interview: TANZWUT
Titel: Gekonnt improvisiert

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Aktivitäten - so partizipierten die Berliner Spielmänner beim zweiten Teil des Online Musik Festivals, welches von 21. bis 24. Mai 2021 im Netz stattfand. Mit von der Partie waren stilistisch unterschiedliche Acts wie Patty Gurdy, Manntra, Eklipse und Harpyie.

Nun veröffentlichen Tanzwut ihre neue Live-CD als Special Edition, die im Frühjahr aufgezeichnet wurde - als erste Single-Auskopplung gab es die ‚liebevolle‘ Nummer „Berlin“.

Die Frage, wie zufrieden er selbst ist mit all dem erhaltenen Medien- und Fan-Feedback zum aktuellen Studioalbum „Die Tanzwut kehrt zurück“, macht den Mann mächtig glücklich: „Ich muss sagen, die Reaktionen auf unser Album haben alles übertroffen an positiver Resonanz was wir bisher hatten. Der Einstieg in die deutschen Charts auf Platz 11 war auch der höchste in der Bandgeschichte und wir sind sehr stolz darauf.“

Die Idee, eine spezielle Live-Single zu veröffentlichen, kam ganz automatisch.

„Wir hatten bei den Aufnahmen zum Online Musikfestival schon darüber nachgedacht den Titel ‚Berlin‘ als Single extra auszukoppeln. Die Live-Aufzeichnung war eine gute Gelegenheit diesen Songtitel mit professionellen Kameras und professioneller Tontechnik aufzuzeichnen. Dieser Titel lief auch nicht beim Online Musikfestival, sondern er ist erst jetzt exklusiv erschienen.“

So seltsam, wie man zunächst annehmen möchte, hat der Gehörnte es gar nicht empfunden, diesen Song ohne echtes Auditorium fürs Online Musik Festival 2021 zu spielen.

„Für mich sind diese Aufnahmen Zeugnis einer besonderen Zeit in der Musiker und Künstler keine Auftritte hatten und somit anderweitig kreativ werden mussten. Es entstanden viele interessante künstlerische Aktivitäten und ich war selbst verwundert, was da so alles aus dem Boden gestampft wurde. Natürlich ist es letztlich dennoch merkwürdig für eine Liveband wie uns, die es gewohnt ist vor Publikum zu spielen, ein solches Konzert zu geben.“

Die wackeren Tanzwüteriche betraten hierzu absolutes Neuland.

„Es war auf jeden Fall ungewohnt und natürlich nicht einfach dabei ein Live-Feeling rüberzubringen. Und selbst die Finanzierung eines solchen Projektes ist ja nicht so einfach. Für uns war es wie eine Premiere, da wir insgesamt sechs neue Stücke vom neuen Album ‚Die Tanzwut kehrt zurück‘ gespielt haben. Doch wir waren glücklich und froh, daß wir auf diese Art und Weise vor einem Publikum spielen konnten, welches ohne die Möglichkeit des Internets nicht hätte stattfinden können. Sicherlich ist es eine große organisatorische Aufgabe gewesen dies alles umzusetzen. Wir bedanken uns auch bei jenen die uns in dieser Zeit so viel Mut und Vertrauen entgegengebracht haben.“

Er und seine Spielleute haben für diese Aufnahmen laut Teufel extra ein professionelles Aufzeichnungsstudio bei Hamburg angemietet. Dort wurde die Bühnenshow mit acht verschiedenen Kameras und diverser Technik aufgezeichnet, wie zu erfahren ist.

„Ich bin mit dem Klangergebnis sehr zufrieden - natürlich ist es schwer ein Live-Feeling wie bei großen Festivals oder auch bei Club-Shows in so einem Studio wirklich rüberzubringen. Trotz allem freuen wir uns über dieses Ergebnis. Ich meine, das für die Zuschauer an den Endgeräten unser Motto ‚lasst uns durchdrehen‘ keinesfalls zu kurz kommt. Es war auf jeden Fall auch an der Zeit einen Live-Mitschnitt von Tanzwut zu präsentieren - für uns war es eine wahnsinnig gute Möglichkeit sich in Corona-Zeiten als Band zu präsentieren.“

Tanzwut hätten ohne dieses spezielle Festival wenige Möglichkeiten gehabt, ihre neue CD live zu präsentieren, so wird konstatiert. „Ich finde die Idee und auch die Umsetzung sehr gelungen. Wir hätten gern noch mehr solche Konzerte gespielt. Deshalb sind wir dankbar für diese Chance und möchten natürlich mit unserer Live-CD dies denjenigen nicht vorenthalten, die es vielleicht nicht geschafft haben das Online Musikfestival zu schauen. Dennoch muss ich ganz klar sagen, dass ich ein Live-Konzert vor Publikum einem Online-Studioauftritt immer vorziehen würde. Denn was wären wir, wenn wir nicht mehr vor Menschen spielen könnten?“

Die fidelen Mannen haben selbst 2021 aber tatsächlich doch einige Festivals bespielt - und sich sehr gefreut, dass sie endlich wieder mal so richtig live auf der Bühne stehen konnten, informiert Teufel.

„Unter anderem waren wir beim wydeOpenAir in der Schweiz, beim NCN Festival und beim Mittelalterfestival in Feuchtwangen, um nur einige zu nennen.“

Dann dreht sich der Dialog um den neuesten Release „Die Tanzwut kehrt zurück (Special Edition)“.

„Hierzu gibt zu verkünden, dass es diese CD sowohl als Bundle, aber auch einzeln als reine Live-CD geben wird. Also wer unser neues Album ‚Die Tanzwut kehrt zurück‘ noch nicht hat, der kann es sich nun auch als Paket kaufen. Und wer die CD hat, kann das Live-Album mit sechs exklusiven Stücken von Online Musikfestival auch einzeln kaufen.“


Wie sieht er als Veteran im Metier es - wird so eine Veröffentlichung als ‚Aufguss‘ denn eigentlich gut laufen? Eisbrecher haben das auch schon mal so gemacht, wie man sich erinnert.

„Ich denke, dass man das heutzutage nie genau wissen kann. CDs werden ja mittlerweile nur noch von Sammlern gekauft. Und wenn man Fans hat, die Musik auch noch in den Händen halten wollen, ist man als Musiker überglücklich.“


Teufels Heimatstadt Berlin hat sich in den letzten 20 Jahren doch vielfach merklich verändert - Meister Rothorn bilanziert:

„Wenn man Berlin über einen so langen Zeitraum wie ich gesehen hat, sei es der Mauerfall oder Ost-Berlin oder auch die Tendenzen, dass sich nun mittlerweile in dieser Stadt kaum noch Wohnraum finden lässt, ist es ein Hin- und Hergerissen-sein zwischen positiven und negativen Emotionen. Es ist wie eine Liebe zu einer Frau, mit der man eigentlich nicht mehr zusammen sein will, aber bei der man am Ende doch immer wieder landet. Und man wird es jedes Mal wieder bereuen. Ich habe zurzeit das Gefühl, dass das Negative in punkto Berlin überwiegt und trotzdem bleibe ich in dieser Stadt. Das kann sich allerdings innerhalb von kürzester Zeit auch wieder ändern. Es ist einfach eine Art Hassliebe, welche mich schon seit Ewigkeiten begleitet.“

© Markus Eck, 16.11.2021

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