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Interview: LACRIMAS PROFUNDERE
Titel: Bewährte Basis

Zahllose Fans erwarten die Rückkehr der bayerischen Dark Rocker, hinter denen nicht nur besetzungsmäßig turbulente Zeiten liegen.

Zum 25-jährigen Bandjubiläum kredenzen Lacrimas Profundere nach dem 2016 veröffentlichten Album „Hope Is Here“ nun endlich wieder einen Langdreher. Roberto Vitacca, seit 2007 am Gesangsmikro, stieg 2018 aus. Für ihn kam hochwertiger Ersatz, der nun auf dem zwölften Album „Bleeding The Stars“ zu hören ist, verkündet Gitarrist und Gründungsvater Oliver ‚Olly‘ Nikolas Schmid in bester Stimmung.

Aufgenommen und produziert wurde in den Kohlekeller Studios, so Olly.

„Kristian ‚Kohle‘ Kohlmannslehner, der Inhaber, ist ja durch seine arbeiten mit Powerwolf, Eskimo Callboy, Hämatom etc. kein unbeschriebenes Blatt. Wir wussten, wenn wir zu ihm gehen, dann wird es ein Brett. Und genau das ist es nun auch geworden. Tiefe, böse Gitarrenwände, Benny Richters unglaubliches Keyboardspiel und natürlich unser Neuzugang, Sänger Julian Larre, der mit seiner Stimme umgehen kann wie mit einem Instrument. Kohle ein Vollprofi und es war sehr entspannt. Er hat einfach genau verstanden, was wir wollten. Wir haben die komplette Aufnahmezeit bei ihm geschlafen, das Studio hat eine eigene Küche mit Kühlschrank. So wurde eben aufgekocht und, oder besser gesagt, sogar meistens vom Inder geliefert.“ [lacht]

Entspannt trifft es wohl am besten, umschreibt er die dortige Arbeitsweise. „Das Kohlekeller Studio liegt ja auch im ‚nirgendwo‘ und zum nächsten Supermarkt fährt man 30 Minuten - ich sogar eine Stunde, weil ich mich jedes einzelne Mal verfahren habe. [lacht] Die Songs waren zwar bereits bis auf Nuancen fertig geschrieben als unsere Neuzugänge zur Band stießen, aber Dominik hat die Songs durch sein Spiel enorm bereichert. Er ist ein unfassbarer Drummer und richtig guter Freund. Julian hat dann das ‚i-Tüpfelchen‘ darauf gesetzt. Der Typ singt, als wären da zehn verschiedene Sänger in der Gesangskabine. Er ist wie ein Instrument, auf dem ich gerne gespielt habe … oh, das klingt jetzt zweideutig, aber man versteht, was ich meine …“, so wird laut lachend offenbart.

Auch zum Sound der neuen Platte äußert sich der Mann hoch erfreut: „Wir wollten die Produktion und die Musik diesmal einfach üppiger machen, sowie auch weitere Schichten hinzufügen. Es gibt gefühlt hunderte von Melodien, es passiert sogar so viel darin, dass jeder Song noch ein wenig mehr als ein Kunstwerk ist. Ich mag das Wort ‚Kunstwerk‘ eigentlich diesbezüglich nicht, weil es total abgehoben klingt, so etwas über seine eigene Musik zu sagen, aber mir fällt gerade kein anderes Wort dafür ein. Kurz und knapp, die Platte gefällt mir!“

Seit gut zwei Jahren schrieb er an dem neuen Album, so lässt der Beständige wissen. „Ich war ständig versucht aus einem stetigen Strom an Ideen die besten Momente eines Songs herauszufiltern. Herausgekommen ist eine Mischung aus alt, neu und ganz neu. Und ich denke wir werden viele alte Leute zurückgewinnen und garantiert keinen der, wie soll ich sagen, ‚Rob-Ära‘ enttäuschen. Das ist zumindest der Plan“, kommt es unter einem Lachen hervor.

Zwischen ihm und seinem Bruder Christopher, der bis 2007 in der Band als Sänger tätig war, entstand vor einiger Zeit der Gedanke, wieder ‚back to the roots‘, insbesondere primär zurück zum 2001er Album „Burning: A Wish“ zu gehen.

Es ging den beiden im Vorfeld des Songwritings darum, die eigentliche Seele und Essenz von Lacrimas Profundere wieder so richtig aufzugreifen, sagt Olly.

„Und wer könnte dies besser als die beiden Bandgründer? Mit meinem Bruder wieder so viel zu schreiben, das fühlte sich an wie eine alte Jacke wieder anzuziehen - und das Teil hat sofort wieder gepasst. Wir waren beide sehr motiviert etwas zu erschaffen, auf das wir - wie etwa die ‚Burning: A Wish‘ oder auch die ‚Ave End‘-Platte - auch nach fünfzehn Jahren noch irgendwie stolz sein können. Es finden sich ein, zwei Tracks darauf, die definitiv an die ‚Burning‘-Ära erinnern. Es gibt aber auch Titel, die auf der 2006er ‚Filthy Notes For Frozen Hearts‘-Scheibe hätten stehen können - und eben sehr viele neue Einflüsse.“

Der neue Sänger Julian kommt aus Helsinki. Olly leuchtet den Kontext aus:

