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Interview: HANGING GARDEN
Titel: Melancholischer Extrakt

Einmal mehr können die finnischen Melodic Doom Death Metal-Meister überzeugen. Die gefühlsreiche Mixtur der 2004 gegründeten Formation auf dem siebten Album „Skeleton Lake“ vereint schroffe, landschaftliche Natürlichkeit mit urtiefer menschlicher Sehnsucht und entsprechendem Tiefgang.

Wie Sänger Toni Hatakka zu berichten weiß, stellt „Skeleton Lake“ für ihn grundsätzlich den Höhepunkt von allem dar, was er jemals musikalisch erreicht hat. „Außerdem habe ich zwei eigene Kompositionen für das Album beigesteuert - den Opener ‚Kuura' und ‚Winter's Kiss‘. Unser Gitarrist Jussi Hämäläinen hat aber mindestens die Hälfte der endgültigen, finalen Komposition und Produktion zu den beiden Songs beigetragen. Aber es ist wirklich das erste Mal, dass Lieder aus meiner Feder auf einem Werk von Hanging Garden veröffentlicht werden - und das ist für mich immens bedeutsam.“

Klanggewand und Arrangements des Albums sind auffallend originell. Toni bilanziert:

„Jussi hat die Produktion für das gesamte Album übernommen, das dann von Jarno Hänninen im D-Studio gemischt und gemastert wurde. Bei ‚Winter's Kiss‘ habe ich eng mit Jaani Peuhu zusammengearbeitet, der sich bereit erklärt hat, die Gesangsproduktion des Songs zu übernehmen und es wurde so ein Knaller! Man kennt Jaani von Swallow The Sun, Mercury Circle und Iconcrash. Die Arbeit mit ihm war verdammt großartig. Er hat auch ein paar sehr coole Harmonien für meine Vocals auf dem Song gesungen.“

Was die primär umgesetzten, musikalischen Ideale von „Skeleton Lake“ anbelangt, so sagt der Vokalist, wollten die Beteiligten diesmal so einige viele verschiedene Dinge ausprobieren.

„Viele von uns komponieren Musik, also bekommen wir ziemlich viele Songs zusammen und wir werfen auch selten etwas davon weg. Ich denke, es kommt jeweilig vor allem darauf an, ob wir eine ausreichend konsistente Einheit von bestimmten stilistischen Merkmalen homogen miteinander verzahnen können und ob es der richtige Zeitpunkt zu sein scheint, mit einem bestimmten Stil weiterzumachen. Diesmal haben wir auch Black Metal-Elemente eingebaut - oder es zumindest versucht - und sogar einige Gothic Pop-Nuancen. Die von uns kultivierte Ästhetik strebte förmlich danach, eine eingehende Atmosphäre des kalten nördlichen Winters zu erschaffen.“

So lassen Hanging Garden genau die ganz spezielle Art von Emotionen in ihrem neuen Material dominieren, die nötig scheint, um sich mit geschlossenen Augen mitten in den archaischsten Elementen wiederzufinden.

„Ich bin der Ansicht, dass wir es geschafft haben, die kalte Trostlosigkeit einer nördlichen Einöde darzustellen, die Hoffnungslosigkeit der sonnenlosen Kaamos-Zeit Nordskandinaviens - jedoch mit einigen Hoffnungsschimmern in Form einer wärmenden Wintersonne, die ein erstes Versprechen auf einen kommenden Frühling gibt. Man sehe sich dazu die neuen Musikvideos an! Es sind liebevolle DYI-Projekte, die hauptsächlich von mir zusammen mit unserem Keyboarder Nino Hynninen, unser Sängerin Riikka Hatakka und einigen anderen Leuten gemacht wurden. Im Video zu ‚Kuura’ sind all die Landschaften zu sehen, durch die wir im Spätherbst letzten Jahres zusammen mit Riikka gewandert sind. Der größte Teil des Videomaterials wurde in der unsagbar malerischen Kaldoaivi-Wildnis im nördlichsten finnischen Lappland gedreht.“

Eigentlich hatten Hanging Garden eine solche Fülle an Material, dass laut Toni mit der schwierigste Teil darin bestand, auszuwählen, welche Songs überhaupt am besten auf das Album passen würden:

„Es scheint, als gäbe es einen ziemlich unerschöpflichen Fluss an Inspiration von allen Mitgliedern der Band, die Stücke komponieren.“

Die aktuellen Lyrics drehen sich hauptsächlich um bewegende Geschichten von Trostlosigkeit, so der Frontmann.

„Die Lieder sind im Grunde Grübeleien über die Menschheit, das Ende, den Tod, die Zukunft der Zivilisation, über persönliche Kämpfe. Aber ich glaube nicht, dass es eine kohärente Botschaft gibt, die das neue Album zu vermitteln versucht. Es ist eine Hommage an die Natur und ihre Kraft, mindestens. Es ist ein Wehklagen. Und es ist Katharsis. ‚Tunturi‘ habe ich als Andenken für einen Freund und Kollegen geschrieben, der letztes Jahr verstorben ist. Die Worte sind einfach ein Abschied von einem geliebten Freund, der nach Norden aufbricht, zu den Wasserfällen, Flüssen und Wäldern, und vom Wiedersehen, wenn wir, die Zurückgebliebenen, dereinst selbst die gleiche Reise antreten. Die Worte sind zart, zerbrechlich und schön, aber ich singe sie mit der Heftigkeit meiner Trauer.“

Als der entspannte Dialog zu musikalischen Einflüssen übergeht, die ihren individuellen Weg in die neuen Nummern gefunden haben mögen, gerät der Sänger in schlagartig einhergehende Begeisterung.

„Für mich persönlich war es die japanische Post Metal-Band MONO, alte Borknagar-Alben und etwas skandinavischer Neofolk. Und natürlich ältere Opeth. Ich denke, deren 1999er Album ‚Still Life‘ ist für mich fast immer so eine Art Referenz, wenn ich mich mit Metal-Musik beschäftige.“

© Markus Eck, 03.05.2021

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