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Special: Mother Earth • 2026
Titel: Liebesgruß an Mutter Erde

Um als niederländische Symphonic-Metal-Formation weltweit über drei Millionen Tonträger zu verkaufen, bedarf es neben einer gehörigen Portion an musikalischem Talent auch den unbedingten Willen zum Erfolg.

Und Within Temptation haben beides über die Jahre vielfach bewiesen. Kürzlich feierte das zweite Album „Mother Earth“, welches der Band schließlich den breiten Durchbruch ermöglichte, sein 25-jähriges.

Erstmalig im Dezember 2000 veröffentlicht, fand das Künstler- und Lebenspaar Robert Westerholt und Sharon den Adel darauf genau den Stil, der zu ihrem Markenzeichen werden sollte. Ein erfreulicher Anlass, um sich zusammen mit Gitarrist und Composer Robert tiefergehender auf „Mother Earth“ zurückzubesinnen.

1996 gegründet, brachten Within Temptation ihr Debütalbum „Enter“ im 1997er Frühjahr auf den Markt. Anfang Dezember 2000 erschien dann „Mother Earth“, ebenfalls auf dem holländischen Label DSFA Records, gegründet vom damaligen Aardschok-Musikjournalisten Anthony van den Berg, wie Robert sich erinnert. Drei Singles sollten folgen: „Mother Earth“, „Our Farewell“ und „Ice Queen“.

„Ja, Anthony hatte da noch einige andere, teils stilistisch ähnliche Metal-Bands wie beispielsweise Orphanage oder Trail Of Tears usw. in seinem Programm, er machte das aber doch eher auf einer Art Hobbybasis, sozusagen aus Spaß an der Freude. Doch sein Arbeitspensum bzgl. unserer Musik stieg irgendwann massiv an, was mit mit der Single ‚Mother Earth‘ losging, die bei euch in Deutschland sprichwörtlich ‚durch die Decke‘ ging. Und als wir dann danach, insbesondere ab 2002 aufgrund der Single ‚Ice Queen‘ mit ‚Mother Earth‘ hier in den Niederlanden auch noch mehrfach mit Platin und sogar mit Gold in Belgien ausgezeichnet wurden, wurde es ihm einfach zu viel, neben den ganzen Konzerten und vor allem großen Festivals, auf denen wir dann plötzlich gebucht wurden. Wir konnten es gar nicht fassen, das Allermeiste erschien uns regelrecht surreal zu sein, wie ein ‚positiver Schock‘ - wir hatten ja auch gar keine solchen Ambitionen, auch wir betrieben die Band bis dato als Hobby. Es war auch ein Novum, denn derlei hatte zuvor noch keine niederländische Metal-Band unserer Stilart ausgelöst.“

So wurden DSFA Records vom Inhaber aufgelöst, für die Band ging es auf einem neuen Label mit dem dritten Album „The Silent Force“ ab 2004 weiter, circa zeitgleich wurde „Mother Earth“ von der Company erneut veröffentlicht und Within Temptation wurden zu Symphonic-Metal-Trendsettern.

„Jedes unserer Alben hat seine ganz eigene Story, doch ‚Mother Earth‘ ist tatsächlich die Basis für alles, was musikalisch und künstlerisch aus uns wurde und was uns heute ausmacht. Wir hatten mit dem Vorgänger ‚Enter‘ noch eine Art kreative und vor allem kompositorische ‚Findungsphase‘, die für mich als Komponist zusammen mit Sharon nachfolgend fürs Erste abgeschlossen werden konnte. Als ich mich damals in unserem nicht allzu großen Haus in eine Art ‚kleinere Kammer‘ oft mit meinem winzigen Keyboard zurückzog und darauf motiviert Notenkonstrukte komponierte und provisorische Gesangs-Fragmente dazu anfertigte, fühlte ich mich darin wie in einer anderen Welt.“

Was für ihn sehr wichtig war, so Robert, um genau das Material entstehen zu lassen, was er individuell im Sinn hatte.

