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Interview: STONEMAN
Titel: Ohne Umschweife

Sie wurden zum Opfer archetypischer Bigotterie. Doch die Dinge haben sich mittlerweile wieder eingependelt im Hause Stoneman seit der Seitensperrung der Band-Accounts auf diversen sozialen Netzwerken zu Beginn des Jahres.

So konnten sich die provokanten und querköpfigen Schweizer Dark Rocker verstärkt auf das Songwriting zum kommenden Album „Geil und elektrisch“ konzentrieren. Auch das beeinträchtigte Tour-Biz der Band läuft jetzt wieder so richtig rund, los geht es am sechsten September im Bochumer Rockpalast.

Also alles in Butter eigentlich. Sänger Mikki Chixx ist dennoch so gar nicht auf harmonisches Kuscheln aus. „Ich bin von Haus aus sauer und schlecht gelaunt. Auch umgibt mich eine tägliche Melancholie und Unzufriedenheit. Ich habe keine Ahnung woher das kommt. Vielleicht trinke ich deshalb lieber Bier anstelle Wasser. Die Welt da draußen geht mir immer mehr am Arsch vorbei, dass Leben ist hart genug.“

Am Ende waren all die erfolgreich ausgestandenen Social Network-Mätzchen wie zu erwarten letztlich förderlich für die Popularität und Konsolidierung der Fan-Solidarität, bestätigt der Frontmann.

„Wir sind wieder da und das ist alles was zählt. Es war jedoch sicherlich positiv die unglaubliche Unterstützung unserer Fans und Freunde zu spüren, dass hat uns extrem geholfen. Klar, es war im Nachhinein auch ungewollte Werbung - auch wenn viele uns nun als Brutalo-Band sehen … es ist nicht alles positiv aber wir können und wollen es auch nicht jedem recht machen, definitiv nicht!“

Bassist Dee, ebenfalls voll motiviert dabei, haut auch noch einen raus:

„Natürlich denken und sagen einige Leute, dass jegliche Form von öffentlicher Aufmerksam gut ist. Dies hatten wir natürlich mit der Sperrung unseres Facebook-Accounts und deren daraus resultierender medialer Wirkung. Aber letztlich war es für uns sehr schlimm, da Facebook unser hauptsächlicher Kommunikationskanal sowie unser primäres Marketinginstrument ist.“

Da stellt sich rasch die Frage, ob die schockrockenden Eidgenossen nun mit aller Dickkopf-Manier gerade mit Fleiß noch expliziter werden oder ob sie doch lieber eher gut aufpassen, keine ‚Grenzen des guten Geschmacks‘ zu verletzen. Mikki wird fix deutlich:

„Weder noch! Uns interessieren die Gesetzeshüter und Moralapostel einen Dreck. Aber wir hauen künftig nicht extra in die Kerbe. So viel Aufmerksamkeit haben diese Leute auch gar nicht verdient.“

Schlagzeuger Rico pflichtet seinem Kollegen bei. „Wir werden machen, was wir immer machen. Die ‚No-go’-Parameter der Online-Plattformen und deren Gesetze ändern sich sowieso jede Woche. Es gilt: Nach vorne schauen und weiter ballern!“

Dee ergänzt interessiert: „Die Frage stellt sich sicherlich, ob wir, was die Öffentlichkeitsarbeit angeht, uns nicht ein wenig breiter aufstellen werden - um nicht wie der ‚Esel am Berg zu stehen‘ wenn so etwas nochmals passieren wird. Ändern, wie Rico sagt, werden wir uns niemals. Eher das Gegenteil ist der Fall“, platzt es mit einem Lachen heraus.

Direkt im Anschluß gezielt befragt, was er, vor allem nach all den in 2018 gemachten Erfahrungen, vom viel diskutierten Thema der sogenannten Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO, hält, winkt der Mann genervt ab.

„Ich blende das momentan aus. Ich habe überhaupt keine Lust, dieses irre Spiel mitzuspielen. Ausserdem denke ich nicht, dass die Sache so heiß gegessen wird, wie sie gekocht wird. Wir werden sehen und notfalls darauf reagieren. Ich kann diese Restriktionen, Verbote und Anweisungen des Staates langsam nicht mehr ab!“

Der neue Langspieler seiner Truppe wird die Fans jedenfalls umhauen, prophezeit Mikki in aller Selbstsicherheit.

