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Interview: DRUNKEN FOOLS
Titel: Ja, Prost!

Mit einem Bandnamen, der viele Neueinsteiger wohl zunächst mal an eine überdreht chaotische Fun-Kapelle denken lässt, hat man gegen entsprechende Vorurteile anzugehen.

Die Schleswig-Holsteiner Atmospheric Rocker meistern dies ebenso überzeugend wie sympathisch und liebenswert mit dem aktuellen Album „Escape“.

Wie Drummer Marcus Junge aufklärt, wurden Drunken Fools schon vor über 20 Jahren in ein durstiges Dasein gerufen. „Damals waren wir jung, naiv und brauchten das Geld. [grinst] Es gab zu dieser Zeit bei uns in Dithmarschen so einfallsreiche Bandnamen wie ‚Dernameistsolangdenkannsichehkeinschweinmerken‘, ‚Der Getaufte Verstand‘ oder ‚The Gääääng Orkestra‘. Also irgendwie schon lustig und durch den Genuss von zu viel Korn, Bier und Cannabis verursacht. Da wollten wir nicht hinterherhängen und gaben uns diesen wohlklingenden Namen. Natürlich kam uns die Idee, nachdem wir bereits einen ordentlichen Schluck - oder zwei oder drei - intus hatten. Allerdings haben wir nie alberne Sauflieder gemacht oder uns als Spaßkapelle verstanden. Ich glaube, damals hat da niemand wirklich drüber nachgedacht, wie dieser Name auf Außenstehende wirkt. Und das machen wir auch jetzt nicht. Wir haben den Bandnamen liebgewonnen und möchten schon aus nostalgischen Gründen nicht darauf verzichten.“

Das sich betont natürlich gebende Quintett hat zwei trinkfeste Damen mit an Bord - und die können laut Marcus ebenfalls tüchtig zulangen.

„Wir feiern gerne und häufig, gemeinsam oder mit anderen Freunden. Wir Norddeutschen sind äußerst hart im Nehmen. Nur bei Bandproben, Aufnahmen oder vor und während eines Gigs bleibt es - meistens - bei einem Bier. Ich muss allerdings zugeben, dass vor allem wir Männer im Laufe der Zeit sesshafter geworden sind. Familie, teilweise Kinder, Arbeit - da bleibt zum Trinken und Feiern nicht immer so viel Zeit“, so wird mit einem milden Schmunzeln verkündet.

Bassist Martin fügt dem lachend an: „Hier in Schleswig-Holstein haben wir die besten Brauereien, die es gibt. Insofern lässt es sich kaum vermeiden, mal ein Bierchen zu zischen.“

„Escape“ erschien Anfang Dezember 2018. Wie Gitarrist und Sänger Sönke dazu gelassen offenbart, hatten die Beteiligten eigentlich nie vor, ein richtiges Album zu machen, es auf den Markt zu bringen und zu promoten. „Wir wollten unsere Songs aufnehmen, ganz entspannt im Proberaum. Ein bisschen Abmischen und für Demo-Zwecke verwenden. Nur für uns eben.“

Marcus ergänzt: „Allerdings haben sich die Zeiten in den letzten Jahren rapide verändert. Wir haben inzwischen das notwendige Equipment zusammen, um ganz passable Ergebnisse im Proberaum zusammenzuzimmern. 2017 war es, als ich die CD ‚Fäder‘ von Irminsul das erste Mal hörte. Der Sound hat mich begeistert und so nahm ich Kontakt zu den Kalthallen Studios auf, die das Werk abgemischt haben. Das Angebot, das Markus uns machte, konnte ich nicht ausschlagen. Und so haben wir dann doch eine richtige CD gemacht.“

Sönke gibt zum aktuellen Langdreher noch preis:

„Es handelt sich teilweise um sehr alte Lieder, gemischt mit einigen neueren Kompositionen. Es war uns wichtig, unsere Lieblingssongs der 1997er CD ‚Auch in Dir‘ sowie der nachfolgenden Demo-Kassette in hörbarer Qualität zu bekommen.“

Und die Resonanzen zu „Escape“ sind bei Hörern und Medien äußerst positiv, freut sich Marcus.

„Es läuft sogar viel besser, als wir jemals gedacht hätten. Da wir jahrelang nur für uns selbst gespielt haben, vor allem Sönke und ich, konnten wir nicht wirklich einschätzen, wie unsere Musik bei anderen ankommt. Ich kann kaum beschreiben, was in uns vorging, als wir unser erstes Interview gemacht haben und die erste Rezension lesen durften. Das ist für uns alle noch sehr ungewohnt.“

Drunken Fools huldigen dem klassischen, atmosphärischen Rocksound mit 80s-Faktor - was die Frage nach dem Hauptziel der Urheber und ihrem künstlerischen Selbstverständnis nach sich zieht.



