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Interview: GLADENFOLD
Titel: Gut aufgestellt

Selbst die rabiatesten Rhythmusattacken wieselflink verflüssigend, spielkulturell virtuos auftrumpfend und ultramelodisch die Ohren erobernd - diese Finnen machen der Power Metal-Gilde ihres Landes alle Ehre.

Gegründet 2003, beglücken Gladenfold die Genregourmets mit ihrem zweiten Album „When Gods Descend“. Dabei weist der aktuelle Nachfolger zum 2014er Debüt „From Dusk To Eternity“ auch einen so dermaßen eigenständigen Stil auf, dass sich manche fragen werden, wie man im Jahr 2019 mit derlei aufzuwarten imstande ist. 


Die Antwort darauf kommt ebenso gelassen wie unverblümt von Gitarrist Toke Fønskov Gerdts, seit 2017 in der Band, der zusammen mit Keyboarder Paavali Pouttu die symphonischen Passagen ausarbeitet.

„Wir sind ja alles bereits ziemlich erfahrene Musiker, die wie ich auch jeder für sich in anderen Projekten vor Beginn der Band spielten. Für Gladenfold fanden ganz bestimmte Menschen zusammen, um all ihr Können und sämtliche ihrer geeigneten Talente darin zu bündeln. All die Balancen zwischen den individuellen, unterschiedlichen Einflüssen wurden auch zur Genüge ausgetestet. Jeder von uns hat einen ganz eigenen musikalischen Geschmack, der auch bewusst vertreten wird, was das Ganze immer wieder sehr spannend werden lassen kann. Genau das und unser ausgeprägtes Gefühl für harmonische und homogene Strukturen definiert den üppigen Gesamtsound von Gladenfold.“

Die Wurzeln des betont episch gesinnten Fünfers aus Turku liegen hauptsächlich in der Kombination des typisch finnischen Schwermetalls und deutschem Power Metal, fügt der aufgeweckte Axeman noch an.

„Ensiferum, Norther samt Children Of Bodom auf der einen Seite und Blind Guardian, Gamma Ray sowie Freedom Call auf der anderen. Und das Ganze wird dann mit unserer ganz eigenen Art von Songwriting auf stabile Beine gestellt. Und wir entwickeln uns auch ständig weiter. Hört man beispielsweise in unsere früheren Sachen wie das Demo ‚Frozen Halls‘ oder die 2006er EP ‚In Somno‘ rein, eröffnet sich dabei ein Klangbild, das noch viel mehr von Folk Metal inspiriert war.“

Mit dem neuen Werk „When Gods Descend“ wollen Gladenfold ihren Songs vor allem auch mehr Raum zum Atmen geben, legt Toke nach. „Der Vorgänger hatte diesbezüglich einen geradlinigeren Ansatz. Wir haben nun einige Stücke am Start, die eher geradliniger Power Metal sind, und einige Songs, die eher als melodischer Death Metal durchgehen. Sowie mit ‚Ghosts Of Our Past’ auch eine Ballade. Aber im Allgemeinen haben wir versucht, verschiedene Stimmungen innerhalb der Kompositionen zu erforschen.“

Die Frage, welche Arten von Gefühlen das aktuelle Material dominieren, bereitet dem Guten anfangs Kopfzerbrechen.

„Das ist für mich ziemlich schwer zu sagen. Auf einer breiteren Ebene würde ich aber sagen, dass wir sowohl die vollständige Euphorie bestimmter deutscher Power Metal-Bands als auch die schwer zu definierende finnische Melancholie umfassen. Auf einer ‚Song-zu-Song-Basis‘ sozusagen reicht die ‚Palette der Emotionen‘ von den dunkleren, aggressiveren Nummern wie ‚Unreligion‘ über die heroischen und glückseligen Songs wie ‚Brothers‘ bis hin zu den düsteren, auch etwas sehnsüchtigen Liedern wie ‚Ghosts Of Our Past‘ und ‚Last Goodbyes‘.“

An Ideen mangelte es den Beteiligten so gar nicht, so wird resümiert. „Viel kniffliger und aufwändiger war die Zusammenführung der ganzen kompositorischen Geistesblitze, ohne das eigentliche Lied dabei zu verlieren. Vor allem stimmliche Arrangements sowie auch das stimmige Gleichgewicht zwischen Keyboards, symphonischen Parts und den übrigen Band-Einflüssen waren teils echt schwierig. Ich erinnere mich, dass uns vor allem das Arrangieren von ‚The Forsaken‘ und ‚The Descent Of Gods‘ Kopfschmerzen verursacht hat“, gibt er grinsend zum Besten.“

Gladenfold erzählen auf dem Album verschiedene Stories über Fantasythemen, Legenden und Artverwandtes. Diese Tracks zu spielen, vergleicht Toke ganz entspannt mit der allgemeinen Erfahrung, einen Fantasy-Roman zu lesen oder ein Rollenspiel zu spielen. „Und so ungefähr wird es sich dann wohl auch für die Hörer anfühlen. Zumindest streben wir das an.“

Die Besetzungssituation als auch die Chemie in der Band verlief für ihn als relativen Gladenfold-Newbie seit seinem Einstieg sehr interessant, wie der Gitarrero zurückblickt. „Ich habe ich mich ja ursprünglich bei der Band beworben, um den vakanten Posten des Bassisten zu übernehmen. Ich fand dann heraus, dass unser Sänger Esko Itälä sich ganz auf die Vocals konzentrieren wollte und landete stattdessen an der Gitarre - es war so wahrscheinlich ohnehin das Beste. Ich musste natürlich meinen Platz im personellen Gefüge finden. Es war nicht selten ein Hin und ein Her. Aber es hat sich letztlich vollauf gelohnt. Ich habe nämlich das Gefühl, dass jedes Mitglied in der letzten Zeit umso mehr seine eigene, optimale Rolle in Gladenfold gefunden hat.“

© Markus Eck, 02.05.2019

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