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Interview: AT THE GATES
Titel: Weit über den Tod hinaus

Als Sänger Tomas „Tompa“ Lindberg im September 2025 mit gerade mal 52 Jahren tragisch früh an fatalen Komplikationen seiner Krebsbehandlung verstarb, löste dies auf der ganzen Welt Schockzustände aus, und das nicht nur bei den zahllosen alten und neuen Fans der respektierten schwedischen Melodic-Death-Pioniere, mit deren grenzenlos intensiver und eingängiger Musik der „Gothenburg Sound“ global populär wurde.

Ein monumentaler Verlust - auch genre- und szeneübergreifend wurde tiefer Anteil an diesem bestürzenden Schicksalsschlag genommen. At The Gates verloren damit einen langjährigen Bandkameraden, treuen Weggefährten, echten Freund, loyalen Metalbruder und eine immens kreative Seele - alles in einem auf einmal.

Für das neue und achte Studioalbum „The Ghost Of A Future Dead“ stellte sich Tomas bewusst vor seiner aufwändigen Mundhöhlen-Operation noch ans Mikro, und er gab alles dabei - womit der Titel des gehaltvollen Werkes makabre Ambivalenz aufzuweisen scheint. 


Als der Verfasser an Gitarrist und Gründungsmitglied Anders Björler eingangs aufrichtige Anteilnahme übermittelt, offenbart dieser mit maximal besonnener Miene:

„Am Anfang war es natürlich überaus schwer für mich - doch im Weiteren mit all den vielen Journalisten darüber zu sprechen, entwickelte sich für mich zur regelrechten Therapie, um über das Schlimme sehr viel besser hinwegzukommen. Darüber bin ich nach all dem Verlustschmerz und der Trauer um Tomas wirklich sehr froh.“

Der aktuelle Nachfolger zum viel diskutierten 2021er Longplayer „The Nightmare Of Being“ ist laut Anders als besondere Hommage an Tomas gedacht, welchem die Band damit auf allen nur erdenklichen Ebenen bestmöglich Liebe, Ehre und Respekt erweisen möchten.


„Das Album ist absolut und ganzheitlich als sein Vermächtnis gedacht. Wir haben die letzten Jahre - insbesondere nachdem die Krankheit bei ihm 2023 diagnostiziert wurde - noch enger und mehr bei jeder Gelegenheit mit Tomas dafür zusammengearbeitet, ließen diesmal besonders bedachte Sorgfalt in alle möglichen Details einfließen, um mit tiefster Beflissenheit größtmögliche Verfeinerung zu erreichen. Dabei stellten wir uns vollauf gemäß seinen Wünschen ein, was sich von Reihenfolge der Tracklist über den individuellen Soundmix bis hin zum Cover-Artwork und der gesamten Präsentation vollzog - genau, wie er es eben haben wollte.“

Partiell ist in diversen Online-Musikmedien immer noch zu lesen, dass Anders nach seinem 2017er Band-Ausstieg auch keinen Metal mehr spielen wollte. Der Axeman, welcher 2022 wieder in die Formation einstieg, negiert dies total entspannt:

„Also, das stimmt so ja absolut nicht. Dies war ein typisches Gerücht, welches vielfach einfach ungeprüft übernommen wurde. Es ging mir dabei nur ums Touren, all die Anstrengungen, Entbehrungen etc. - mir war zu der Zeit meine Ausbildung einfach wichtiger. Es war höchste Zeit dafür, nach all den Jahren, in denen ich ja einzig und allein nur für die Musik da gewesen bin. Ich höre nach wie vor Metal, nur eben so gar keine neueren Veröffentlichungen, das gibt mir alles nichts mehr. Mein Ding sind die 80er und 90er, da hatten Platten noch Charisma und Eigenständigkeit - vieles, was danach kam, hört sich für mich persönlich viel zu gleich an, was natürlich auch an den verbesserten bzw. leichter gewordenen technischen Möglichkeiten liegt. Davon abgesehen interessiere ich mich als aufgeschlossener Musiker für eine breite Palette an musikalischen Stilen, wobei so einiges in zu harter Musik doch ziemlich konträren Klangwelten liegt. Ich finde das einfach spannend.“

„The Ghost Of A Future Dead“ wurde erneut bei bewährten Jens Bogren in den Fascination Street Studios im schwedischen Örebro aufgenommen und gemischt, wie Anders mit lobenden Worten resümiert. 


„Das ganze neue Material war ja bereits schon vor zwei Jahren fertiggestellt. Am kniffligsten im Studio waren für mich insbesondere die diesmal technischer noch anspruchsvolleren Thrash-Parts, die ich so vollendet und perfekt wie nur möglich hinkriegen wollte. Ich investierte viel Übung und Zeit darin und konnte nicht aufhören damit, bis ich vollkommen überzeugt davon war.“

Für das multipel sehenswerte Musikvideo von Patric Ullaeus zur Single, dem Album-Opener „The Fever Mask“, kramten At The Gates über all die Jahre entstandene (Band)Fotos von Familien und Freunden aus den persönlichen Archiven heraus - was das Ansehen, einer Zeitreise gleich, zu einer unweigerlich bewegenden bis aufwühlenden Erfahrung macht. 


„Diese Komposition war tatsächlich sogar einer der letzten Nummern, die wir für das Album geschrieben haben. Sie glückte uns dermaßen gut, dass wir uns rasch und schlüssig einig darin waren, sie als Eröffnungstrack und gleich auch noch als Single haben zu wollen - das Lied hat einen wunderbar verfassten Text von Tomas und steht mit seiner Kraft und Griffigkeit in Perfektion für At The Gates.“

„The Ghost Of A Future Dead“ - in loving memory. Tomas Lindberg. 1972 - 2025. Rest in peace.

© Markus Eck, 22.03.2026

Photo Credit: Ester Segarra

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