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Interview: KRAYENZEIT
Titel: Reine Gefühlssache

Mit ihren drei bisherigen Alben haben sich die Stuttgarter eine stabile und verlässliche Fanbase erarbeiten können. Schließlich ist der stimmungsvolle Mittelalter Rock der Band mitsamt den Folk-Anleihen eine betont und emotionale Angelegenheit. Ende März werden Krayenzeit ihr neues Album mit dem Titel „Saitentänzer“ veröffentlichen. Ende April geht es dann dazu auf Konzertreise, diesmal sogar erstmals mit einer eigenen Headliner-Tour! 


„Wir werden uns auch im Vorfeld sehr darum bemühen die Lieder so umzusetzen, dass wir den Studioversionen gerecht werden können. Wir wollen wie immer unseren Spaß und unsere Freude mit auf die Bühne nehmen und unser Publikum damit anstecken. Schließlich wollen wir mit ‚Saitentänzer‘ und der dazugehörigen Tour ja auch ein dickes Dankeschön an unsere Fans und unseren Fanclub, den Schwarm, aussprechen. Das soll für jeden spürbar sein, der uns live besuchen kommt“, legt Sänger, Songwriter und Texter Markus ‚Engel‘ Engelfried dar.

Den Bühnenbeistand der Genrekollegen von Ingrimm als Tour-Support erwarten Krayenzeit bereits innig.

„Wir sind sehr gespannt. Mit Ingrimm haben wir schon des Öfteren auf Festivals zusammen gespielt und wir freuen uns sehr, dass sie uns begleiten. Das ist ein tolles Package und wir werden nicht nur auf der Bühne viel Spaß haben. Die Planungen schon auf Hochtouren. Mal sehen, ob uns die ein oder andere Überraschung einfällt“, wird keck grinsend frohlockt.

Die Veröffentlichung von „Saitentänzer“ rückt immer näher.

„Das ist jedes Mal aufs Neue extrem aufregend und man zittert schon ein bisschen, ob die neuen Songs bei den Fans und in den Reviews gut ankommen. Das hat uns unter anderem auch zum Albumtitel inspiriert. Es ist ein bisschen wie ein Drahtseilakt. Der Fall kommt unter Umständen sehr schnell. Nur tanzen wir nicht auf einem Seil, sondern auf Saiten.“

Grundsätzlich bietet die ‚Neue‘: „Einmal natürlich die gewohnten Ohrwurmmelodien, die schnell ins Ohr gehen. Songs, die man live gut mit der ganzen Halle zusammen singen kann. Allerdings auch Songs, die viel Intimität und ganz private Eindrücke von uns beinhalten. Schon auf dem letzten Album haben wir gemerkt, dass es sich für uns gut anfühlt private Dinge ins Songwriting einfließen zu lassen und das haben wir auf ‚Saitentänzer‘ konsequent fortgeführt. Viele Songs sind etwas anders arrangiert als wir das früher gemacht haben. Klavier, elektronische Elemente, Orchester und Chöre sind diesmal auf dem Album zu hören – wobei wir die mittelalterlichen Blasinstrumente wie Rauschpfeifen, Chalumeau etc. diesmal komplett außen vor gelassen haben, da die Songs das nicht gebraucht haben. Dafür spielen Drehleier und Geige viel prominentere Rollen als noch beispielsweise auf ‚Tenebra‘. Es gilt: Wir wollen wir sein. Wir wollen authentisch sein und wir wollen mit unserer Musik berühren. Ganz egal ob melancholisch, kraftvoll oder freudig – unsere Songs sind unsere Songs, weil sie ein Stück von uns sind.“

Originalität ist gefragt! Denn als Mittelalter Rock-Kapelle inmitten zahlloser Konkurrenten ist es mittlerweile nicht mehr ganz so einfach, sich eine ureigene, unverwechselbare ‚Marke‘ aufzubauen. Engel nickt:

„Das ist eine Frage, die wir uns eigentlich schon vor längerer Zeit selbst gestellt haben. Es ist generell im Musikbusiness schwer eine eigene Identität zu entwickeln, da ja im Prinzip alles schon mal da gewesen ist. In der Folk- und Mittelalter Rock-Szene ist das meiner Meinung nach besonders schwer, da hier wirklich schon viele Klischees, Experimente und Einflüsse breit getreten wurden. Wir sprechen uns da auch nicht frei! Wir bedienen uns schon auch des ein oder anderen Klischees oder Stilmittels. Das ist ja auch nichts Schlechtes. Uns kam es aber immer besonders darauf an das zu tun, worauf wir Lust hatten – also authentisch zu sein und nicht aufgesetzt oder gekünstelt. Wir versuchen unserer Kreativität freien Lauf zu lassen und uns ständig weiter zu entwickeln.“

Der Vokalist denkt, dass sich seine Formation mit dem neuen Album „Saitentänzer“ sogar ein großes Stück vom eigentlichen ‚Mittelalter‘-Genre entfernt hat.

