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Interview: SKYCLAD
Titel: Aktualisierter Kern

Nach ganzen acht Jahren ohne ein neues Album würde es so manche andere Band sicherlich unsagbar schwer haben, überhaupt gebührende Aufmerksamkeit zu erlangen. Nicht so aber die einflussreichen Skyclad!

Denn der Stil der 1990 gegründeten UK-Truppe ist Genre-übergreifend und die teils illustre Besetzung dazu auch weitläufig bekannt. Schließlich sorgen global geschätzte Urviecher aus kulthaft verehrten NWOBHM-Acts wie Blind Fury, Satan und Pariah für den markanten Heavy- und Thrash-Anteil der Folk Metal-Pioniere aus Newcastle am Tyne.

Jetzt stellt sich die Formation um das Gitarrenduo Steve Ramsey und Dave Pugh mit dem Comebackwerk „Forward Into The Past“ erneut frohgemut auf, um ihre betont naturnahe Message in alle Richtungen zu verbreiten.

Wie Sänger und Gitarrist Kevin Ridley berichtet, geriet seine Kapelle nicht nur während der Studioaufnahmen des neuen Werkes in einen richtigen Schaffensrausch.

„Es überraschte uns selbst sehr, wie reibungslos, begeistert und produktiv wir nach einer so langen Albumpause zusammenarbeiten konnten. Woche für Woche lief es besser, was man ‚Forward Into The Past‘ auch deutlich anhört. Diese Scheibe sprüht oft geradezu vor Variantenreichtum.“

Die ungewöhnlich lange Abstinenz im musikalischen Geschehen war von seiner Truppe weder gewollt noch geplant, erzählt der Fronter weiter.

„Wir fingen ja eigentlich schon 2011 damit an, an Ideen für ein neues Album arbeiten. Einiges aus dieser Zeit ist auf der neuen Platte zu hören. Nachfolgend passierte aber dann so einiges, Gutes wie Schlechtes, was uns von der Weiterarbeit abhielt. Satan veröffentlichten wieder Alben und tourten. Ich brachte mein Soloalbum heraus. Skyclad spielten einige Special Anniversary Shows. Dazu wurden auch noch einige unserer Musiker sehr krank. So fanden wir uns Anfang 2016 sinnbildlich auf einer Kreuzung wieder, an der wir uns bezüglich eines weiteren Skyclad-Albums zu entscheiden hatten. Zum Glück trat aber kurz zuvor Dave Pugh wieder bei uns ein, der 1995 ausstieg. Er brachte eine wichtige Portion positiver Stimmung mit, um an neuem Material zu arbeiten. Rasch ging dann Mitte letzten Jahres alles wie von selbst, wir hatten uns sozusagen wiedergefunden.“

Und letzteres war unbedingt nötig, denn, so der Sänger, als das Studio im heimischen Newcastle schließlich für September gebucht wurde, stand noch kein einziger voller Song. „Das konkrete Songwriting vollzog sich tatsächlich zwischen August und Dezember, circa fünf Monate alles in allem. Das Ganze wurde zum Selbstläufer“, freut er sich sichtlich.

Die Beteiligten hatten in aller Geschlossenheit einen gemeinsamen Nenner vor Augen, wie zu erfahren ist.

„Dass es uns Freude macht! Für uns war es daneben das Wichtigste, dass die neuen Songs interessant und herausfordernd werden. Und vor allem wollten wir uns keinesfalls wiederholen, was das 2009er Album „In The... All Together“ angeht.“

Und diese Einstellung galt gleichermaßen auch für die Lyrics:

„Neben typischem Folk-Feeling und diversen Blues-Stimmungen gibt es ja auch ein wenig punkige Kante beziehungsweise Attitüde. Ebenso bunt ist daher diesmal auch die textliche Palette, die selbst vor weltbewegenden Themen wie der Not der Flüchtlinge keinesfalls Halt macht.“


Konzipiert wurde „Forward Into The Past“ nämlich als eine Art ‚Geschichtenerzähler‘, so Kevin.

„Die grundsätzliche Idee war, zehn Lieder mit Intro, Interludium und Outro zu kreieren. So platzierten wir als achtes Stück das knapp einminütige Instrumental ‚Unresolved‘. Für jeden der Songs war vorab ein verschiedenes, inhaltliches Thema beziehungsweise Story vorgesehen. Daran hielten wir letztlich dann auch musikalisch fest, was die Vielfalt und den Variantenreichtum der Musik an sich betrifft. Da wird einiges abgedeckt, so sind ‚politische‘ Nummern ebenso vertreten wie Folksongs, Balladen etc.“

Gerne geht der gute Mann tiefer auf das zuvor Gesagte ein.

„Der Inhalt der Scheibe vollzieht einen breiten Spagat von ‚großen‘ zu ‚persönlichen‘ Themenbereichen. So dreht es sich darauf um politische Belange wie Nationalismus, Protektionismus und Populismus, Klimawechsel und Umweltverschmutzung, wie beispielsweise in ‚Change Is Coming‘, ‚State Of The Union Now’ oder im Titelsong. Oder um die teils gravierende Veränderung im Musikgeschäft. An persönliche Schicksale hingegen und wie damit tagtäglich umzugehen ist, sind bestimmte Lieder wie ‚Starstruck?‘, ‚The Measure‘, ‚Words Fail Me‘ und ‚Borderline‘ gerichtet. Traditionelle Formen des klassischen Folksongs präsentieren wir mit ‚A Heavy Price To Pay‘ und ‚The Queen Of The Moors‘. ‚Last Summer’s Rain‘ wiederum blickt zurück in die Zeit des jugendlichen Idealismus und Überschwangs und fragt fordernd ‚was ist passiert?‘.“



Apropos, der Albumtitel „Forward Into The Past" lädt zu Spekulationen ein. Kevin konkretisiert: „Der Titel summiert in der Tat einige relevante Gegebenheiten in Skyclad auf, von den Songtexten mal abgesehen. Ich hatte es relativ schnell im Sinn, das Album so zu nennen. Dave kam zurück zu uns, wir spielten erste kleinere Gigs, wurden wieder warm miteinander. Auch konnte ich Duncan Storr wieder dafür gewinnen, unser Frontcover zu machen, welches den erwähnten Geschichtenerzähler zeigt und die enge Verbundenheit zwischen Mensch und Natur darstellen soll. Einer der hauptsächlichen Beweggründe war auch, zu unseren früheren Themen der Alben aus der Zeit der späten 80er und frühen 90er Jahre zurückzukehren, sie zu aktualisieren und zu sehen, was zwischenzeitlich überhaupt darin passiert ist. Die anderen in der Band waren daher sogleich mit ‚Forward Into The Past‘ einverstanden.“

© Markus Eck, 17.04.2017

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