Top
Interview: CODE
Titel: Geschärfter Fokus

Was 2002 im Londoner Raum seinen außergewöhnlich eigenwilligen Anfang nahm, das wurde mit den Jahren künstlerisch immer gefestigter - und dennoch reibungsloser verzahnt. Somit geriet den mutigen Avantgardisten ihr Progressive Black Metal bis heute zu einer fest verbundenen Einheit aus schneidender Härte, beißender Kälte, produktivem Wahnsinn und unleugbarer Kunstsinnigkeit.

Vom erfolgreichen Bestreben der Formation nach völlig individueller Einzigartigkeit in einem überlaufenen Genre kündet das neue und fünfte Album „Flyblown Prince“.

„Es war eine lange Zeit der Entwicklung und wir haben sicherlich unsere Herzen und Seelen in diese neue Platte gesteckt“, kommentiert Gitarrist Aort den ersten neuen Langdreher der Band nach dem vor sechs Jahren auf den Markt gebrachten „Mut“.

„Die meisten unserer Alben scheinen das Produkt von Testphasen während des Schreib- und Aufnahmeprozesses zu sein und dieses Werk war nicht anders. Es ist sicherlich gut, dass das Album jetzt endlich veröffentlicht wird und noch besser, dass wir alle mit dem Ergebnis auch vollkommen zufrieden sind. Kein Detail wurde unbeachtet gelassen.“

Allerlei theatralische Facetten sind zu vernehmen, was der eisigen Aura des Materials abermalig gut zu Gesicht steht. Aort konstatiert:

„Für mich ist dieses Album wahrscheinlich weniger theatralisch als unser drittes Album ‚Augur Nox‘. Ich würde sagen, dass ‚Flyblown Prince‘ ein gefühlvolleres und dynamischeres Manifest ist - und jegliche Theatralik darin ist sicherlich in keiner Weise aufgesetzt. Wir wollten, dass dieses Album so ehrlich und roh wie möglich ist, und in diesem Prozess hat es insgesamt sicher viele Wendungen genommen.“

Der faszinierend querköpfige Stil und auch die nicht wenig bewegende Magie der Kaltmusik von Code haben über die Jahre nichts von ihrem überwältigenden Charisma verloren - nach der ganz speziellen Formel befragt, um diese höchst eindringlichen Klänge zu erschaffen, gerät das Gesicht des Griffbrettschrubbers geradezu zu einer philosophischen Landschaft.

„Ich denke, wir haben im Laufe unserer Diskographie einen Sound geschaffen, den die Leute als Code erkennen können. Es ist die Kombination aus der Art und Weise, wie wir die Musik schreiben und dem Raum, den wir für stimmliche Interpretationen lassen - und natürlich die stimmliche Varianz obendrauf. Wir mögen unsere Musik auf unterschiedliche Art und Weise rübergebracht haben, aber ich denke trotzdem, dass jedes unserer Alben einzigartig Code ist. Einer der Hauptbestandteile der Formel ist es, andere Bands nicht bewusst zu imitieren. Natürlich wird es aufgrund der Tatsache, dass wir Musikfans sind, Einflüsse geben, die durchsickern, aber wir versuchen, Songs zu kreieren, die unsere eigene Persönlichkeit widerspiegeln, und als solches hoffe ich, dass wir ein einzigartiges Gefühl für unsere Musik haben.“

Und in all den düsteren und zutiefst tragischen, hungrig verschlingenden Atmosphären des Langdrehers steckt zum Hörerglück auch eine genuine Qualität, welche hochgradig hörbares Material mit sich bringt.

Der Axeman nickt da gerne, um zu ergänzen:

„Der Kern der Musik wird immer zuerst von mir selbst geschrieben, ich erstelle komplette Demos ohne Gesang, die ich dann an die anderen Bandmitglieder schicke, damit sie ihre eigenen Parts entwickeln. Es ist unglaublich wichtig, dass jeder von uns seinen eigenen Stil in die Musik einbringen kann, damit das Ganze nicht zu altbacken beziehungsweise vorhersehbar wird. Gesanglich liegt das zu 100 % in der Hand von unserem Vokalisten Wacian, der völlig freie Hand hat, das Material in jede Richtung zu bringen, die er nur möchte.“

Die Zusammenarbeit für das neue Schaffenszeugnis wird vor allem auch für die Zeit im Studio von Aort als ‚behutsam‘ postuliert.

„Bei der Aufnahme haben wir nicht zuletzt auch vor allem darauf geachtet, dass bei jedem Element mindestens einer von uns anwesend war, um es zu überprüfen und Vorschläge und Hinweise zu geben. Es kann ja bekanntlich nur allzu leicht passieren, dass man das, was man tut, nicht mehr wahrnimmt, wenn man sich zu sehr darauf konzentriert - daher ist dieser spezielle Blick von außen manchmal sehr nützlich. Auch in Bezug auf den Mischprozess machte sich ein jeder von uns eigene Gedanken, dokumentierte Kommentare und Überprüfungsnotizen, um sicherzustellen, dass jedes Detail so ausgewogen wird, wie es sein sollte. Glücklicherweise arbeiten wir nach vielen Jahren als Einheit sehr gut zusammen.“

So mussten die Beteiligten auch nicht den vielfach zitierten Kontrast aus Höhen und Tiefen während des Songwritings durchstehen. „Es hat tatsächlich nur einfach sehr lange gedauert, bis alles fertig war, da ‚Flyblown Prince’ wirklich ein sehr komplexes Album ist. Es gab rückblickend nie eine Periode, in der die Ideen nicht inspirierend sprudelten, aber jede Komposition benötigte ihre ganz eigene, lange Zeit, um sicherzustellen, dass sie so gut wie möglich wird und dass jedes Riff und jede Schicht sich auf die genau richtige Weise ergänzen. In der Vergangenheit war ich vielleicht ein bisschen unbekümmerter, aber nicht dieses Mal. ‚Flyblown Prince’ ist eine Liederkollektion, die extrem detailorientiert ist.“

© Markus Eck, 13.05.2021

[ zur Übersicht ]

All Copyrights for band-photos & -logos reserved by its Respective Owners.

Advertising

+++

+++