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Special: Maurice Tromp & Angela Kuperus
Titel: Wenn Fantasien lebendig werden

Im Vorfeld ihres Album-Releases von „Aspiral“ veröffentlichten Epica am 30. Januar ein bemerkenswertes Musikvideo zur ausgekoppelten Hit-Single „Cross The Divide“, welches zum Zeitpunkt dieses Interviews nach knapp eineinhalb Monaten bereits über 850k Views vorzuweisen hat. Als Produzenten fungierten zwei bestens auf die Band und ihre Musik eingespielte Teamplayer: Maurice Tromp und Angela Kuperus, beide ebenfalls aus der Niederlande. 


Und was da unter der Ägide von Director Remko Tielemans aufwändig und spannend umgesetzt an den Start gebracht wurde, ist das Endprodukt von jahrelanger Erfahrung und Praxistiefe, wobei mit gezielt eingebrachtem Know-how einer klaren Vision gefolgt wurde.

Wie Maurice offenbart, schätzt er den Amsterdamer Regisseur Remko in höchstem Maße. „Er ist neben seiner filmischen Tätigkeit auch Bassist in der seit 2001 aktiven Metal-Band Textures, für welche wir ebenfalls schon Musikvideos kreiert haben. Kunst und Musik sind sein Leben, was er auch in seinen Videoproduktionen begeistert verwirklicht. Er begann bereits in frühen Jahren zu musizieren und sich vielfach für Konzerte und Touren zu interessieren, was einen prägnanten Einfluss auf seine Vita haben sollte. So reiste er weltweit viel und konnte seine Wahrnehmung all der Dinge und Gegebenheit auf diesem Planeten stetig erweitern. Remko ist wie Angela und ich auch Mitglied im Kollektiv Kunststoff, einer enthusiastischen Truppe von Kreativen, die unter anderem aus Regisseur, Produzent, Kameramann, Stylist und Werbetexter besteht und sich um größere Filmprojekte kümmert, für die eine ganze Crew benötigt wird.“

Dieses rundum synchronverzahnte Profi-Trio setzte sich also zusammen und ersann den Filminhalt zu „Cross The Divide“.

Maurice: „Es war eine echt prächtige Zusammenarbeit mal wieder zwischen uns dreien und der erprobten Crew mitsamt den spitzenmäßigen Kameraleuten, genau wie beim vorherigen Video zum Song ‚Arcana‘, welches am 13. November 2024 Premiere hatte. Das Ganze ist als Video-Trilogie konzipiert, und bald schon, also im April - mehr darf bzw. möchte ich hier aktuell noch nicht preisgeben - kommt das abschließende, dritte Musikvideo für einen weiteren Albumsong von ‚Aspiral‘. Der Dreh zu ‚Arcana“ benötigte drei Tage, derjenige für ‚Cross The Divide‘ sogar fünf Tage - aufgeteilt auf Outdoor-Drehs und Studioaufnahmen. Es war schon sehr viel Arbeit für uns alle, aber wir machen es ja alle gerne. Im Weiteren fertigten wir noch passende Animations-Beiträge als Beiwerk an und arbeiteten auch sogar ein wenig mit KI.“



Band und das ganze Regie- und Produzententeam sind eine schon länger ergiebig funktionierende Einheit, wie in Erfahrung zu bringen ist.

„Begonnen mit ihnen zu arbeiten haben wir vor zwölf Jahren, als das Video zum Song ‚Storm The Sorrow‘ gemacht werden sollte. 2014 drehten wir den Videoclip zu ‚Victims Of Contingency’, was bereits gut funktionierte. Es ist immer wieder eine Freude und auch spannende Angelegenheit, mit Epica zu drehen und zu arbeiten.“

Wie Maurice Einblick gewährt, ist eine Videoproduktion für ihn zunächst primär immer eine Summe aus unzähligen Kameraaufnahmen aus verschiedensten Einstellungen und Winkeln, wobei zuvor das jeweilige Set entsprechend errichtet, ausgerüstet, abgestimmt werden muss etc.

