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Interview: ANNEKE VAN GIERSBERGEN
Titel: Feierlich aufgefrischte Vergangenheit

Als sie 1994 mit The Gathering mitten in der damals aufbrausenden Gothic Metal-Welle an den Start ging, sollten lange Jahre mit der Band folgen, die viel Aufmerksamkeit, Erfolg und Popularität mit bringen.

Mittlerweile ist aus dem zarten Fräulein mit der Engelstimme eine rundum gereifte Frau geworden, die künstlerisch wie wenige sehr weit über den viel zitierten Tellerrand hinausblickt.

Als eine der wenigen Sängerinnen mit dermaßen breitem Betätigungsfeld meistert sie anhaltend diverse stilistische Spagate mit jeweilig vollauf überzeugender Darbietung. Zu ihrem anstehenden, 25-jährigen Jubiläum konnte es für die Niederländerin wohl kaum eine bessere Würdigung geben als die beiden Konzertabende im Mai, die Anneke mit einem Symphonieorchester, dem Residentie Orkest The Hague gab.

„Symphonized” ist das neue Livealbum betitelt, für welches elf Songs der Auftritte im 013 in Tilburg und im Paard in Den Haag mitgeschnitten wurden. Geboten wurde dabei bewusst ein breiter Querschnitt des bisherigen Schaffens der vielseitigen Dame.

Wie Anneke mit herzlicher Freude in der Stimme erzählt, ist besagtes Den Haager Orchester ziemlich geübt in derlei Crossover-Projekten.

„Sie veranstalten solche Events sogar ein paar Mal im Jahr, ‚Symphonic Junction‘ nennen sie es. Eingeladen wird dafür ein Sänger oder Solist aus einem anderen Genre, beispielsweise Pop, Jazz etc. Dabei entstehen wundervoll kreative, ganz besondere Abende. Als auch ich schließlich gefragt wurde, ließ man mich gleich wissen, dass mein Rock- und Metal-Background eine sehr willkommene Herausforderung darstellen würde. Natürlich sagte ich umgehend ohne Zögern zu! Schnell entschied ich mich auch, speziell dafür ein Set mit Liedern aus meiner gesamten Karriere zusammenzustellen. Und es wurden zwei herrlich spannende, echt tolle Shows.“

Selbstverständlich war die Vokalistin vor diesen ungewöhnlichen Auftritten mächtig aufgeregt, sagt sie, von einem breiten Grinsen begleitet. „Nervös an sich war ich eigentlich tatsächlich eher weniger, wir hatten alles gut einstudiert und daher bestens unter Kontrolle. Die Lieder gerieten wirklich fantastisch, ich spürte schließlich ein großes Vertrauen in das, was auf der Bühne passieren würde.“

Die Proben mit dem Orchester liefen sehr gut, lobt Anneke die beflissene Zusammenarbeit. „Ich und das Orchester erarbeiteten und übten die Songs mit Arrangieren, Neulernen usw. jeweils separat. Das hat so gut funktioniert, dass wir das Ganze mit gerade mal zwei gemeinsamen Proben optimal hinbekommen haben. Deren Arrangeure waren dabei auch anwesend, sodass wir selbst kleinste Details vollendet ausarbeiten konnten. Und wir kamen dafür gerade mal ein paar Tage vor den Shows zusammen.“

Gespielt wurden Lieder von Vuur, The Gentle Storm als auch The Gathering mitsamt Annekes eigenen Solostücken.

„Die Auswahl gestaltete sich nicht so schwer, wie man das jetzt vielleicht denken möchte. Ich horchte einfach in mich hinein und entschied mich dann für die Stücke der letzten 25 Jahre, die ich über die Jahre am meisten lieben gelernt habe. Die finale Entscheidung, welche dieser Songs es in die Setlist schaffen würden, traf aber letztlich der Creative Director des Orchesters, Sven Arne Tepl. Er wählte die Kompostionen aus, die seiner Ansicht nach am ansprechendsten und passendsten sind, um mit seinen Musikern entsprechend neu arrangiert zu werden.“

Da das Tilburger 013 ein größerer Veranstaltungsort mit breiterer Bühne ist als das Den Haager Paard, so Anneke resümierend, erlebte sie die jeweiligen Atmosphären auch unterschiedlich. „Beide Konzerte waren erfreulicherweise ausverkauft, sodass die Luft in beiden Venues mächtig bebte. Wir setzten mit den Leuten im Publikum Unmengen an Energie frei - was man auf dem Album auch deutlich hören kann. Die Auditorien waren ebenso laut wie großartig!“

© Markus Eck, 02.11.2018

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