
| Interview: | ASENBLUT |
| Titel: | Voll und ganz dabei |
Wer ihn einmal sieht, vergisst ihn nicht: Frontmann Tetzel ist allein schon visuell ein absoluter Hingucker, und mit seiner Kehle weiß der kumpelhafte Muskelberg auch so allerhand anzustellen. Seit zwei Dekaden ist der Kerl mit seiner Pagan-Metal-Truppe zugange - nun rammen die Niedersachsen ihr neues Album „Urgewalt“ in den Boden der Szene.
Den Glückwunsch zum Bandjubiläum nimmt er frohgemut entgegen. „Mit mehr Motivation als jemals zuvor würde ich sogar behaupten. Als wir, vor knapp vier Jahren, die Entscheidung getroffen haben unsere Band nicht mehr auf ‚halber Arschbacke‘ zu machen sondern wirklich Zeit, Energie und Kraft zu investieren hat sich einiges bewegt. Wir haben unsere Herangehensweise auf den Kopf gestellt. Merchandise, welches oft sehr stiefmütterlich behandelt wurde, wird jetzt ordentlich gemacht und konzeptioniert - auch haben wir damit angefangen, hart an neuen Songs und regelmäßigem Material zu arbeiten. Das neue Album ist somit nur ein weiterer Schritt - wir sind gerade erst am Anfang.“
Man erblickt Tetzel stets sportlich auftrainiert, was Asenblut unter vielen anderen Bands aus dem Genre einen höchst markanten Wiedererkennungswert sichert. Dazu befragt, wie viele Jahre er nun bereits an den Hanteln dran ist und wie oft er das kalte Eisen pro Woche wuchtet, berichtet der Powertyp:
„Die Musik war meine erste Liebe, der Sport kam einige Jahre später dazu. Seit ziemlich genau 15 Jahren trainiere ich nun regelmässig. Dabei war mir am Anfang tatsächlich das Abnehmen und in Form kommen wichtig. Viele Jahre hat dann der Profi-Strongmansport meinen Werdegang geprägt. Als dann ab 2021 und 2022 die Verletzungen - Teilabriss rechter Brustmuskel, Teilriss Innenmeniskus … verschiedene ‚kleinere‘ Wehwehchen - immer mehr wurden, war mir ziemlich klar, dass es immer nur ein ‚Zurückkommen‘ ohne echten Fortschritt wird. Leistungssport ist nie Gesundheitssport und es ist gar nicht so einfach den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören zu finden. Schweres und intensives Training gehört aber immer noch zu meinem Alltag. Inzwischen aber nur noch zwei, manchmal dreimal in der Woche. Dazu kam ein bisschen mehr Fokus auf Ausdauertraining. Ein Oberschenkel mit 75 cm Umfang und über 300 Kilogramm-Kniebeuge ist zwar beeindruckend, aber nach über zehn Jahren durchgescheuerter Hosen auch nicht mehr der Hauptfokus.“
Das neue Werk ist für den Sänger nicht nur ein weiterer Schritt, sondern auch ein absoluter Meilenstein in der Bandhistorie, so sagt er. „Wir haben uns nicht ausgeruht, keine Verschnaufpause eingelegt oder uns zurückgezogen. Wir haben konsequent Shows gespielt und gearbeitet um mit voller Kraft und Spielfreude den mit dem Albumvorgänger ‚Entfesselt‘ gelegten Grundstein weiter zu bebauen. Daher sind wir sehr froh und stolz auf ‚Urgewalt‘ und freuen uns natürlich auch das live zu präsentieren.“
Apropos, nach dem Erscheinen von „Entfesselt“ begab sich der Fünfer ja erstmal direkt auf ausgedehnte Tour. Tetzel strahlt: „Konkret 2024/25 und bis August 26 haben wir vor allem im deutschsprachigen Raum gute 60 Shows gespielt. Dabei haben wir ständig an der Performance, der Bühnenoptik und natürlich an neuen Songs gearbeitet - um einfach die gesamte ‚Asenblut-Erfahrung‘ auf ein neues Level zu heben. Wir haben eine Vision davon was wir den Fans bieten möchten und arbeiten uns an diese Stück für Stück heran.“
Die Band-Zusammenarbeit für den aktuellen Release lief ziemlich reibungslos ab. „Wir machen das immer so: Unser Drummer Balrogh schreibt die Musik. Ich gehe dann als ‚Produzent‘ an die Sache – bespreche Änderungen, streiche oder ergänze Parts und gebe Input und Ideen was man anders machen kann. Nach zwei bis drei Revisionsrunden stehen dann die rohen Stücke und bekommen Text und Gesang. Das wird dann wiederum gemeinsam gecheckt - und wenn keiner mehr etwas zu meckern hat ist der Song fertig.“
Das neue Werk „Urgewalt“ verbindet den moderneren Sound und Songwritingansatz von Asenblut mit den Wurzeln der Band, so der Frontmann. „Es hat natürlich Songs die sich mit dem Leben auseinandersetzen, wie ‚Drei Flüche‘ ist aber in weiten Teilen ein fantastisches Werk. Etwas weniger Zorn und Selbstbehauptung – dafür mehr Verbundenheit, Natur und positive sowie destruktive Energie.“