„Ob Dreh-Location draußen oder im Studio, da hängt stets noch so viel mehr dran - die Beleuchtung, die einstudierten Perfomances, die Staffagen und Kostüme der partizipierenden Akteure, ihr ganzes Styling, teils ziemlich aufwändiges Make-Up usw. usf. Und, mit auch das Relevanteste: Alle Beteiligten müssen in optimaler ‚Stimmung‘ für das Anvisierte sein, sonst bekommt man es nicht überzeugend ‚rüber‘. Letztlich hängt alles wie so oft vom zur Verfügung stehenden Budget ab, aber mit den Jahren lernt man effizienter zu agieren - so müssen wir beispielsweise nach dem Shooting gar nicht mal mehr so viel Material aussortieren, weil wir alles zuvor schon umsichtig und fokussiert ‚einfangen‘. So waren es diesmal für Epica und uns erneut wieder teils sehr lange Drehtage, teils auch bei ziemlich kalten Temperaturen draußen, wo es zuweilen von sechs Uhr in der Früh bis zehn Uhr abends ging - aber es machte uns allen doch auch einen Riesenspaß; nicht zuletzt auch deswegen, weil wir von der Band auch so viel kreativen Freiraum eingeräumt bekamen - hin und wieder fühlten wir uns wie kleine Kinder, die ihrer Spielfreude und Fantasie einfach freien Lauf lassen. [lacht] Das ist so ganz wundervoll, weil man als Produzent einfach alles das, was man konzipiert und inszeniert, final auch genau so verwenden kann.“

Dann schaltet sich Stylistin und Make-Up-Artistin Angela, nicht minder enthusiastisch, etwas verzögert in die Zoom-Session ein, um dann aber sogleich auch voll mit typisch niederländischer Unbeschwertheit und Leichtigkeit loszulegen.

„Für ‚Cross The Divide‘ war es mir wieder mal sehr hilfreich, eine ausgereifte Storyline zu bekommen, um die Charaktere zu entwickeln - wie Simone eben, die ja darin ziemlich ‚schurkisch‘ und eher ‚böse‘ gesinnt rüberkommt. Bei ‚Arcana‘ arbeiten wir genauso, die visuelle Story an sich war vor Drehbeginn fertig ersonnen. Die Stories kennen letztlich nur wir selbst, und wir verraten da auch nie etwas - so lese ich stets so gerne die Kommentare, in denen die Leute ihre individuellen Interpretationen abgeben, ich finde das jedesmal dann immens spannend, genau so soll es doch sein. Wir sind inspiriert, und erschaffen dann etwas Einzigartiges, was wiederum viele andere Menschen inspiriert, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen!“



Mit Simone zu arbeiten, dass hat es Angela ohnehin schon seit jeher angetan.

„Ich bin zuweilen regelrecht besessen von ihr als Person, Sängerin, Künstlerin und ihrer Ausdruckskraft an sich, sie ist einfach so prachtvoll. Sie gibt auch immer restlos alles, auch wenn sie bis zur Erschöpfung leiden muss, wie z.B. in der Kälte eines ganzen Drehtages. Doch sie weiß um uns als fürsorgliche Personen - es gibt von uns heißen Tee, wärmende Decken und wir haben im Bedarfsfalle auch einen Heizlüfter dabei. [lacht] In ‚Cross The Divide‘ habe ich extra ganz bewusst eine gezielt hohe Portion an direkt vermittelter ‚Girl-Power‘ eingebracht, um auch die Frauenrechte damit zu bekräftigen. Letzteres passt adäquat in den aktuellen Zeitgeist, wie ich finde, der es Frauen auch endlich mal erlaubt, so richtig aus sich herauszugehen und ihre Stimme für sich und andere zu erheben. Damit können Epica und wir einen wichtigen Beitrag für ein Mehr an Miteinander auf gleichwertiger Höhe leisten, was sich für mich großartig anfühlt.“

Zum immer wichtiger werdenden und viele Gemüter rasch erhitzenden Thema KI in ihrer Arbeit lässt Angela noch einfließen:

„Ich erinnere mich, dass Epicas Isaac bei den Dreharbeiten zu ‚The Ghost In Me (Danse Macabre)‘ letztes Jahr im Herbst eine siebensaitige Gitarre spielte. Als ich ihn danach fragte, sagte er, dass dies dem Klang eine zusätzliche Dimension verleiht und dass es sogar Gitarren mit bis zu zwölf Saiten gibt. Aber er meinte, das sei ein bisschen zu viel des Guten. So könnte man die Verwendung von KI mit einer zusätzlichen Gitarrensaite vergleichen, denke ich, sie bereichert den Klang, aber man muss das Instrument immer noch spielen können und, was noch wichtiger ist: Man muss wissen, wie es klingen soll.“

© Markus Eck, 19.03.2025

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