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Interview: DORNENKÖNIG
Titel: Mit klarer Selbstsicht

An treuer und wertschätzender Liebe zur Musik mangelt es Frontmann Ralph ‚Barthel‘ Barthelmess wirklich nicht, wie er im Gespräch durchblicken lässt.

„Hell“, das neue Album seiner offenherzigen Baden-Württemberger Truppe, vereint gute alte Rock-Tradition und martialische (NDH)Moderne völlig ungeniert, was dem Fluss der problemlos tanzbaren Songs enorm zugute kommt.

Dass das Quintett einiges an Lebenserfahrung in sich vereint, zeigen nicht nur die Gesichter der Musiker. Auch instrumentell liefern Dornenkönig nämlich unverfälscht authentisch Klingendes.

Die Lieder atmen das pure Sein, die reine Wirklichkeit, schonungslos, direkt und ehrlich von großen Straße des Schicksals. Wie Sänger Ralph ‚Barthel‘ Barthelmess offenbart, war die Band früher noch unter dem Namen ‚Schlagwerk‘ bekannt, und dies sogar in gleicher Formation.

„Wir müssten uns aber aus rechtlichen Gründen umbenennen, was einige Schwierigkeiten mit sich brachte. Nachdem wir so manchen schweren Stein aus dem Weg geräumt haben, starten wir jetzt wieder mit neuem Namen, neuem Label und frischem Album durch.“

Die aktuelle Bandbesetzung sieht er als eine große Familie, überdacht der Mann kurz und knapp das nachfolgende Gesprächsthema.

„Wir reden über interne Schwierigkeiten etc. in aller Ruhe, ohne den anderen zu verletzen. Denn, wenn dies stets mit dem nötigen Respekt abläuft, bringt es meist auch gute Ergebnisse mit sich und damit die Band nach vorne.“

Auf den verdammt einprägsamen Bandnamen angesprochen, konkretisiert sich seine Miene fix zum reinsten Monument.

„Danke, wir sind auch sehr glücklich damit. Abseits der Einprägsamkeit, die natürlich wichtig ist, war uns auch relevant, einen Namen für die Band zu finden, welcher zudem eine Art von Symbolwirkung hat. Abseits der christlichen Auslegung steht der Dornenkönig für einen gewaltfreien Widerstand, er war ein Rebell, der für seinen Kampf gegen die Obrigkeit mit dem eigenen Leben bezahlte. Für eine Band mit teils kritischen Texten passt das, wie wir finden, doch sehr gut. Rockmusik hatte abseits vom Kommerz schon immer etwas mit Rebellion zu tun.“

Das eigene Selbstverständnis als Band wird nach außen ohne Umschweife wie folgt von dem Frontmann dargelegt: „Wir sind eine klassische Rockband mit lyrisch tiefen Texten, die auch mal kritisch sein können, ohne dass man zum Moralapostel mutiert. Für das neue Album ‚Hell‘, und Hell steht für das Helle, für Licht, also für die Hoffnung, gilt das ganz besonders. Beim Schreiben der Texte schöpfe ich meistens aus meinen persönlichen Erfahrungen, was mich gerade so beschäftigt, seien es gesellschaftliche oder auch zwischenmenschliche Themen. Mir ist sehr wichtig, dass der Zuhörer sich seine eigenen Gedanken machen kann.“

Inmitten der ganzen NDH- und Deutschrock-Sparte haben Dornenkönig durchaus ihre eigene Nische gefunden, glaubt der Vokalist.

„Wenn man das Album komplett anhört, wird man feststellen, dass das mit Genre-Einordnung schwierig wird. Der Zuhörer bekommt viele verschiede Vibes und Songs angeboten und das ist uns auch wichtig, denn genau das macht ein abwechslungsreiches Album aus. Wir sind aber auch nicht sauer, wenn man uns in irgendwo einordnet. Es ist nur uninteressant für uns, denn wir kennen da kein Schubladendenken. Es gibt nur gut gemachte oder schlecht gemachte Musik. Man muss spüren, dass da Leute am Werk sind, die das, was sie machen, lieben und Spaß haben dabei. Es muss also authentisch sein.“

Auch der nicht unwesentliche Faktor ‚Künstlerische Identität' als Musikgruppe liegt ihm und seinen Männern sehr am Herzen, so Ralph. „Kopien gibt es schon genug. Es ist wichtig, sein eigenes Ding zu machen. Wenn die Leute uns hören und sagen ‚Das ist Dornenkönig!‘, dann haben wir alles richtig gemacht.“

Die geneigten Hörer dürfen sich nun jedenfalls seiner eigenen, grundsätzlichen Einschätzung nach auf deutsche Rockmusik freuen, mit kernigen Texten, die auch wirklich etwas aussagen. „Das Album ist sehr vielseitig ausgefallen, die Songs sind griffig, ohne langweilig zu werden. Die Melodien sind tragend. Der Sound ist exzellent, da hat Produzent Tommy Newton ganze Arbeit geleistet. Es war wie immer ein Fest mit ihm, zwischen uns stimmt einfach die Chemie und wir bereichern uns gegenseitig, haben jede Menge Spaß dabei. Genau so muss das auch sein.“

Songwriting und Studioarbeit sind für den Sänger tatsächlich immer eine regelrechte Achterbahnfahrt, so gibt er in aller Offenheit zu.

