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Interview: STORMWITCH
Titel: Mit bewährten Tugenden

Dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören wollen, das beweisen die schwäbischen Vorreiter, einst als „The Masters Of Black Romantic“ und mit sagenhaft melodischen Genrehits bekannt geworden.

Das neueste Album „Bound To The Witch“ zeigt die 1981 gegründeten Heavy Metaller wieder von der hörenswerteren und stilvollsten Seite, wozu auch der 2002 zur Band zurückgekehrte Sänger Andy ‚Aldrian‘ Mück erneut mit seiner unverwechselbaren Stimme beiträgt.

Dass sich „Bound To The Witch“ wie aus einem Guss anhört, kommt nicht von ungefähr. Wie Gitarrist Volker Schmietow nämlich zu berichten weiß, lief die Zusammenarbeit während der Produktion des aktuellen Langspielers untereinander einfach super.

„Natürlich gab es den einen oder anderen Diskussionspunkt, den wir aber gut miteinander gelöst haben“, sagt er und Andy nickt dies mit freudigem Gesicht auch völlig harmonisch ab.

Wie der Vokalist ergänzt, war der vielzitierte Spaß dieses Mal sogar Wirklichkeit.

Auch Axeman Tobi Kipp könnte wohl kaum besser drauf sein:

„Innerhalb der Band herrscht zurzeit ein hervorragendes Klima. Wir akzeptieren und respektieren uns alle. Wir haben einfach nur noch Freude im Proberaum und ebenso ist es auf der Bühne!“

Stormwitch existiert seit sagenhaft vielen Jahren - was damals zur Aufbruchszeit des teutonischen Schwermetalls begann, macht 2018 mit einem überraschend feinen Album weiter, das die urtypischen Trademarks der Formation gekonnt kultiviert. Befragt, worin die Beteiligten sich selbst inmitten der weltweiten Metal-Szene mit den vielen Stilen etc. sehen, grinst Aldrian ganz spitzbübisch.

„Seit 1981 bewahren wir eine bestimmte Art von Musik, die wir versuchen immer noch etwas zu verbessern. Zu Beginn war es ja eine andere Besetzung, damals hatte ich mit dem Songwriting nicht so viel zu tun, aber wir versuchen natürlich diesem Stil treu zu bleiben.“

Volker resümiert: „Früher sind die Songs ja direkt im Proberaum entstanden. Das ist heute so nicht mehr der Fall. So schicken wir uns die Song-Ideen per Mp3-Files zu und arbeiten damit an den Kompositionen. So ist zum größten Teil auch ‚Bound To The Witch‘ entstanden. Bei einigen Songs hatte Andy schon die Gesangsmelodie am Start und unterlegte diese mit seiner Akustikgitarre. Einige Songs hatten wir auch schon vorproduziert und Andy zur weiteren Bearbeitung zugeschickt. Danach haben wir uns mit ihm getroffen und die Strukturen der Stücke abgesprochen. Daraufhin haben wir beide, also Tobi und ich, die Vorproduktion durchgeführt.“

Die Vocals von Andy setzen haufenweise tolle Erinnerungen an die goldenen Tage von Stormwitch frei.

Wie konnte diese Stimme sich ihre Identität so gut bewahren, werden sich viele Fans fragen. Und der Meister spricht:

„Ich fand es immer traurig, dass Musiker wie Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin und aktuell Amy Winehouse ihr Talent zu früh durch einen exzessiven Lebenswandel zerstört haben. Intensität ist wichtig, aber ich habe mir auch immer Zeit für Meditation, Stille und Naturerlebnisse genommen.“

Wie Andy dazu ergänzt, hat er schon immer den Fokus auf den Song an sich gelegt. „Und zum Glück sind meine Mitstreiter der gleichen Meinung. Tolle Riffs, schöne Melodien, persönliche Gedanken und ungewöhnliche Geschichten gut umgesetzt. Wir nehmen immer nur die Ideen, von denen wir glauben, dass sie etwas Besonderes haben und arbeiten sie aus. Alles andere wird erst gar nicht zu einem Song.“

Wie Volker noch zu erzählen weiß, unterliegen alle Mitglieder von Stormwitch gewissen Einflüssen. „Ich selbst höre fast den ganzen Tag Musik. Natürlich habe ich meine Wurzeln in den 80ern und 90ern. Das hört man an meinem Stil, vor allem bei den Soli, so auch heraus. Das Bemerkenswerte ist eigentlich, dass Tobi, der jüngste bei uns, eigentlich den rockigen Stil hat, während ich eher die Metal-Ecke bediene. Tobi und ich haben sehr viel Zeit während der Produktion miteinander verbracht.“

Tobi selbst äußert hierzu: „So haben wir auch die Lieder bei der Bearbeitung untereinander aufgeteilt. Volker hat zum Beispiel die Songs ‚Odins Ravens‘, ‚Choir Of The Dead‘ und ‚Ancient Times‘ vorwiegend eingespielt, während ich für die Stücke wie ‚Stormwitch', ‚Ghost Of Mansfield Park‘ und ‚Nightingale‘ verantwortlich war.“

Seine Begeisterung für Literatur war schon immer sehr groß, offenbart Andy.

„Vor allem für die englische Schauerliteratur, die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts entstand und ihre Blüte zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlebte. Das Übernatürliche und Unkonventionelle hat mich von Anfang an fasziniert, ebenso außergewöhnliche Persönlichkeiten. Teilweise finden sich in den Texten auch eigene Beobachtungen oder Überzeugungen wieder. ‚The Nightingale‘ beispielsweise - dieser Song steht für mich für die totale Aufopferung für die Liebe.“

So erhofft sich Andy für Stormwitch primär, wie er abschließend wissen lässt, dass viele alte und neue Fans ihre Freude mit der Musik der Band haben. „Und da uns das Kommerzielle immer nur sekundär interessiert hat, hoffe ich ebenso, dass wir auch weiterhin ohne Erfolgsdruck weiter machen können.“

© Markus Eck, 14.07.2018

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