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Interview: MEGAHERZ
Titel: Schonungslos begeistert

„Wir hatten im Frühjahr eine sehr erfolgreiche Tour. Volle Clubs und eine Mega-Stimmung. Und wir feierten mit dem aktuellen Album ‚Komet‘ unsere erste Top Ten-Platzierung in den Albumcharts. Da können wir uns erst mal nicht beschweren“, frohlockt Sänger Lex.

Erwartungshaltungen gibt es für ihn sowieso nie, so lässt er dazu noch ab. „Bei jeder Veröffentlichung wird das Glücksrad neu geschwungen. Letzten Endes kannst du als Musiker einfach nur das ganze Herzblut in ein neues Album packen und hoffen, dass es den Leuten gefällt. Und das hat es wohl. Von daher sind wir vollauf zufrieden.“

Tüchtig auf Trab gehalten wurde der Mann 2018 daneben vor allem auch von zwei Videodrehs in London, einem Live-Videodreh, zwei Touren und alllerlei Festivals. Er grinst: „Der ganz normale Wahnsinn eben. Obwohl - so ganz normal ist das ja doch eigentlich auch nicht. Mit den ganzen Vorbereitungen, Reisen und dem immer größeren Showaufwand, den wir betreiben, nimmt das einen ganz schön in Anspruch. Aber das macht auch den Reiz aus.“

Gezielt nach dem einen, für ihn ganz speziellen Megaherz-Konzert in 2018 befragt, welches er persönlich einfach rundum am allerschönsten empfunden hat, fängt die Stirn des Vokalisten an, Runzeln zu zeigen. Er schnauft lange aus, um dann zu berichten:

„Das ist gar nicht so einfach. Wir hatten viele schöne Konzerte auf unseren Touren, ob Pratteln, Oberhausen, Leipzig, München, oder jetzt gerade erst in Köln. Es hat geknallt und war mega-intensiv, aber das Abschlusskonzert auf der letzten Tour in Herford war für mich persönlich nochmal ein Stück besonders emotional. Zum einen war die Stimmung innerhalb der ganzen Tourmannschaft mit Heldmaschine und Anna Lux diesmal wirklich besonders eng, was wir unter anderem jeden Abend auch mit zwei Duetten abgefeiert haben: Einmal mit Anna zu ‚Einsam‘ und dann mit Rene zu ‚Jagdzeit‘. Zum anderen haben wir auf dieser Tour auch einen ganz besonderen Menschen geehrt, der uns schon sehr lange begleitet und auf fast jedes unserer Konzerte kommt, egal, welche Strecken er dabei zurücklegen muss. Ein Mensch, der trotz seiner körperlichen Behinderung unglaublichen Lebensmut ausstrahlt und einfach überall ist, wo harte Musik gespielt wird. Auf Festivals oder Konzerten, er ist eigentlich immer in der ersten Reihe dabei. Als Überraschung trugen Heldmaschine ihn mitsamt seinem Rollstuhl auf unsere Bühne und wir haben gemeinsam mit ihm ‚Himmelsstürmer‘ zelebriert und dann mit allen das Ende der Tour gefeiert. Das war einfach großartig!“

Lex hat 2018 viele neue Herausforderungen begonnen, wie er gerne Einblick gewährt. „Neben der Musik und dem Schreiben, habe ich meine ersten Schritte als Sprecher gemacht und hatte ein paar Gastauftritte als Synchronsprecher bei einigen Serien und habe auch schon eine Doku kommentieren dürfen. Außerdem habe ich meinen Roman ‚Blutzoll‘ als Hörbuch eingesprochen und herausgebracht, was ich jedem wirklich nur ans Herz legen möchte, denn diese Geschichte ist etwas ganz Besonderes für mich. Einzig das Schreiben ist dieses Jahr etwas zu kurz gekommen. Das fehlt mir tatsächlich ein wenig. Aber da habe ich ja schon mal einen guten Vorsatz fürs nächste Jahr.“

Gesundheitliche Einbußen hatte der Megaherz-Frontmann in 2018 keine gravierenden zu erleiden, bis auf eine lästige Zeh-OP, erzählt er mit dabei merklich schwerer werdender Stimme. „Weswegen ich die Hälfte der absolvierten Frühjahrstour mit einem wirklich ‚unsexy’ aussehenden Gesundheitsschuh auf die Bühne musste. Wobei ich dabei aber genauso krank auf der Bühne rumgesprungen bin wie sonst auch, und die Leute mich meistens erst nach der Show etwas erstaunt gefragt haben, was denn bitte mit meinem Fuß los ist. Aber ansonsten war ich zum Glück stets topfit.“

Als sein schönstes Erlebnis 2018 benennt der kreativ so vielseitige Kehlenkünstler mit leuchtenden Augen das Wiedersehen mit einem alten Klassenkameraden, den er seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen hat.

Als krassen Gegensatz zur Freude wiederum empfand Lex dagegen nach wie vor den umstrittenen amerikanischen Präsidenten, so gibt er zu Protokoll.

„Wie letztes Jahr hält hier auch wieder unser ‚Horrorclown‘ Donald Trump immer noch die Pole-Position an Absurditäten, Lächerlichem und einfach unfassbar Dämlichem. Wobei ich oft nicht weiß, ob ich darüber lachen oder einfach nur entsetzt den Kopf schütteln soll. Aber er ist mit Sicherheit nicht der einzige, der am Ast dieser Welt sägt.“

Dazu befragt, worauf er sich nun am allermeisten in 2019 freut, lässt er wissen: „Erstmal auf meinen ersten Urlaub seit über einem Jahr. Wohin es geht, verrate ich nicht, aber ich will auf jeden Fall mal ein paar Wochen, mir keine Gedanken über Musik, Texte und dergleichen machen müssen. Ansonsten dreht sich natürlich auch für mich das Rad weiter. Neue Songs schreiben, vielleicht mal wieder die ein oder andere Geschichte zu Papier bringen und sonst in irgendeiner Form euch mit meiner Stimme erfreuen.



Und schon bald steht wieder mal ein neues Jahr am Start! Die Zeit, sie vergeht scheinbar immer noch schneller, obwohl jeder Tag seit jeher die gleichen 24 Stunden hat … wie erlebte der Frontmann den Faktor ‚Schnelle Zeit‘ in 2018? 



„Ich erlaube mir den Luxus, mich da ein wenig auszuklinken. Ja, es stimmt. Alles scheint sich immer schneller zu drehen. Was heute noch der heiße Scheiß ist, ist morgen Schnee von gestern. Aber es liegt auch immer an einem selbst, ob man das Spiel mitspielt. Eigentlich zählt nur das, was man gerne macht. Und wenn man bei etwas mit voller Leidenschaft dabei ist, dann fallen einem auch gar nicht die Stunden auf, die dabei vergehen oder die man in etwas investiert. Etwas schnell zu machen, heißt oft auch, nur an der Oberfläche zu kratzen und das ist mir einfach nicht tief genug. Von daher gilt für mich der Spruch: In der Ruhe liegt die Kraft. Ob das dem Zeitgeist entspricht, ist mir herzlich egal.“

© Markus Eck, 15.12.2018

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