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Interview: BRYMIR
Titel: Vollständige Transformation

Auf ihrem neuen Album „Voices In The Sky“ geben Brymir die großepischen Beschwörer aller MeloDeath-Mächte. Das enorm variantenreiche Werk präsentiert den megabreit angelegten, quicklebendigen Sound der Finnen nicht nur auf kompositorischer Spitze, sondern auch in meisterlicher Arrangementkunst.

Wie Lead-Vokalist Viktor ‚Storm‘ Gullichsen berichtet, fühlte es sich für ihn befremdlich an, die Pandemie erleben zu müssen.

„Covid war eine sehr seltsame Zeit, um ein Künstler zu sein. Wir waren damals gerade auf einigen wirklich epischen Touren gewesen, fühlten uns sehr inspiriert und hatten bereits Pläne geschmiedet, 2020 mit dem Schreiben neuer Musik zu verbringen ... dann blieb die Welt plötzlich stehen, und während wir endlich in unseren Studios saßen und unbegrenzt Zeit zur Verfügung hatten, war einfach keine Inspiration mehr zu finden. In diesem Moment wurde mir klar, wie wichtig es für uns ist, gemeinsam zu reisen und live zu spielen, und wie sehr die echte Interaktion mit einem Publikum eine treibende Kraft für neue Ideen bei Brymir doch ist. Es gibt eine gewisse Art von Bestätigung, die Künstler nur bekommen, wenn sie dem Publikum in die Augen schauen. Als all das verschwand, geriet ich in eine Zone der Unsicherheit - das ist das schlimmste Gift, das ich für das Schreiben neuer Musik kenne.“

So sollte es eine Weile dauern, bis die Band die neue Situation akzeptieren konnte, erinnert sich der Fronter.

„Aber irgendwann kam die ferne Erinnerung an die Tourneen und die Sehnsucht, wieder auf Tour zu gehen, so richtig zum Tragen und trieb unsere Kreativität zu neuen Höhen. Die Entstehung unseres neuen Albums war eine ziemliche Achterbahnfahrt, aber ich glaube wirklich, dass es unser bisher bestes ist. Vielleicht ist es wahr, was man sagt - kein Schmerz, kein Gewinn!“

Als Maincomposer ist Viktor zweifellos ein As - dennoch herrscht bei Brymir kreative Harmonie, sagt er.

„Auch wenn unser neues Material primär nur von mir stammt - ich erstelle auch die Song-Demos -, werden die Songs oft erst dann wirklich zu Songs, wenn wir uns zusammensetzen und herausfinden, wie wir sie wirklich rocken lassen können. Ich habe den Jungs fürs neue Album auch oft neue Demos im Tourbus präsentiert oder erste Songnotizen geschrieben, die auf Adrenalin-geladenen Gesprächen nach Shows basierten. Dieses Mal außerhalb dieses ganzen ‚Ökosystems‘ zu arbeiten war eine überraschende, aber im Nachhinein offensichtliche Hürde, die den Prozess länger und schwieriger machte.“

Der Sänger ist in dem Kontext der Ansicht, wie er wissen lässt, dass es beim Songwriting im Grunde darum geht, auf den Höhen und Tiefen zu reiten, die Euphorie während eines Aufwärtstrends zu nutzen und auf der Welle in den Abgrund zu surfen. Viktor:

„Die größte Talfahrt war zu Beginn der Pandemie, aber die war einfach erdrückend. Es dauerte ein Jahr, um wieder auf die Beine zu kommen - aber danach wurde jeder Zentimeter Freude, Trauer und Hass in diese Musik kanalisiert.“

Das neue, bei aller Abwechslung in den Liedern auch mächtig eingängige Material resultiert erwartungsgemäß aus einem sehr breit gefächerten Musikgeschmack der Beteiligten, informiert der Sänger. „Ich kann dazu sogar verraten, dass einige Bandmitglieder auch Elektronisches in irgendeiner Form hören. Ich selbst stehe wirklich auf dunkle, elektronische Musik und psychedelische Klanglandschaften - wie man sie bei Trance-Musik von Labels wie Parvati Records oder Zenon Records hören kann. Das hat keinen großen Einfluss auf mein Schreiben für Brymir, aber man kann definitiv einige ähnliche Atmosphären hier und da auf dem neuen Album versteckt hören.“


© Markus Eck, 01.08.2022

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