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Interview: ATROCITY
Titel: Faible für ausgeprägte Kontraste

Gitarrist Thorsten ,Tosso‘ Bauer ist bester Dinge, wenn er an die Reaktionen der Death Metal-Gilde zum aktuellen Atrocity-Release denkt.

„Bei ‚Okkult II’ bin ich sowohl mit dem musikalischen Ergebnis als auch mit den Feedbacks zu diesem Album sehr zufrieden. Das Teil geht ja ordentlich auf die Glocke, ist pechschwarz und brachial. Wir haben sehr viele gute internationale Kritiken dafür bekommen und sind in sensationeller Weise auf Platz 37 der offiziellen deutschen Albumcharts sowie auf Platz drei der DAC Charts gelandet … und das mit so einem gewaltigen Brett - herrlich!“

Für den Griffbrettprofi ging das zu Ende gehende Jahr im Januar sogleich optimal los, wie er frohgemut kundtut.

„Und zwar mit den Album-Releaseshows zur neuen Leaves’ Eyes-Scheibe ‚Sign Of The Dragonhead‘ sowie der 70.000 Tons Of Metal Cruise Anfang Februar in der Karibik. Man schippert da unter allerbesten Urlaubsbedingungen durch die See, schaut sich viele tolle Bands in Badeshorts oder gar vom Pool aus an und feiert mit vielen Freunden, Bekannten und Fans eine mehrtägige, mächtig tolle Party. Das ist schon sehr Besonders. Zudem hatten wir zwei tolle, ausgedehnte Europatouren in den Monaten April und Mai sowie September und Oktober. Im Sommer ging es dann nach dem Atrocity-Release mit Promo-Aktivitäten Schlag auf Schlag weiter. Der tolle Auftritt mit Leaves’ Eyes beim Wacken OpenAir sowie dem MetalHammer Paradise an der Ostsee waren weitere Highlights.“

Als sein allerschönstes Atrocity-Konzert 2018 nennt der Saitenschrubber ohne zu überlegen die Show beim Sunstorm Open Air.

„Das ist ein Festival hier bei uns in der Nähe, wo wir am Veröffentlichungstag von ‚Okkult II‘ einen Großteil des neuen Albums in die hungrige Zuschauermenge abgefeuert haben. Zudem hatten wir an diesem Tag eine prima Aftershow-Party, auch mit unseren Kumpels von Destruction und vielen Freunden und Bekannten.“

Bilanziert Tosso die gespielten Konzerte, kann er keinen Reinfall nennen.

„Es hätten lediglich mehr Gigs sein dürfen, was aber nicht immer so einfach ist, wenn man mit zwei Bands live unterwegs ist. 2019 werden wir da sicherlich tourtechnisch ordentlich zuschlagen.“

So war er auch in 2018 wieder froh und dankbar dafür, Musik machen zu können und um die Welt zu reisen, um dann noch preiszugeben: „Als Kind in der Schule habe ich bei Fragebögen als Berufswunsch immer ‚Rockmusiker‘ angegeben. Und dieser Wunsch hat sich erfüllt“, platzt es von einem schallenden Lachen begleitet aus dem Gitarrero heraus.

Dass seine ganzen Aktivitäten nicht immer einfach unter einen Hut zu bringen sind, liegt auf der Hand, das verhielt sich auch in 2018 so. „Ich arbeite ziemlich viel, sowohl für Atrocity und Leaves’ Eyes, als auch in unserem Studio Mastersound. Ich lebe aber ziemlich gesund und bin seit 24 Jahren Vegetarier. Zudem rauche ich nicht und nehme keine Drogen. Meine große Schwäche ist allerdings Schokolade, da gerate ich des Öfteren ‚außer Kontrolle‘. Allerdings habe ich mir Ende 2017 zwei Finger meiner linken Gitarrengreifhand gebrochen und es war ein echtes Wettrennen mit der Zeit, diese beiden Finger wieder rechtzeitig zu den ersten Shows im Januar 2018 wieder einsatzfähig zu bekommen.“

Als bekennenden Geschichts-Freak, wie er wissen lässt, haben ihn 2018 die vielen Zerstörungen von antiken und altorientalischen Bauten ziemlich mitgenommen. „Da ist ziemlich viel an Menschheitsgeschichte verloren gegangen. Echt grausam!“

Als es an positiv überraschende Musik 2018 geht, gleicht die Schnelligkeit seines Statements einem Blitzschlag.

„Die neue Judas Priest-Scheibe ist ein echter Knüller! Zudem haben mich Sepultura, Sabaton und Meshuggah live sehr beeindruckt.“

Als generell unerträglich empfand der Gitarrist die Qualität der Musik bei den meisten Radiosendern, so lässt er verlauten.

„Das ist für mich mittlerweile ganz einfach nicht mehr auszuhalten. Als Kind und Jugendlicher habe ich mir noch Kassetten aufgenommen, weil es damals noch prima Hardrock- und Heavy-Metal-Sendungen im Radio gab.“

Meistens fährt Tosso in die österreichischen Berge und geht dort ganz alleine wandern, um auszuspannen.

„Seit zwei Jahren habe ich aber den Schwarzwald und speziell das Städtchen Bad Wildbad für mich entdeckt. Das ist für mich als Schwabe ein Katzensprung. Da gehe ich tagsüber wandern und lege mich ab nachmittags in die Thermalquellen. Viel mehr Entspannung ging auch dieses Jahr nicht! Sehr empfehlenswert. Ansonsten gehe ich im Alltag sehr gerne Joggen im Wald, in den Weinbergen hier oder am Neckar.“

Am allermeisten freut er sich auf den DFB-Pokalsieg von Schalke 04, wenn er an 2019 denkt.

Der Axeman stimmt der Aussage des Autoren eindeutig zu, dass die Zeit scheinbar immer noch schneller zu vergehen scheint, obwohl jeder Tag noch immer die gleichen 24 Stunden hat. „Manchmal hat man den Eindruck, dass die Zeit pro Tag quasi wie Sand zwischen den Händen zerrinnt. Umso wichtiger ist es, dass man seine begrenzte Zeit nicht mit unnötigem Scheiß vergeudet und schöne Dinge ganz bewußt wahrnimmt.“

Die Frage, was er sich damals im Alter von 20 Jahren gedacht beziehungsweise vorgestellt hat, wie die Welt der aktuellen Gegenwart wohl einmal sein wird, ruft einige Erinnerungen in dem Gitarrist zurück. 



Er offenbart: „Mit 20 hatte ich die Hoffnung, daß es irgendwann so etwas wie das ‚Holodeck‘ aus der ‚Star Trek/Next Generation‘-Serie geben wird. Da hätte ich mir dann Jimi Hendrix in Monterrey, Pink Floyd und Kraftwerk zu ihren Anfangstagen oder auch Metallica und Slayer im Jahre 1983 angeschaut, um diese Musiker zu ihren wildesten Zeiten mal hautnah zu erleben.“

Silvester findet Tosso am gemütlichsten im kleinen Kreise mit Freunden, sagt er. „Ein schöner Aussichtspunkt zu Mitternacht, um sich das Feuerwerk anzusehen ist natürlich auch nicht schlecht.“

© Markus Eck, 12.12.2018

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