„Versprochen! Dieses Album wird in guter, alter Stoneman-Manier nach vorne holzen, textlich unangepasst und düster-süß sein. Es knallt definitiv mehr als die Vorgänger. Wir wollten ein Album machen, dass den Leuten mitten ins Gesicht springt. Ein Album mit persönlichen Texten und der ein oder anderen Überraschung. Dazu kommen ein paar Bonustracks für die Tanztempel der Szene. Ich traue mich zu sagen, dass ‚Geil und elektrisch’ das absolute Stoneman-Album überhaupt ist. Es ist geradeaus und ehrlich. Ja, wir haben uns, nach all den Jahren der Arbeit, endlich musikalisch gefunden.“

Rico grinst bei dem Kontext breiter als eine Kinoleinwand. „Wir waren schon immer eine geile Band und haben bereits von Anfang an viele Jahre umfangreich mit elektronischer Mucke herumexperimentiert. Wir haben im Kreativprozess nie nach links oder rechts geschaut, sondern einfach das gemacht was uns gefällt.“

Auch Dee bringt sich diesbezüglich - herzlich lachend - ein: „Es passiert bei Stoneman immer das, was niemand erwartet. Ich meine, ich kenne Bands die es seit 20 Jahren gibt - und da kommt jedes Jahr das gleiche an Musik, Image sowie Attitüde. Da würde sich nicht mal einer einen Bart wachsen lassen wie ich jetzt, auch wenn ihm danach wäre, weil es eben nicht in ihr Schubladendenken passt.“

Ob die neue Veröffentlichung der eigenwilligen Formation bei einer außenstehenden Tonträgerverlagsfirma erscheinen wird, ist laut Mikki noch unklar.

„Nein, nein, auf ein eigenes Band-Label haben wir so gar keine Lust. Gerade dieser Tage führen wir Verhandlungen mit zwei größeren, deutschen Plattenlabels. Die Entscheidung wird dieser Tage fallen und auch der Veröffentlichungstermin von ‚Geil und elektrisch’ wird alsbald bekanntgegeben werden.“

Tiefer zu den neuen Songs und vor allem zur musikalischen Richtung der neuen Kompositionen befragt, konkretisiert Mr. Chixx mit überlegt-besonnen wirkender Denkerstirn:

„Es wird das aggressivste unserer deutschsprachigen Alben. Wir arbeiten momentan gerade mit etwas schnelleren Tempi, damit die Fans etwas zum Mitnicken haben. [lacht] Selbstverständlich bleiben wir der deutschen Sprache mit dem dritten Album zum dritten Male treu. Dazu wird es auch noch ein paar spannende Bonustracks geben. Ich kann es gar nicht erwarten, den Leuten die ersten Songs zu zeigen!“

Dee gibt sich hierzu kurz und knapp. „Die ewige Frage. Ich kann sie, gerade uns betreffend aber gut verstehen und werte das mal als Kompliment. Wir sind absolut zufrieden mit dem Silberling. Das Ganze klingt roh, voller Energie und hat absolute Live-Killer-Songs mit drauf.“

Persönliche Favoriten unter den Songs? Die hat Rico natürlich, wie er offenbart. „Meine Song-Favoriten können sich während des Produktionsprozesses immer mal verschieben - aber ich bin ja noch mitten in der Produktion. Ich habe das gewisse Gefühl, dass es diesmal nicht einmal unbedingt einzelne Songs sind, die ich herausheben möchte, sondern das ganze Album an sich wird ein sehr, sehr typisches Stoneman-Werk! Wo Stoneman draufsteht, da ist auch Stoneman drin.“

Für Dee ist im Moment der Song „Tiefschwarz“ sein ganz individueller Höhepunkt. „Er berührt mich beim Anhören immer wieder aufs Neue sehr.“

Das angeregte Gespräch geht über zu den lyrischen Inhalten der neuen Liederkollektion. Mikki erwähnte im Vorfeld des Interviews als Richtlinie die Themen Sexroboter, Geltungssucht der neuen Generation und verlorene Liebe.

Die verheerende NWO-Agenda mitsamt der geplanten Übersexualisierung und Pornographisierung der Gesellschaften hat längst jede erotische, sittliche und familiäre Gesundheit des Homo Sapiens zerstört.

Selbst in der Gehirnwaschmaschine namens ‚TV’ fallen immer mehr Hüllen und Tabus.