„Ich bin ja bis heute kein guter Keyboardspieler, aber zum Komponieren reichen mir meine Fertigkeiten vollauf aus. Als ich auf diese Weise eines Tages den Titeltrack anging, hatte ich den Film ‚Braveheart‘ im Kopf - ich saß da, tippte meine entsprechenden Eingebungen auf die Tasten und dachte mir plötzlich: ‚Das klingt doch richtig gut, das ist doch was, da wird was draus!‘ - und dieses markante Grundmotiv gefiel mir gleich so gut, dass ich den Rest des Songs durchgehend happy vollenden konnte. Ich ließ Sharon dort, ganz entgegen ihrem Willen, auch überhaupt nicht rein, wollte nicht gestört werden - so gab ich ihr als auch meinem Bruder, dem zu der Zeit eigentlichen Keyboarder Martijn, meine Demos stets erst nach vorläufiger Fertigstellung, damit sie ihre Vocal-Lines dazu ausarbeiten und einbringen kann. Sharon brachte sich fantastisch ein, sie konnte auch das Synchronisieren mit den Vocals ja so viel besser als ich. Auch als ‚Kreativ-Duo‘ konnten wir uns dabei schon echt optimal weiterentwickeln, so eng miteinander. Das war also wirklich eine ganz spezielle Zeit für uns.“

Der Kompositionsprozess dauerte seine Zeit, wie zu erfahren ist. „Insgesamt fast zwei Jahre, ich wollte alles perfekt machen, hatte aber noch so viel zu lernen, so zog es sich. Ich befand mich in dieser Zeit in einer Art ‚Fantasy-Welt‘, mit den ganzen Themen und damit verbundenen - inhaltlichen - Songideen, alles war noch so neu und aufregend für mich. Auch wenn es aber noch so lange dauerte, ich hatte riesengroße Freude dabei, diesen ganzen ‚Kosmos‘ zu entdecken und mich darin als Composer und Musiker auszubreiten. Deswegen klingt ‚Mother Earth‘ auch so homogen in sich. Jede geschriebene und dann im Studio eingespielte Musik hat ihre eigene Zeit, wie ich immer zu sagen pflege, und auch dieses Album hat natürlich seinen ganz eigenen ‚Charme’.“

Zu dem für ihn selbst allerwichtigsten bzw. schönsten „‚Mother Earth‘-Fact“ befragt, weiß Robert mit strahlend freudiger Miene zu berichten:

„Wir hatten ein Video-Shooting mitsamt Luftaufnahmen von den umgebenden Wäldern am wunderschönen und malerischen Delsjön-See in der Nähe von Göteborg zum Titelsong, unser erstes überhaupt, welches dermaßen professionell aufgenommen und bearbeitet wurde. Regisseur Patric Ullaeus stach bei den Aufnahmen sofort heraus, als ‚ein Schwede mit unerschrockener Hollywood-Attitüde‘ und entsprechend großen Visionen für unser Video, das war schon rundum ein maximal spezielles Erlebnis für uns. Wir kleideten uns zunächst mal entsprechend ‚Metal-mäßig’ ein, wollten natürlich alles richtig machen etc. - und Patric hatte seine ganz eigenen Vorstellungen, auch mit mystischen Tieren, wie man im fertigen Video heute noch sehen kann. Sharon wird darin eins mit einer Schleiereule, alles ziemlich spannend konzipiert. Es war zwar bereits unser drittes Musikvideo, aber so aufwändig und professionell gingen wir es eben zuvor nicht an. Spaß hat es uns auch noch gemacht, es wurde so viel gelacht dabei, ich muss heute noch grinsen, wenn ich daran denke.“

Und Ullaeus hat in der Tat alles komplett richtig gemacht, denn besagtes Video ist zeitlos sehenswert und krönt den Song visuell maßgeschneidert.

Nachdem DSFA dichtmachten und für die Band alles glänzend lief, fassten sich Within Temptation und wollten, hungrig geworden, dann aber doch wissen, was international möglich ist.

So wurde das deutsche Label - etablierte Acts wie Guano Apes und Paradise Lost waren dort ebenfalls vertraglich - fürs dritte Album kontaktiert. Man wurde sich einig, der Rest schrieb weltweite Symphonic-Metal-Historie. 



Robert: „Wir schmissen unsere Jobs hin und gaben fortan alles für den Nachfolger - sollte es schiefgehen, würden wir ja immer noch in die vorherige Arbeitssituation zurückkehren können. Auf Deutschland setzten wir zunächst unsere größten und kühnsten Hoffnungen, doch vor allem auch der riesige Erfolg des Re-releases von ‚Mother Earth‘ konnte uns sämtliche Sorgen vollauf nehmen.“

Aufgrund der signifikanten Veränderung schmissen einige Bandmembers ihre Beteiligung hin, so entsinnt sich Robert. „Wir gingen auf eine riesige Europa-Tour mit Paradise Lost, da mussten alle von uns vollumfänglich verfügbar sein. Diese ein wenig mehr als einen Monat andauernde Tour war grundsätzlich fantastisch, denn wir sind ja schon immer große Fans von ihnen. Ich habe viele gute Erinnerungen daran.“

© Markus Eck, 18.01.2026

Photo Credit: Fred van Dien

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