Sönke proklamiert: „Um ehrlich zu sein, kommt es uns nur darauf an, dass wir uns mit dem was wir tun alle wohlfühlen. Wir sind keine Profis sondern reine Amateure. Musik ist für uns ein Hobby und wer geht schon gerne einem Hobby nach, das ihm keinen Spaß macht. Wir wollen uns nicht verbiegen, sondern genau so bleiben, wie wir sind. Ob man das nun als Dark Rock, Folk, oder was auch immer bezeichnet, ist uns egal. Wir wollen keiner bestimmten Szene angehören.“

Keyboarderin Jasmin sagt dazu: „Ich denke, uns ist auch wichtig, dass unsere Musik auch noch ‚handgemacht‘ klingt und nicht zu Effekt-beladen. Die Menschen können ruhig hören, dass wir unsere Musik perfekt unperfekt spielen.“ Martin fügt dem an: „Ein Song muss rund klingen und irgendwie das gewisse Etwas haben. Das ist halt viel Bauchgefühl im Spiel.“

Einer der Texter der Band hat laut Sönke viel Blind Guardian gehört.

„Er ist heute leider nicht mehr dabei bei uns. Sein Wirken ist in unseren Frühwerken auch eindeutig herauszuhören. ‚My Treasure‘ zum Beispiel handelt von ‚Der Herr der Ringe‘. Ich habe während meiner Zeit in der Waldjugend viel am Lagerfeuer Gitarre gespielt, alte Gassenhauer, Wanderlieder und so weiter. Auch das ist in unseren Liedern deutlich herauszuhören. Heute höre ich viel Heavy Metal, Accept, Maiden, Sabaton. Aber auch andere Sachen.“

Marcus hört seit seiner Jugend Metal, sogar fast fast ausschließlich, wie er informiert.

„Im Laufe der Zeit entwickelte ich Geschmack für ein sehr breites Spektrum. Klassischer Heavy Metal, aber auch vermehrt Pagan, Folk Metal, Death und einige Black Metal-Sachen wie Moonsorrow. Besonders der skandinavische Underground hat es mir angetan. Außerdem finde ich Johnny Cash großartig.“

Die Musik der Drunken Fools klingt ziemlich gefühlvoll - Marcus wird gefragt, ob die Band auch aus derart emotionalen Zeitgenossen besteht. Dessen breit grinsend gegebene Antwort macht Schmunzeln. „So emotional, wie Norddeutsche eben sein können.“

Martin stellt noch fest: „Ich glaube jeder Mensch, der gerne Musik hört oder macht, hat Zugang zu seinen Gefühlen. Dabei ist es auch völlig egal, ob man auf Slayer oder Celine Dion steht.“ Und Sängerin Maleen offenbart: „Ich bin, so glaube ich, einer der emotionalsten Menschen auf dieser Welt. Ich fühle immer mit, vor allem bei Musik.“

Für Jasmin steht in Sachen lyrische Seite beim musikalischen Tun fest:

„Jeder Song braucht eine Message. Klar kann da die Musik an sich schon vieles vermitteln, aber der Text ist ja auch das, womit sich viele Hörer identifizieren.“

Drunken Fools gibt es ja schon eine halbe Ewigkeit - der Formation konnten die ganzen musikalischen Trends und Moden in schnelllebigen Zeiten eben bis heute nichts anhaben. Sönke spricht im Namen seiner Kapelle:

„Wir alle waren noch nie Menschen, die irgendeinem Trend hinterherhecheln. Vor allem nicht, was Musik angeht.“

Möglichkeiten, um an Gigs zu kommen, sind eigentlich gar kein Problem, wie Marcus wissen lässt.

„Vielmehr unsere eigene Situation. Derzeit ist Maleen schwanger, also können wir nicht einfach Termine bestätigen und Verpflichtungen eingehen. Außerdem sind wir alle berufstätig, teilweise arbeiten wir auch an den Wochenenden. Da wird es schwierig, alles unter einen Hut zu bringen.“

Drunken Fools wollen aber alsbald möglich auf jeden Fall live spielen, so Sönke: „Der 15. Juni dieses Jahres ist bereits bestätigt, da sind wir beim Stöfenparkrock Festival in Marne anzutreffen. Unsere alte Heimat, dort fing sozusagen alles an. Zwei weitere Open Airs sind in Planung, aber noch nicht spruchreif. Und natürlich wollen wir uns auch weiterhin dem Schreiben von neuen Songs widmen. Vielleicht, wenn es die Zeit erlaubt, schieben wir noch ein Video zum aktuellen Album hinterher.“

© Markus Eck, 12.02.2019

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