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Interview: BLIND GUARDIAN TWILIGHT ORCHESTRA
Titel: Immenses Format

Als die Krefelder noch in den 1990er Jahren konkreter damit anfingen, ihren pfeilschnellen Epic Power Metal mit orchestralem Beiwerk passend zu veredeln, verfingen sich Sänger Hansi Kürsch und Gitarrist André Olbrich entschlossen in der Idee, irgendwann ein opulentes Orchesteralbum kreieren zu wollen.

Doch an eine angemessen würdige Umsetzung dessen war aufgrund vielerlei Verpflichtungen mit Blind Guardian so schnell nicht zu denken. In der jüngeren Zeit jedoch kristallisierte sich das niemals stillgelegte Blind Guardian Twilight Orchestra-Projekt mehr und mehr heraus - nicht zuletzt dank des Buchautors Markus Heitz und dessen aktuellem Fantasy-Roman „Die dunklen Lande“. Und in diesem wiederum befindet sich das lyrische Prequel, welches jetzt nach nach ganzen 20 Jahren endlich „Legacy Of The Dark Lands“ hervorbringt.

Die ebenso spannende wie fesselnde Historiengeschichte, die sich im Jahr 1629 abspielt, wird darauf von Kürsch und Olbrich mit absoluter Leidenschaft, riesiger Hingabe und typisch perfektionistischer Akribie wiedergegeben.

Zur Präsentation ihres lange gehegten und nun verwirklichten kreativen Traumes luden die erfahrenen Musiker für Dienstag, den neunten Juli ins bandeigene, vielfach bewährte „Twilight Hall“-Studio, welches sich im eher ländlich gelegenen Grefrath befindet.

Der dortige Empfang zur Mittagszeit war ebenso herzlich wie von gemeinsamer Vorfreude geprägt.

Als das kollektive Anhören von „Legacy Of The Dark Lands“ am frühen Nachmittag begann, entlud sich eine sagenhaft professionelle, hochgradig seriöse, ungemein detailreiche und insgesamt beeindruckend großartige ‚Orchestral Fantasy Hörspiel‘-Vorstellung.

So wurde die angereiste Journalistenmeute im Folgenden regelrecht geplättet von dem bombastisch-cineastischen Sound-Erlebnis.

Schließlich sind nicht nur die symphonisch überhoch triumphierenden Erhebungen in solcher Art und mittels derlei prunkvoll-majestätischer Arrangements so auch zuvor noch niemals zu hören gewesen.

Auch die umwerfend imposanten Chorgesänge und die erlesen verpflichteten Sprecher der einzelnen Charaktere stehen bei Blind Guardian Twilight Orchestra für allerhöchste Qualifikation gepaart mit elitärem Können.

Es hat somit absolut seinen Grund, dass „Legacy Of The Dark Lands“ bisweilen sogar an den legendären „Herr der Ringe“-Soundtrack der prächtigen Jackson-Verfilmungen zu erinnern weiß.

Im anschließenden Interview würdigt Hansi zunächst kurz die exzellenten und beflissenen Leistungen aller Beteiligten an diesem sprichwörtlichen Mammutprojekt. „Thematisch geht es auf dem neuen Orchesteralbum um den geheimnisvollen Söldner Nicolas, dessen Geschick und Schicksal fatal in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges liegt. Und diese ebenenreiche und abenteuerliche Story passt einfach wunderbar zu dem Musikalischen, was ich mit André dafür erdacht und erschaffen habe. Wir tauschen uns schon seit einigen Jahren angeregt mit Markus Heitz dazu aus, und er hat uns mit ständig neuen Ideen auch prima anregend auf Trab gehalten. Ich habe die Zusammenarbeit wirklich immens genossen und bin ihm sehr dankbar“, freut sich der genreübergreifend beliebte Vokalist.

