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Interview: 1914
Titel: Monumentale Mahnungen

Längst gelten sie unter Kennern als eine der originellsten, besten und auch seriösesten Truppen im extremeren Schwermetall, welche sich profund mit der Thematik des ersten Weltkrieges auseinandersetzen.

Gegründet 2014, feuern die brachial-visionären Ukrainer heuer ihr drittes Vollzeitwerk in die Szene. Symbolträchtig „Where Fear And Weapons Meet“ getauft, ist der neue Sturmdreher mit sagenhaft imposanten Kompositionen munitioniert - eine wirklich massive Steigerung zum Vorhergehenden!

Wie Gitarrist Vitaliy Vygovskyy, bei der Band aktuell als ‚307th Infantry Regiment, Capt. Walter Wyhovsky‘ rekrutiert, berichtet, hatte er hinsichtlich des neuen Albums anfangs eher gemischte Gefühle, weil 1914 so etwas in der Vergangenheit noch nie gemacht haben.

„Wir haben bei dieser Aufnahme viel experimentiert und eine Menge Dinge hinzugefügt, die wir vorher nie benutzt haben, wie Orchester und Industrial-Parts - aber je mehr ich es mir anhöre, desto mehr gefällt es mir. Es hat Spaß gemacht, dieses Album zu machen, und ich hoffe, dass es möglichst vielen Menschen auf der Welt gefallen wird.“

Bei dem brachialen Gesamtsound mitsamt all den aufreibenden lyrischen Inhalten bleibt der Mann auch im Folgenden erstaunlich lässig.

Normalerweise schreiben die Beteiligten die Musik zusammen in harmonischer Gemeinschaft:

„Jeder von uns hat ein paar Ideen und wir jammen, versuchen sie zusammenzufügen, schreiben ein paar Demos im Heimstudio, nichts wirklich Besonderes.“ 



Außer den Texten!

„Die Lyrics sind die absolute Domäne unseres Sängers Dmytro Kumar alias ‚9. Westpreußisches Infanterie-Regiment Nr. 176, Hptm. Ditmar Kumarberg’. Wir diskutieren lediglich manchmal ein paar Textfragmente, um sie besser in den jeweiligen Track zu integrieren. Dieses Mal war die Arbeit am Album ziemlich intensiv, wir haben ungefähr sechs bis sieben Monate gebraucht, um das Endergebnis zu erreichen. Wir fingen im Herbst 2020 damit an, alle Ideen in Songs zu packen und sind dann im April dieses Jahres in unserer Heimatstadt Lviv schließlich ins Studio Jenny Records gegangen. Ich erinnere mich, dass die Aufnahmen sinnbildlich noch ‚heiß‘ waren, als wir alles an unseren guten Freund, den erstaunlich professionell arbeitenden Alexander Backlund, der schon an unserem letzten Album ‚The Blind Leading The Blind‘ gearbeitet hat, ins Nailvillage Studio, Borlange nach Schweden zum Mischen und Mastern schickten.“

Die ganze Arbeit an „Where Fear And Weapons Meet“ war für 1914 im Allgemeinen sehr hart, resümiert der Axeman mit betont nachdenklich gestimmtem Tonfall. „Vieles wurde von einer Menge persönlicher Probleme begleitet, welche einige unserer Bandmitglieder aufgrund einer lang anhaltenden Lebensmitteleinschränkung hier zu bewältigen hatten. Mancher von uns kämpfte gar darum, seinen Job wiederzubekommen, nachdem ein Geschäft nach dem anderen geschlossen wurde. Wenn man dann noch die Verpflichtung in einem festen Zeitrahmen für die Fertigstellung einer Albumproduktion hinzufügt, erhält man ein paar wirklich stressige Monate. Ich bin sehr froh, dass wir das alles mit den Jungs erfolgreich durchgestanden haben und dass das Ergebnis ein großartiges Stück Musik ist, auf das ich persönlich stolz bin.“

Und während frühere Lieder von 1914 hauptsächlich vom Tod, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung handelten, geht es auf dieser Platte tatsächlich um Leben und Hoffnung, so ist zu erfahren.

„Das zeigt sich auch auf dem Album-Artwork, wo der verwundete, blutende Soldat versucht, die Hand des Todes zu ergreifen, um Erleichterung zu finden - und der Tod gibt sie ihm nicht, will ihn nicht nehmen, weil er es verdient, zu leben. Dies ist für uns die Repräsentation über diejenigen, die überlebt haben und als Helden nach Hause zurückgekehrt sind - Menschen, die oft das Unmögliche getan haben. Einer der Höhepunkte ist das Lied über die belgische Panzerdivision, die von ihrem Land als ‚Geschenk‘ übersendet wurde, einige Jahre lang kämpfte und dann aufgegeben wurde. Diese Leute konnten nicht aus der Ukraine nach Belgien zurückkehren, weil der Krieg im Herzen Europas noch immer brannte, also taten sie das Unmögliche - sie schafften es, die Reise um die Welt zu machen, um nach Belgien zurückzukehren. Sie kehrten als Helden nach Hause zurück. Das Leben und die Hoffnung sind die wichtigsten Dinge, die wir mit diesem Song ans Licht bringen wollten.“



Noch auf die maximal ungewöhnlichen Pseudonyme angehauen, gibt der Mann zu Protokoll: „Als es darum ging, unsere Bühnenuniform auszuwählen, wollten wir nicht nur eine bestimmte Seite repräsentieren, also haben wir uns für die Uniformen verschiedener Länder entschieden, die am Großen Krieg teilgenommen haben. Wir stellen da jeweilig den Österreich-Ungarn sowie Soldaten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA dar. So haben wir uns entschieden, einen Künstlernamen zu wählen, welcher der Seite entspricht, die wir repräsentieren, und uns den realen Militärabteilungen zuzuordnen, die tatsächlich existierten.“

© Markus Eck, 05.10.2021

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