Mit dem Songwriting kamen die Beteiligten diesmal gut voran. „Allerdings hat es am Ende ein klein wenig länger gedauert als wir uns gewünscht haben – was aber wohl ganz normal ist. Man möchte ja auch ‚fertig‘ sein. Danach fällt einem sowieso immer noch etwas auf oder ein was man ändern oder hinzufügen könnte. Ein Album ist immer auch eine Momentaufnahme des Schaffensprozesses. Dies macht wiederum die Livesituation so interessant, da man dort noch etwas experimentieren kann ohne eine hundertprozentige Reproduktion des Songs von der Platte zu präsentieren. Ansonsten kommen wir auch weiterhin gut voran und planen direkt weiter zumachen.“
Der Song „Barbaren und Legionen“ war in gewisser Weise mit viel Aufwand verbunden, so ist zu erfahren:
„Hierin haben wir uns ja sehr weit aus der Komfortzone herausgewagt und neben dem Power-Metal-Gesang von Dave auch ein episches Solo-Battle und viele opulente Instrumente für die Klanglandschaft verwendet. Dabei war es etwas besonderes das Resultat an die Vorstellung heran zu arbeiten.“
Tetzels Vocals sind wie immer maximal berserkerisch - nach all den Jahren nicht mehr ganz so anstrengend, oder?
„Ja und nein. Natürlich habe ich über fast zwei Jahrzehnte ein gewisses Repertoire aufgebaut. Allerdings arbeite ich auch seit vielen Jahren und weiterhin daran mich zu verbessern, also Klang, Technik und Nuancen auszuarbeiten. Cleangesang, Raspelgesang, Death Growls, Screams. Es ist vielschichtiger als man manchmal wahrnimmt. Hier hört man sicher auch einige Unterschiede zum wirklich maximal ‚böse‘ klingenden ‚Entfesselt‘.“
Der überraschend eingängige Song „Der Druide“, mit Sagenbringer, entstand in Anlehnung an klassischen Schweden-Death-Metal und hat ein ziemlich starkes „Dark Tranquility-Feeling“, wie postuliert wird.
„Das passte einfach herrlich in die Thematik und nach unserem gemeinsamen Song ‚Berserker‘ waren unsere Freunde von Sagenbringer die erste Wahl für dieses Stück. Tim bzw. Haldruhir ist in seiner Rolle bei Sagenbringer ja ein Druide, so verbindet er im Song den Stamm mit der Natur, der Besinnung auf das was vor uns gekommen ist und nach uns bleiben wird. Eine Reise durch die Schleier hinter dem was wir um uns herum täglich begreifen und fühlen.“
Und für „Barbaren und Legionen“ haben sich Asenblut mit den Power Metallern Victorius zusammengetan. „Falls ihr das Video noch nicht gesehen habt – seht es euch an, da haben wir uns was ganz besonderes einfallen lassen. Ansonsten ist es ein Song der die Kontraste im Gesang und auch der Musik benötigte. Er ist bombastisch, episch und kämpferisch. Dabei ist er in historischen Tatsachen verankert und erzählt vom sogenannten ‚Galliersturm‘ ca. 390 v. Chr. Natürlich nehmen wir uns hier ein romantisierendes Augenzwinkern heraus und haben einfach Spaß an der Musik und mit dem Song.“
Im Song „Tavernenrausch“ ist sogar Mittel Alta (!) mit von der Partie. „Nach fast 20 Jahren wurde es einfach Zeit für ein Trinklied. Dies sollte einerseits mit Humor, andererseits mit Augenzwinkern geschehen. Kein reines Verherrlichen, aber auch kein Verdammen. Eher eine Auseinandersetzung mit den direkten Folgen des Alkoholkonsums, ohne anzuklagen und dennoch mit Humor. Die Jungs von Mittel Alta sind seid ihrer Gründung mit uns in Kontakt und da war es klar, dass dieser Song nur so funktionieren kann. Das wir ein Trinklied kurz vor dem Sommer released haben und es ein kleiner „Hit“ für uns ist, war nicht geplant, freut uns aber um so mehr. Der Song, das Video, Mittel Alta und wie das Ganze ankommt gefällt uns natürlich sehr!“
Motivation und Euphorie sind so hoch wie nie in Asenblut. „Wir haben das Gefühl den richtigen Weg eingeschlagen zu haben – und selbst wenn nicht, wir gehen ihn konsequent, gemeinsam und stellen uns allen Herausforderungen. Das ist möglich dank dir, der du das liest, dank dir Markus und dem Interesse und der Liebe und Leidenschaft für die Musik, die uns alle verbindet. Danke und auf die nächsten Jahre!“
© Markus Eck, 03.09.2026
Photo Credit: Andrea Dreierling, Asenblut
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