Werden die Leute also demnächst wohl mitten auf der Straße und in den Parks fummeln und ficken, wird Rebell Chixx gefragt.

„Stoneman beschäftigt sich seit jeher mit Dingen aus dem Leben. Geltungssucht und Egoismus sind mit die schlimmsten Feinde der westlichen Welt - wobei sich bestimmt der ein oder andere schon heftig auf die Sexroboter freut“, entlässt er seine Worte lachend.

Und mit den Sexrobotern sind wir auch schon beim Titelsong des Albums angelangt. Mikki, mit verschmitzter Mimik: „Ich denke, ganz ehrlich gesagt, dass diese ganze, von dir so genannte ‚Übersexualisierung‘ zum exakten Gegenteil führt - und im echten, im zwischenmenschlichen Leben eben Sex und Fummelei eher immer noch weniger werden wird. Die jungen Mädels scheinen sich mehr daran zu freuen, ihre Brüste in die Kameras zu halten und die Jungs, diese im Handy zu betrachten, als dies im realen Leben stattfinden zu lassen. Da bin ich schon ganz froh, dieser Generation entkommen zu sein. [lacht]

Dee lacht ebenfalls erst laut und gibt dann preis: „Sexroboter finde ich super! Ich fand es schon ziemlich sexy, als ich das im Film ‚Blade Runner 2049‘ gesehen habe und war neidisch auf Ryan Gosling!“

Die von Mikki angesprochene ‚Geltungssucht‘ - ein effizientes, weiteres Konditionierungs-Tool der globalen Eliten, um gerade die jüngeren Leute, welche eigentlich die Welt positiv verändern könnten, von sich selbst abzulenken, um klares Denken und Empfinden zu nivellieren? Werden die ‚Smombies‘ allesamt als psychische Wracks in ihren ‚gut’ bezahlten, perfide versklavenden NewAge-‚Karrieren' enden, fragt man sich. 


Der Stoneman-Sänger meinte jedoch zuvor, wie er klarstellt, den gesamten Social Media-Selbstdarstellungs-Wahnsinn. „Jeder ist plötzlich öffentlich zu sehen, kann sich färben, bearbeiten und weichzeichnen. Die Welt soll nur exakt das zu sehen bekommen, was man will, im besten Licht. Wer hat die meisten Followers, die meisten Likes, den knackigsten Arsch … ich hasse mein Smartphone, ich habe nichtmal WhatsApp!“

Zum zuvor von ihm erwähnten Thema ‚Verlorene Liebe’ - denkt der Frontmann, dass die Leute ‚heutzutage‘ überhaupt noch zu echter, tiefer, aufrichtiger und beständiger, zwischenmenschlicher Liebe befähigt sind?

Jede zweite Ehe wird ja schließlich schneller geschieden als ‚getraut‘.

„Vielleicht verlieben sich die Leute heutzutage sogar zu schnell oder wissen gar nicht ob sie wirklich lieben. Anders kann ich mir diese Scheidungsrate nicht erklären. Was mich persönlich angeht, so versuche ich bei Liebeskummer ein harter Hund zu sein und auf die Zähne zu beißen“, gibt er ironisch lachend zu Protokoll.

Mikki freut sich mit seiner aufmüpfigen Kapelle schon wahnsinnig auf die Tour, lässt er freudig strahlend wissen. „Darauf, endlich unsere Freunde und Fans wieder zu treffen, mit tollen Support-Bands die Bühnen der Republik zu teilen und nicht zuletzt auf das ein oder andere Bier!“

Tourvorbereitungen empfindet der Vokalist allerdings als die Hölle, so ist zu erfahren. „Mehr kann ich dazu nicht sagen. Nicht die Musikbelange, aber der ganze andere Kram ist wirklich unbeschreiblich aufwändig!“

Dee freut sich am meisten auf den Gig im Hamburger HeadCrash am siebten September. „Und das nicht unbedingt wegen der ‚schönsten‘ Location. Aber weil ich da selber ab und zu rumhänge, blicke ich mit riesiger Spiellust darauf. Ich wollte auch extra, das wir da an einem Wochenende auftreten - und es wird Freitag sein. Somit werde ich mich sicherlich mit einigen Freunden aus Hamburg nach dem Gig auf die Reeperbahn begeben!“

© Markus Eck, 16.06.2018

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