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Interview: DIMMU BORGIR
Titel: Geglückte Rückkehr


Mit ihrem aktuellen Werk „Eonian“ haben die norwegischen Symphonic Black Metal-Kaiser 2018 wieder einmal gezeigt, dass sie nichts verlernt haben.

Ganz im Gegenteil, nach achtjähriger Albumpause gingen Dimmu Borgir so originell und unverbraucht wie lange nicht an den Neustart. Als ich Shouter Stian ‚Shagrath‘ Tomt Thoresen und Gitarrist Sven ‚Silenoz’ Atle Kopperud in München treffe, befinden sich die weltberühmten Dunkelmystiker gerade mit Kreator, Hatebreed und Bloodbath auf ‚European Apocalypse Tour‘.

Wie Shagrath ganz entspannt erzählt, bedeutete 2018 für ihn vor allem sehr viel Arbeit.

„Der Albumrelease hielt uns alle mit einer enormen Vielzahl an Aktivitäten auf Trab, und das ist ja noch lange nicht vorbei. Ich empfinde es als ein richtig gutes Jahr. Es fühlt sich exzellent an, da hingekommen zu sein, wo wir mit ‚Eonian‘ jetzt stehen. Wir dürfen sein, wer wir wirklich sind und haben die volle Kontrolle über alles, was uns sehr wichtig ist. Dimmu Borgir konnten sich auf vielen Ebenen steigern - und wir kommen mittlerweile sogar auch noch ein wenig professioneller rüber, und das sowohl musikalisch als auch auf der Bühne.“

Silenoz nickt beistimmend: „Ja, selbst nach all den vielen Jahren lernen wir immer noch eine ganze Menge dazu, was auch gut so ist, denn das hält das Ganze letztlich so richtig schön am Leben und allzeit dynamisch. Es fühlt sich schließlich auch wunderbar an, in so einigen Belangen besser zu werden.“

Shagrath fühlt sich auf der aktuellen Tour sehr viel wohler als auf den ausgedehnten Konzertreisen nach dem Albumrelease, so berichtet er, welche die Band 2018 beispielsweise auch nach Südamerika geführt haben.

„Im Nightliner zu reisen ist um einiges angenehmer als die Fliegerei mit den teils herben Strapazen, Jetlags etc. Aktuell haben wir auch unser ganzes Bühnensortiment dabei, was auf dem Luftwege nicht gänzlich erlaubt ist mitzuführen. Die Zölle sind ja überall sehr viel strenger geworden aufgrund der gegenwärtigen Entwicklungen. Wir hatten dadurch mannigfaltige Kompromisse zu machen, die uns beileibe nicht schmeckten. Schließlich wollen wir den Fans immer unser Maximum für den Ticketpreis geben.“

Um Nennung ihres jeweiligen, ganz persönlichen Highlights 2018 gebeten, nennen beide sofort unumwunden den Release des aktuellen Albums. Silenoz: „Summiert man sämtliche Reaktionen, Feedbacks etc., so waren ganze 98 % davon positiv. Das war so nicht unbedingt zu erwarten und macht uns wirklich sehr stolz. Vor allem eben auch, wenn man dazu bedenkt, dass wir seit dem 2010er ‚Abrahadabra’ kein volles, neues Album brachten. So etwas geht ja in jüngerer Zeit mit all den gravierenden Veränderungen in der Musikindustrie nicht immer gut. Für mich fühlt es sich an wie eine Faust, welche direkt in die Gesichter der Zweifler und Lästerer haut.“ Shagrath segnet diese Aussage mit bestätigender Miene gerne ab.

Zu schönen oder unschönen Ereignissen auf ganz persönlicher Ebene schweigen sich alle zwei höflich und mit übereinstimmender Mimik aus. Denn, so Silenoz mit zwinkerndem Auge, „das behalten wir derzeit doch lieber für uns.“

Als das Gespräch dann bevorzugter Weise auf nennenswerte, musikalische Neuentdeckungen kommt, die er in 2018 machen konnte, offenbart Shagrath mit urfreudigen Gesichtszügen:

„Craft! Diese schwedische Band existiert ja schon länger, aber ich kannte die bislang überhaupt noch nicht. Im Juni brachten sie ihr neues Album ‚White Noise And Black Metal‘ heraus. Totaler Underground eigentlich, aber die Scheibe hat mich echt umgeblasen. Für mich ist es die allerbeste Veröffentlichung, die ich in diesem Jahr überhaupt gehört habe!“

Silenoz hingegen schwärmt zunächst einmal sehr für „Firepower“ das im März auf den Markt gebrachte Album von Judas Priest, wie er offenbart.

„Daneben möchte ich die aus unserem Heimatland stammenden Mare erwähnen, die ihr neues Album ‚Ebony Tower‘ veröffentlichten. Totaler ‚Old School Stuff’, sehr cool und atmosphärisch, genau mein Ding. Und die neueste Scheibe von Ghost, die Anfang Juni kam, sagt mir ebenfalls sehr zu. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Meinungen wurde ich mit den ersten Releases von denen so gar nicht warm und umso besser läuft mir das neue Zeug auf ‚Prequelle‘ dafür rein.“

Das moderne Kino hat für Shagrath nicht mehr viel zu bieten, wie er völlig unaufgeregt konstatiert. „Ich habe mir dieses Jahr lediglich die Queen-Verfilmung ‚Bohemian Rhapsody‘ angesehen, die ich doch ziemlich interessant fand.“

© Markus Eck, 18.12.2018

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