Top
Special: Joost van den Broek
Titel: Mit aller Überzeugung

Vor mehr als 20 Jahren als Keyboarder der niederländischen Progressive-Metaller Ayreon und Symphonic-Metal-Ästheten After Forever gestartet, mauserte sich dieser außergewöhnlich vielfältige Geist über all die Jahre mit viel Fleiß und noch mehr Liebe zur Musik zu einem echten Top-Produzenten, der neben Epica bereits auch mit weiteren namhaften Acts wie Blind Guardian, Sabaton und Powerwolf arbeitete. 



Zu Epica kam Joost vor ungefähr elf bis zwölf Jahren, wie er anerkennend berichtet. „Das erste Mal, wo ich mit ihnen zusammen produzierte, war für ‚The Quantum Enigma‘, also das siebte Studioalbum von Epica. Und die Zusammenarbeit war vom Fleck weg so harmonisch, angenehm und auch fruchtbar, dass daraus über die reine Arbeit an sich hinaus auch eine enge und innige Freundschaft mit der Band entstanden ist. Ich wurde sozusagen der ‚Stammproduzent‘ von Epica.“

Letzteres machte dem ausgesprochenen Sympathikus das gesamte Produktionswerken für das neue Epica-Album „Aspiral“ dann auch diesmal umso leichter und ergiebiger, wie er sehr erfreut zu bilanzieren weiß.

„Da wir zwischendurch auch eher spezielle Sachen zusammen machten, wie beispielsweise das Alchemy Project in der Covid-Zeit in 2022, mit vielen ungewöhnlichen Ideen, diversen Gastmusikern etc, sowie diverse Live-Releases, wuchs natürlich mit der Zeit die gegenseitige Kenntnis über dies und das - und damit verbunden eben auch das gegenseitige Vertrauen - stetig weiter an. Und letzteres war wirklich optimal, um gemeinsam die Arbeit an ‚Aspiral‘ zu beginnen. Die gesamte Band mietete sich ja zuvor extra erneut in umsichtig geplanten Songwriting-Camps ein, wobei ich jedesmal auch gänzlich zugegen war. Besser kann man sich zusammen als Band und Produzent eigentlich gar nicht auf eine Albumproduktion vorbereiten.“



Vor allem auch das relevante Zwischenmenschliche kam dadurch um einiges mehr zum Tragen. Joost:

„Epica besteht auch wirklich guten Musikern und echt tollen Songwritern, die jeder für sich einsame Spitze sind und mit welchen es sich auch echt fein zusammenarbeiten lässt - schließlich lieben sie, was sie tun. Was über die letzten Jahre allerdings schon ein wenig Einbußen erlitt, was das menschlich Gemeinsame. Das ging bei Covid eben wie bei allen anderen soweit, dass die gemeinsame künstlerische Arbeit in einem gewissen Zeitraum fast nur noch digital stattfand. Und genau das wollten wir diesmal wirklich größtmöglich vermeiden. Und so klinkte ich mich mehr denn je in den Schaffensprozess mit ein - alle in Epica hörten auch nur zu gerne auf meine Einschätzungen, Anmerkungen, Empfehlungen, Ratschläge, etc. Es ging uns einfach gesagt konkret darum, die Band noch mehr als Team zusammenzubekommen und das Optimal davon herauszuholen.“



Was Joost also bereits mit den letzten Epica-Studioalben in ansteigender Konkretisierung anstrebte, diesmal fand es endlich so richtig seine volle Tragweite.

„Ich hatte im Sinn, all die signifikanten Einflüsse und auch den jeweiligen instrumentellen Input, eben die künstlerische Handschrift, eines jeden einzelnen Bandmitglieds so ausgeprägt als möglich in die Lieder einfließen zu lassen - im Songwriting-Camp erstellten wir speziell zu dem Zweck bereits Pre-Productions, die wir dann allesamt abends in gemütlicher Runde besprachen und solange ausdiskutierten, bis alle happy waren damit. Es war fantastisch, jeden Tag fiel uns etwas Neues, Besseres oder auch Inspirierenderes ein - und somit stellt ‚Aspiral‘ jetzt tatsächlich das perfekte Epica-Teamwork dar.“



Und das hört man diesem Album auch auf ganzer Länge und Breite an, so der versierte Reglerdreher. „Die Alben davor, die ich klanglich begleitete und bearbeitete, generierten ihre jeweilige Musik, ihre Eigenheiten und ihren Sound letztlich eher aus einer geschickt platzierten ‚Aneinanderreihung‘ von separaten Arbeitsprozessen, die man dann zum Schluss hin gemeinsam so schlüssig und stringent wie möglich ins Kombinat brachte. Und genau das war diesmal eben so ganz anders, es ging gleich von Anfang an in Gemeinsamkeit in einem steten Kreativ- und Tätigkeitsfluss voran.“



Er weiß aus eigener Erfahrung und von unzähligen Berichten, so Joost, dass der überwiegende Teil von Akteuren in Musikerkreisen nämlich, je professioneller sie mit der Zeit werden, die Studiozeit irgendwann gar nicht so sehr genießen können, diese dann sogar eher statisch und funktionell abqualifizieren; ja mehr noch, nicht selten gar froh sind, wenn es für sie irgendwann nach schier unzähligen Tagen voller Anstrengungen und Entbehrungen dann endlich wieder aus den Aufnahmeräumlichkeiten hinaus ins eigentliche Leben geht.



„Ja, in solcherlei suboptimalen Stimmungen bzw. mit solcherlei störender innerer Einstellung kann doch eigentlich gar keine organische und zeitlose Musik entstehen bei den Aufnahmen, die sich nicht selten über mehrere Wochen am Stück hinziehen können. Ein guter Produzent sollte daher auch immer das menschliche Bedürfnisspektrum ganz klar im Blick haben und den Musikern daneben auch eine möglichst gemütliche und angenehme Atmosphäre bei sich bieten während der Aufnahme- und Produktionszeit. Ich selbst lege daher sehr großen Wert darauf - in meinem Studio gibt es extra diverse heimelige Eckchen und Plätzchen, sei es nun zum geselligen Beieinandersitzen oder auch für entspannende Rückzugsmöglichkeiten. Ich sage, die allerbesten Alben kamen schließlich doch schon seit jeher aus einer absolut positiven und freudigen Gestimmtheit der betreffenden Musiker heraus, die sich auch zusammen einfach rundum dabei wohl fühlen.“

© Markus Eck, 18.03.2025

[ zur Übersicht ]

All copyrights for image material are held by the respective owners.

Advertising