„Mal bin ich dabei total euphorisch, und sprühe geradezu vor Ideen, mal will mir einfach nichts einfallen für den ein oder anderen Part und ich verwerfe tausendmal irgendetwas. Aber in der Regel macht es immer irgendwann ‚klick‘ und ich habe die Erleuchtung. Dies muss meiner Meinung nach aber auch sein, genau diese Reibung macht einen letztlich erst so richtig kreativ.“

Die Art des Songwritings hat sich mit den Jahren als Musiker natürlich maßgeblich verändert, so einiges wurde im Laufe der Zeit immer weiter optimiert, wie konstatiert wird.

„Ganz klar sogar! Man wächst ja immer weiter, das darf nie aufhören. Auf dem neuen Album stehen die Songs im Vordergrund, ohne dass das Handwerk zu kurz kommt.“

Während Ralph bei Dornenkönig für die Texte und die Gesangsmelodien verantwortlich zeichnet, wie er informiert, sind Keyboarder Markus ‚Mike‘ Dietz und Axeman Stefan ‚Angel‘ Schönbrunn für die Musik an sich zuständig.

„Wir wollten ein vielseitiges Album haben, es sollte mehr Melodie haben als der Vorgänger von Schlagwerk, der ja sehr roh und wütend war. Bei der Auswahl der Lieder haben wir darauf geachtet, dass jeder Song seine eigenen Vibes hat, Ähnliches wurde aussortiert. Die Stücken sollten griffig und authentisch sein und Emotionen transportieren.“

So dreht es sich in „Tanz auf Glas“ auch beileibe nicht um Go-go-Girls, gibt er lachend zu Protokoll. „Es geht darin um die Schnelligkeit im modernen Dasein - darum, dass wir kaum noch Zeit finden, unser Leben mit all unseren Sinnen wahrzunehmen, nach dem Motto ‚immer höher, immer schneller, immer weiter‘.“

Auch „Diese Nacht“ ist weit entfernt von Klischees wie beispielsweise einem One-Night-Stand.

„Der Text dazu ist reine Fiktion. Es geht um einen Menschen, der Schönheit zerstören muss, weil er selbst gefallen ist.“

„Stille Wasser“ hingegen thematisiert die vielen Überraschungen, vor denen man im Umgang mit den Mitmenschen nie ganz gefeit ist.

„Ja, und das im weitesten Sinne. Viele Menschen werden verkannt, weil sie sich selbst nicht nach vorne drängen, vielleicht sogar eher introvertiert sind, aber eine wunderbare Seele besitzen.“

Die Umsetzung des Drafi Deutscher-Coversongs „Marmor, Stein und Eisen bricht“, im Original 1965 erschienen, entstand eher zufällig, so ist noch zu den Kompositionen der Scheibe zu erfahren.

„Wir hatten diesen Song eigentlich nicht auf dem Schirm, aber als wir im Studio waren, jammten wir aus Spaß mal so damit herum. Es hat uns dann richtig Freude bereitet, die Nummer Dornenkönig-mäßig umzukrempeln - das Stück ist mit einem Augenzwinkern zu sehen.“

Und es gibt auch Inhalte auf dem neuen Werk, die ihm immer wieder aufs Neue ganz besonders unter die Haut fahren, gibt der oft so maskulin singende Barde in aller puren Emotionalität preis.

„Bei ‚Die Liebe ist tot‘ passiert mir das manchmal. In dem Song geht es um die Flüchtlingsproblematik und dass hinter all den Zahlen menschliche Schicksale stecken, dies wird oft vergessen.“

Die Labelsuche gestaltete sich zunächst noch ziemlich schwierig, resümiert der Dornenmeister.

„Wir mussten uns vor allem vorab klar darüber werden, was wir von einem Label erwarten. Bei einer Major Company bist du als Künstler ja auch schnell mal einfach nur eine Nummer, und wenn es nicht so läuft, ist man da ruck-zuck draußen. Wir wollten einen verlässlichen Partner, schnelle Entscheidungen, kurze Wege.“

Wenn es für die Gruppe mit den neuen Stücken auf die Bühnen gehen wird, wird das Material richtiggehend zelebriert, so ist die Vision.

„Die Songs sollen ein jeder für sich wirken können! Aber in erster Line soll es natürlich allen Spaß machen. Denn um das geht es ja letztendlich: Wir wollen eine gute Zeit mit den Fans zu verbringen. Die kommende Tour mit Axxis, mit denen wir ab dem achten November unterwegs sein werden, wird richtig geil. Schließlich kommt unsere Scheibe den ersten Resonanzen nach auch toll an bei den Leuten. Ich für meinen Teil wünsche mir neben vielen Gigs auch schöne Begegnungen.“

© Markus Eck, 10.10.2018

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