„Natürlich ist es immer noch ein Krayenzeit-Album. Aber die Dinge, die uns beeinflusst haben kommen teilweise aus so unterschiedlichen Ecken, dass Songs dabei sind, die man in dieser Stilistik eher selten in unserem Genre hört. Aber genau das macht Krayenzeit einzigartig – wir machen das, was sich für uns richtig anfühlt!“

Auf dem neuen Werk hört man mit Sicherheit, konstatiert Engel, dass sich die Beteiligten getraut haben etwas Neues zu probieren.

„Es sind definitiv Elemente auf dem ganzen Album vertreten, die man so von uns nicht kennt. Schon allein der Opener wird mit Sicherheit überraschen! Ob das nun eher symphonisch-bombastische Arrangements sind, Ideen, die von Musicals, Filmmusik oder Singer-Songwriter Musik beeinflusst wurden, elektronische Elemente oder einfach mal ein Instrument, dass wir vorher noch nie auf einem Album hatten – ich glaube es wird spannend zu hören. Wir sind höchst zufrieden mit dem Ergebnis.“

Im Prinzip lief bei der Zusammenarbeit für die neue Veröffentlichung alles ganz harmonisch, resümiert der Frontmann. „Jedoch auch nicht gänzlich ohne Probleme. Wir haben uns diesmal dafür entschieden viel zu Hause an den Songs zu schreiben, um mehr Zeit zu haben. Das heißt, ich hatte eine Songidee, nahm sie bei mir im Heimstudio auf und schickte sie an die Band. Die tüftelten wieder ihrerseits an der Idee herum und schickten es zu mir zurück, bis wir ein Grundgerüst hatten, mit dem wir uns im Proberaum trafen. Da kommt es dann schon manchmal zu Verständigungsschwierigkeiten: ‚War das jetzt Dur oder Moll im Refrain?‘ - ‚Ach, du hast da die Tonart gewechselt – hatte ich ganz vergessen!‘ Das war teilweise schon lustig. Aber das Endergebnis zeigt, dass sich diese Arbeitsweise gelohnt hat, da wir sehr detailverliebt an jede einzelne Komposition herangehen konnten.“

Die aktuelle Besetzung von Krayenzeit könnte motivierter sowieso nicht sein, so Engel.

„Ich denke, dass über allem unser Wunsch steht aus dieser Band das Beste heraus zu holen. Jeder von uns hängt sich bis zur Übermüdung in die Aufgaben, die so eine Band mit sich bringt. Wir sitzen teilweise bis zu 15 Stunden am Stück im Tonstudio und feilen an Arrangements für die neuen Songs, treffen uns regelmäßig mit dem Management und unserer Plattenfirma, um Zukunftspläne zu schmieden und arbeiten eigentlich pausenlos in irgendeiner Form an dieser Band. Wir sind sehr kreativ zusammen und spornen uns immer wieder neu an. Ich bin mit dieser Besetzung rundum zufrieden!“

Textlich werden auf „Saitentänzer“ die unterschiedlichsten Themen behandelt:

„Ein zentraler Punkt ist natürlich der Drahtseilakt als Musiker und das Netz, das einen auffangen kann – nämlich unsere treuen Fans und Hörer. Das ist ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Denn wir Musiker können ohne die Menschen die das hören wollen was wir spielen nicht existieren. Mit dieser Thematik beschäftigt sich der Titelsong ‚Saitentänzer‘. Er ist quasi ein Dankeschön an all die wundervollen Menschen, die uns über die Jahre begleitet haben und noch begleiten werden. Aber auch die Märchenwelt durfte wieder als Metapher für eine komplizierte Liebesbeziehung herhalten. In diesem Album schwingt auch oft der ‚Wille durchzuhalten‘ mit, da das ein Thema ist, dass nicht nur uns als Band ständig beschäftigt, sondern bei uns allen allgegenwärtig ist in der schnelllebigen Welt, in der wir leben.“

Ganz oft stehen sogar auch private Erfahrungen der Band im Hintergrund der Songs.

„Bekanntlich schreibt das Leben ja die besten Geschichten. Manchmal sind es aber auch Bücher, Filme, andere Musik oder einfach nur ein Gefühl, welches man transportieren möchte.“

„Saitentänzer“ wird bei einem für die Band neuen Labelpartner erscheinen. Engel berichtet dazu: „Eigentlich haben wir selbst gar nicht aktiv gesucht. Wir waren bei unserem alten Label zufrieden und können nichts Negatives berichten. Allerdings hat uns die Arbeitsweise von Trisol sehr angesprochen und wir hatten das Gefühl, dass uns ein Wechsel nach drei Alben etwas frischen Wind in die Segel bläst. Neue Herangehensweisen an Projekte und eine sehr enge und sympathische Zusammenarbeit zwischen Band und Label – das lässt uns an eine gute und produktive Zukunft bei Trisol glauben. Wir freuen uns auf die kommende Zeit!“

© Markus Eck, 12.03.2019

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