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Special: Silenoz
Titel: Validierte Selbstbestätigung

„Grundsätzlich machen wir immer noch das, was wir tun sollten und wofür wir bestimmt sind“, steigt der Gitarrist, neben Sänger Shagrath einzig verbliebenes Gründungsmitglied von Dimmu Borgir, gewohnt überzeugt ins Gespräch ein.

„Klar, früher haben wir uns natürlich noch hier und da gewisse Gedanken gemacht, was Fans, Medien usw. von einem neuen Album halten werden, doch diese Art Sorgen ging uns mehr und mehr ab die letzten Jahre - worüber ich sehr froh bin, denn so machen Shagrath und ich mittlerweile genau die Musik, die einzig aus uns heraus kommt, kreativ gewissermaßen hermetisch abgeschirmt. ‚Grand Serpent Rising‘ ist sinnbildlich exakt das Spiegelbild dessen - es entstand direkt in unserer ‚Bubble‘, worin wir nur das machen, was wir ganz persönlich auch wirklich mögen. Und worin wir in uns hinein fühlen und forschen, was wir momentan von uns selbst an eigener Musik und Klanggestaltung hören wollen. So gibt’s darin fürs Songwriting bzw. all dessen Einzelteile einfach nur entweder ein Ja oder ein Nein. Sicherlich wird diesbezüglich bis zu einem gewissen Grad ausprobiert, justiert und laviert, aber wenn ein Ansatz oder eine Idee nicht vollauf überzeugt, wird sie eben nicht verwendet!“

Die acht Jahre Wartezeit auf den neuen Langspieler kommentiert er mit souveräner und zentrierter Attitüde. „Wir ließen uns eben erneut die genau dafür nötige Zeit, Punkt. Wir gingen erst aus dem Fredman-Studio, als wir uns einig und sicher waren, dass wir ein Top-Werk hinbekommen haben.“

Auf die markanten „nostalgischen“ Momente des neuen Album-Outputs angesprochen, postuliert Silenoz:

„Die gibt es definitiv, was aber auf ganz natürliche Weise so entstanden ist, das geschah ohne Kalkül - einige Song-Ideen hatten wir schon jahrelang in der Hinterhand, um sie jetzt passend einzubringen. Manches davon stammt sogar noch aus der Zeit zwischen 2018 und 2019, als der Vorgänger ‚Eonian‘ herauskam. Dadurch geriet das neue Album sehr abwechslungsreich. Einem ‚Script‘ folgten wir zwei auch absolut nicht, somit berührt das neue Material alles in allem unseren gesamten stilistischen Verlauf seit den frühen Tagen.“

So ist er über die letzten zehn bis 15 Jahre um einiges weniger analytisch geworden, wie der langbärtige Axeman für seine privaten Hörgewohnheiten als auch seine kompositorische Einstellung proklamiert.

„Das hilft mir enorm, Lieder anderer Bands mehr zu genießen als auch meine eigenen musikalischer werden zu lassen. Wenn ich heute Musik an sich auf mich wirken lasse, dann sitze ich da, um gewissermaßen ‚zuzuhören, und nicht nur um zu hören‘. Ich finde es viel interessanter, spannender und aufschlussreicher, zu erleben, was mir ein Lied gibt, als es in all seine Einzelteile zu zerdenken und dabei dahinter zu kommen, wie dieser oder jene Part wohl zustande gekommen, gespielt, aufgenommen und produziert etc. wurde. Ich genieße das und denke, es ist ein ganz natürlicher Entwicklungsprozess als Musiker, der an sich arbeitet und dabei reift. In der Tat möchte man selbstverständlich gutes Neues nach draußen bringen, doch der ‚Flow’ und auch die Authentizität müssen einfach auch stimmig ins Gesamte passen - und so denke ich, dass ‚Grand Serpent Rising‘ auf diesem Wege eine großartige Kollektion an neuen Liedern von uns geworden ist. Wir haben auch nicht versucht, ‚das Rad neu zu erfinden’ oder etwas zu beweisen - wenn, dann wollen wir uns selbst etwas beweisen.“

Dass die neue Veröffentlichung am besten über Kopfhörer rezipiert und ausgekostet werden sollte, nickt der Mann mit harmonischer Miene unmittelbar ab.

„Ja, es hat schon was von einer Art Reise, einem Trip, den man vom Start bis zum Ende so erlebt, als wäre man selbst mittendrin dabei. Ich weiß, was das bedeutet - schließlich höre und nehme ich meine ewigen Lieblingsplatten von anderen Bands am liebsten auch genau so in mir wahr.“

Letztlich, so expliziert der Saitenschrubber beflissen, geht es konkret um das individuelle Feeling.

„Was genau erweckt Musik in einem, was ist sie auszulösen imstande? Ich vergleiche es ganz gerne mit einem Maler, der ein Bild pinselt - nach Fertigstellung fängt es an, eigene Atmosphären in denen zu entwickeln, die es betrachten und auf sich wirken lassen. Versteht man ein Bild nun nicht, oder löst es nichts aus, dann bedeutet dies ja beileibe nicht, dass es ein missglücktes oder gar schlechtes Bild ist.“

Als der Dialog dazu übergeht, wie sehr auch „Eonian“ die jeweiligen Fan-Blöcke der norwegischen Genre-Titanen polarisierte, kommt gleichfalls unverblümter wie selbstbewusster Klartext: „Ich bin mir absolut sicher, dass auch ‚Grand Serpent Rising‘ wieder Gemüter erhitzen bis geradewegs aufkochen wird, weil es bei uns einfach jedesmal so ist mit einem neuen Album. Aber das ist ja gerade das Schöne daran: Es ist nicht für jedermann, weil wir das auch gar nicht wollen! Es ist viel eher für die Leute gedacht, die auf ‚derselben Frequenz’ sind, auf welcher wir uns beim Schreiben und Erstellen dieser Songs befanden. Mir ist es daher herzlich egal, ob man im insbesondere im Internet darüber gut oder schlecht berichtet - der viel diskutierte Algorithmus springt dahingehend schließlich auch auf Negatives an, wie man weiß“, verlässt es den Mund des Griffbretthexers, während er sich dabei ganz entspannt am geflochtenen Barte zieht.

© Markus Eck, 03.05.2026

Photo Credit: Sven Kopperud & Void Revelations

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