Auch ganz besonders zugute kommen der neuen Veröffentlichung von Blind Guardian Twilight Orchestra die jeweils atemberaubend fulminant aus sich herausgehenden Rezitatoren, teils sehr alte Herren und Meister ihres Fachs. Hansi erinnert sich:

„Verstand und Glück, das brachte sie zu uns, so denke ich. Wir sind sehr lange auf der Suche nach ihnen gewesen und, interessant in dem Kontext, ich habe mich zunächst lange gesträubt, überhaupt Sprecher zu nehmen, weil ich schier ewig nicht exakt wusste, wohin ich mit dem Ganzen überhaupt wollte. Irgendwann besprach ich mich mit unserem Produzenten Charlie Bauerfeind, und kam mit ihm überein, dass wir für ‚Legacy Of The Dark Lands‘ eine Querverbindung zu unserem 1998 erschienenen Album ‚Nightfall in Middle-Earth‘ herstellen möchten. Auf diesem hatten wir ja erstmals so richtig die orchestralen Elemente in die Songs integriert.“

Verwirklichung eines langen Traumes

Was also als gemeinsamer Plan noch vor der Jahrtausendwende geschmiedet wurde, sollte noch viele Jahre bis zur finalen Umsetzung dauern.

Doch nun ist es endlich so weit: Sänger Hansi Kürsch und Gitarrist André Olbrich von den Epic Power Metallern Blind Guardian präsentieren der Welt ihr allererstes Orchesteralbum: „Legacy Of The Dark Lands“.

Hansi weiß angeregt weiter zu berichten: „Die ersten Songs dafür sind ja tatsächlich damals Ende der 90er schon in ziemlich grober Form entstanden, relativ kurz nachdem wir das erwähnte ‚Nightfall In Middle-Earth‘-Album herausbrachten. Da wir mit Blind Guardian allerdings nachfolgend Jahr für Jahr erfolgreicher und deswegen mehr und mehr eingespannt waren, kommt das Resultat dieser Idee nun erst auf den Markt.“

Grundsätzlich, so ergänzt der Vokalist, basieren die Kompositionen von Blind Guardian als auch dem Twilight Orchestra dabei eigentlich auf derselben Grundstruktur. „Man kann dabe auch von einem gleichen ‚Urkern‘ sprechen, einer Art Analogie. Die Orchesterlieder entwickeln jedoch eine ganz eigene Dynamik und ‚Sprache‘. Zusammen mit den Beiträgen der hervorragenden drei Sprecher baut sich eine ganz eigene Welt auf. Wir haben sie über Facebook gefunden. Es war teils schon wirklich so einiges an Vorarbeit und vor allem Kommunikation nötig, um sie zu uns an Bord zu holen. Die Herren waren zu dem Zeitpunkt so um die 20 Jahre älter als wir. Vor allem Douglas Fielding, welcher schon damals auf ‚Nightfall In Middle-Earth‘ für uns die Passagen des ‚Sauron‘ so gekonnt sprach, legte für ‚Legacy Of The Dark Lands’ tatsächlich die Performance seines Lebens hin. Danach ist er tragischerweise verstorben. Wir haben sozusagen sein ultimatives Vermächtnis auf dem Album, wofür wir ihm grenzenlos dankbar sind.“

Für Hansi war klar, so sagt er, dass er für diese Aufgaben einzig Schauspieler zu verpflichten hatte. „Vor allem der verstorbene Narrator hatte exakt jeden Ton ganz genau so inszeniert, wie ich es mir als ‚Arrangeur‘ auch vorgestellt habe. Und wer mich kennt, weiß, dass ich auch auf diesem Sektor ziemlich pingelig bin. Ich weiß als Sprecher, der ich zuweilen selbst in der Band bin, und als Verfasser der Sprechtexte, wie man den gewissen ‚Flow‘ entwickelt - aber jeder nimmt dies ein wenig anders auf.“

© Markus Eck, 14.07.2019

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