„Wir hätten mit Rob, der ja zehn Jahre in der Band war, auch gerne zehn Jahre weitergemacht, jedoch wollte er etwas komplett Anderes angehen, neue musikalische Wege beschreiten. Wege, die mit Gothic, Doom oder Dark Metal nicht das geringste zu tun hatten; sprich, er hatte absolut keine Lust mehr auf Lacrimas. Somit hatten wir uns dann auch rein künstlerisch nichts mehr zu sagen und ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass wir uns nicht mehr verstanden haben. Trotzdem saßen wir mehr als ein Jahr lang immer wieder zusammen und überlegten wie es irgendwie weiter gehen könne. Jedoch hatten wir nach und nach festgestellt, dass nicht nur Rob, sondern auch die Zwillinge Bassist Clemens ‚Clea‘ und Drummer Christoph ‚Chris’ Schepperle nicht mehr dasselbe Ziel wie wir verfolgten. Somit trennten wir uns schließlich 2018 auch von ihnen.

Er selbst hatte immer ein bisschen das Gefühl gehabt, es wird ‚auf die Bremse gedrückt‘, wie sich der Axeman zurückerinnert. „Tony wollte vermitteln, hat aber mit seinem Fotografieren und ALD eben auch noch einiges anderes am Hut, um was er sich kümmern soll. Somit musste ich die schwierigen Worte sprechen - weil ich wusste, mit einem ‚weiter so‘, wird am Ende der Bandname darunter leiden. Es war wirklich eine sehr schwierige Entscheidung für mich und ich ertappe mich noch heute, dass ich darüber grüble, schließlich stand ich auf einen Schlag ohne Band da. Besonders Tony war ja 14 Jahre an meiner Seite. Außerdem waren Rob und unser erster Sänger Christopher schon zwei sehr verschiedene und einzigartige Persönlichkeiten und vor allem richtig gute Sänger, beide auf ihre eigene, unverwechselbare Weise. Nun wollte ich aber nicht wieder etwas ‚Neues‘, sondern jemanden, der klingt wie eine Mischung aus beiden und einen, der im besten Fall auch noch die harten Vocals bedienen kann. Ein Stilmittel, welches mir seit Jahren in unserem Sound fehlt. Tja, unendlich viele Youtube-Videos später, steht jetzt dieser besondere Künstler Julian Larre am Mikro. Hey, der Typ ist 15 Jahre jünger als wir und mit unserer Musik aufgewachsen. Im Studio konnte er dann die ganze Bandbreite seiner Stimme zeigen und meiner Vision des Albums Leben einhauchen.“

So wurde Dominik Scholz, der 2013 auch bei „Antiadore“ dabei war, zum ‚Rückkehrer‘ an den Lacrimas Profundere-Drums. „Als die Trennung feststand, dachte ich bei mir selbst, dass es doch noch diesen einen Typen gibt, mit dem ich sehr viele Gemeinsamkeiten hatte. Wenn Dominik dies liest, wird er es bestimmt konsequent verneinen. [lacht] Die Zeit war jedenfalls reif, wieder zusammen auf die Bühne zu steigen. Und Bassist Daniel Lechner, der bei ‚Ave End’ und ‚Filthy Notes’ dabei war, kam ebenfalls zu uns zurück.“

Schon vor Monaten wurde die Idee an Olly herangetragen, wie er ergänzt, Lacrimas Profundere sollten doch eine Tour in der Besetzung der „Filthy Notes For Frozen Hearts“-Scheibe machen.

„Jedoch ist und bleibt mein Bruder Christopher, welcher der Sänger auf der Platte war, absolut nicht dazu zu überreden, nochmals in den Nightliner zu steigen. Daniel, der damals Basser war, hatte ich komplett aus den Augen verloren, obwohl er wirklich nicht weit von mir entfernt wohnt. Als es dann konkret wurde, dachte ich mir, ‚lass‘ doch mal auf ein Bierchen treffen’, und als er die ersten Demos gehört hatte, wollte er unbedingt wieder mit dabei sein. So einfach kann das Leben manchmal sein! [lacht]

Den Grund, warum das Songwriting diesmal wieder nur von ihm und seinem Bruder stammt, kommentiert er unumwunden: „Es gibt eben diesen großen, hässlichen schwarzen Brocken Scheiße in mir, und die einzige Möglichkeit, ihn loszuwerden, ist, Musik zu schreiben. Dieser Brocken, er ist wohl erblich bedingt. [lacht] Nein im Ernst, wir verstehen uns blind und haben einen sehr ähnlichen Musikgeschmack, was es unglaublich einfach macht. Bei zwei Songs der zwölf hatten wir aber noch die Hilfe unserer Freunde, Sascha Blach, Chris Harms und Tobias Schönemann.“

Auf dem neuen Album „Bleeding The Stars“ sind Hunderte an Gitarrenspuren zusammengekommen, informiert Olly. „Jedoch, live will ich es bei unserer kompletten Neuausrichtung belassen und in Zukunft nur noch zu viert weitermachen. Wir haben es bereits bei vielen Festivals, oder auch unserer Tour durch China, Japan oder Korea erlebt, als Tony mit seiner anderen Band ALD auf Tour war, dass es auch mit einer Gitarre funktioniert - und nachdem Tony 14 Jahre an meiner Seite gerockt hat, denke ich, ich kann mich auch auf einen anderen Gitarrero mehr einstellen.“ [lacht]

© Markus Eck, 02.05.2019

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