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Interview: NILE
Titel: Frische Perspektive

Mit dem neuen Albummonster „Vile Nilotic Rites“ orientieren und definieren sich die US-amerikanischen Gildemeister des Technical Brutal Death Metal überraschend neu.

Für den aktuellen Nachfolger zum 2015er „What Should Not Be Unearthed“ entschieden sich Gitarrist und Shouter Karl Sanders und seine Getreuen thematisch dazu, die kreativen Augen nicht mehr nur einzig in die Vergangenheit schauen zu lassen.

Wie Karl zu berichten weiß, haben sich die zwei Neuen mittlerweile bestens in die Band eingelebt. „Bassist Brad Parris stieg bereits 2015 bei Nile ein, Gitarrist Brian Kingsland kam dann 2017 hinzu - beide steuern auch jeweils spezielle Vocals bei. Da ich und unser geschätzter, langjähriger Drummer George Kollias den beiden einen herzlichen Empfang und faire, respektvolle Aufnahme in die Band boten, entwickelten sich die Dinge glücklicherweise zum Besten. Wir wurden ein perfektes Team - und das hört man definitiv auf ‚Vile Nilotic Rites‘.“

Der semmelblonde Frontmann mit dem kumpelhaften Gemüt aus Greenville, South Carolina freut sich sichtlich:

„Das Songwriting ging gar so flüssig und produktiv von der Hand, wie ich es seit unserem 1998er Debütalbum ‚Amongst The Catacombs Of Nephren-Ka‘ nicht mehr erleben durfte! Brad, voll am Ball wie immer bei uns, stachelte mich 2016 in Seattle in einem längeren Gespräch so richtig mit seiner Vision an, noch einen weiteren Mann ins Boot zu holen, der unsere neuen, musikalischen Vorstellungen gänzlich teilen sollte. Er konnte mich überzeugen. 2019 sind wir nun sinnbildlich wie leistungsfreudige Arbeitspferde, die entschlossen in genau dieselbe Richtung trampeln - endlich! [lacht] Als Brian hinzukam, entwickelte sich beinahe blitzartig eine kollektive Besessenheit zwischen uns, was das kommende Nile-Album angeht. Wir buckelten wie die Verrückten, und knieten uns ganz tief in die neuen Songs, um das alles so hinzubekommen.“

Es sollte nämlich kein typisches Nile-Album werden, ergänzt Mr. Sanders.

„Ziel war es, dass die Fans sich selbst bei noch so akribischem Befassen daran auf ganzer Linie erfreuen können. Wir wollten ganz klar erreichen, dass die Leute dazu sagen ‚Fuck yeah, j-e-t-z-t klingen Nile wie Nile klingen sollten!‘“

Die so erstarkte Formation verbrachte ein ganzes Jahr damit, offenbart Karl, in seinen eigenen Serpent Headed Studios an der wuchtigen Vorproduktion dieses mächtigen Werkes zu arbeiten, zu feilen und zu optimieren.

„Hauptsächlich ackerten ich und Brad uns sprichwörtlich den Arsch dabei ab. Ich erinnere mich hauptsächlich an den immensen Aufwand, den wir für die vielschichtigen Songs ‚The Imperishable Stars Are Sickened‘, ‚Seven Horns Of War‘, ‚Snake Pit Mating Frenzy‘ und ‚Long Shadows Of Dread‘ investierten. Relevant war uns dabei vor allem auch, dass alles so druckvoll, punktuell und ‚zentrisch‘ knallt, ballert und tost wie nur maximal möglich. Schließlich wollten wir Toningenieur Mark Lewis die beste Vorlage für sein Mixing und Mastering liefern. Und das Endergebnis ist monumental, wunderbar! Es hat sich voll gelohnt, auf ihn zu setzen, aber wir wussten durch seine grandiosen bisherigen Arbeiten wie beispielsweise für Belphegor und Fallujah ohnehin, das er es voll drauf hat.“

Doch das dauerte eben auch seine Zeit, rechtfertigt Karl die Wartezeit. „Wirklich jedes Riff, jede Note und insbesondere jedes Solo wurde unsagbar pedantisch er- und ausgearbeitet von uns. Selbst die Trommelpassagen von George durchliefen mannigfaltige bis schier endlose Prozesse der steten Erweiterung, Modifikation etc. - auch sie sollten zu einem nahtlosen Teil des Ganzen werden. Diesmal wurde es daher so arrangiert, dass George bereits mit unseren Vocals und den Gitarrenspuren im Ohr seine Felle bearbeiten konnte, er hatte also schon ständig den grundlegenden Kontext des eigentlichen Songs im Kopf beim Einspielen. Und dies war enorm Song-dienlich, da waren wir uns rasch einig. Ich muss es exakt so sagen: George leistet absolut Großartiges in den neuen Kompositionen!“

Überhaupt, wird in dem Bezug noch bestens aufgelegt verkündet, kämpfen auf ‚Vile Nilotic Rites‘ keinerlei Bestandteile gegeneinander. ‚Kämpfen‘?

„Ja, genau so meine ich das. Nichts will das andere auf der Platte ‚ausstechen‘, wir bieten vielmehr vollendete Gemeinsamkeit der zu hörenden Elemente. Egal, ob Schlagzeug und Gesang oder Gitarren und Drums, alles ist wie aus einem Guss, alles bewegt sich wie ein überdimensionaler Strom unaufhaltsam und gewaltig kompakt nach vorne.“

Man muss jederzeit stark genug sein, so pflegt Karl zu sagen, wie er anfügt, um Zeiten der Dürre und Hoffnungslosigkeit zu überstehen. „Resignation kommt nicht in die Tüte! Schwere Tage, in denen die Dinge so aussehen, als würden sie sich nie ändern, setzen zwar auch mir zu, aber ich habe gelernt sie zu meistern. Habe gelernt, an mich und meine Fähigkeiten zu glauben. So bin ich gut vorangekommen. Die Starken werden letztendlich überleben. In Nile herrscht ein neues Ethos: Wir werden nicht mehr in der Vergangenheit und Nostalgie leben. Das ist vorbei und erledigt.“

© Markus Eck, 16.10.2019

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