
| Special: | Fredrik Nordström |
| Titel: | Zusammengewachsen |
Seit 1990 konnte sich dieser zutiefst Technikbegeisterte als Musikproduzent mit Bienenfleiß, gigantischer Hingabe und talentiertem Können vor allem in MeloDeath-Kreisen jährlich geschätzter, respektierter und angesehener etablieren.
Die Liste der Bands, die er in seinem Göteborger Fredman Studio optimal bediente, ist ebenso lang wie populär - darunter Größen wie At The Gates, Arch Enemy, In Flames, Opeth, Powerwolf und: Dimmu Borgir!
Fredrik, seit 1999 auch selbst Musiker in seiner eigenen Heavy-Metal-Band Dream Evil, mangelt es also beileibe nicht an umfangreichster Erfahrung und Expertise. Als er vor einiger Zeit zufällig Gitarrist Silenoz traf, eröffnete ihm dieser dabei völlig überraschend, dass es „wohl bald mal wieder an der Zeit wäre für eine weitere Zusammenarbeit“, wie der skandinavische Reglerprofi sich daran erinnert.
„Das war vor ca. drei Jahren, als ich mit Dream Evil auf dem Weg zu einer UK-Tour war - ich stieß am Flughafen unvermittelt auf Silenoz - und er meinte lässig, da sie mit mir immer gut arbeiten konnten, möchten sie mich wieder für ihr kommendes Album verpflichten. Ungefähr ein weiteres Jahr später gingen wir es dann konkret an und sie buchten sich offiziell bei mir ein.“
Der Recording-Prozess wurde dreiteilig aufgegliedert. „Zunächst nahmen wir fünf Lieder hier im Fredman auf, was sich über ein halbes Jahr hinzog und nachfolgend noch drei der neuen Songs. Insbesondere Shagrath war sehr froh darüber, denn er ist eben grundsätzlich einfach längst nicht mehr der Typ Vokalist, der alle Nummern eines Albums mühelos an einem Tag einsingt. Er ist dahingehend ohnehin nicht gerade das, was man einen ‚frühen Vogel‘ nennen könnte - meine Arbeitsplanung für Morgenstunden wurde wiederholt mit seinem Wunsch nach der Mittagszeit neu justiert. Shagrath liebt eben die Nacht, wie er selbst auch sagt, da kommt man halt nicht so leicht aus den Federn. Ich konnte damit absolut problemlos umgehen, denn für mich zählen Resultate, und die bringt er nach wie vor vollauf zuverlässig.“
Shagrath und Silenoz haben schon länger ihre gut ausgestatteten Homestudios, wo sie mit ihrem Equipment auch so einiges selbst aufnahmen.
„Speziell sämtliche Tasteninstrumente, die ich dann hier bei mir von ‚Festplatte’ aus entsprechend einbringen konnte. Ich wusste schon gleich nach dem Erhalt des ersten Five-Track-Demos, dass hier etwas wirklich Großartiges entsteht. Beide waren ziemlich lange damit beschäftigt, das ganze Material auszufeilen.“
Da man also von Bandseite aus so erfreulich gut vorbereitet bei ihm ankam, wurde an den Stücken auch letztlich fast nichts mehr im Team modifiziert, so sagt Fredrik.
Zudem herrscht im neuen Line-Up eine sehr gute zwischenmenschliche Chemie, von der auch die Produzentenseite profitieren konnte.
„Ja, das war diesmal insgesamt alles sehr, sehr harmonisch, partiell nicht selten fast schon entspannt, was für mich äußerst angenehm war. Insbesondere im Gegensatz, wenn ich da an mein Dimmu-Arbeitsdebüt fürs 2001er Album ‚Puritanical Euphoric Misanthropia’ zurückdenke - da hatte ich echt zu kämpfen mit mir bzw. meinen nervösen Sorgen, was die Metalwelt wohl darüber ablassen würde. Dessen Vorgänger ‚Spiritual Black Dimensions‘ wurde ja von Peter Tägtgren produziert, der da selbst auch direkt und angesehen aus dem Black Metal kam. Schlussendlich konnte ich Dimmu Borgir glücklich machen damit, aber es forderte mir bemerkenswert viel ab.“
Da Shagrath laut Fredrik nicht ganz zufrieden mit dem Gitarrensound des vorhergehenden Albums ist, wurde diesmal in bestem Teamwork die bislang größte Sorgfalt hineingelegt. „Doch auch sonst hängten wir uns mächtig rein, für einige der Kompositionen sind echt unsagbar viele Spuren entstanden. Es brauchte tatsächlich ganze 16 Tage, um dieses Album zu mixen - normalerweise benötige ich dafür vier bis maximal fünf Tage!“
Für Nordström ist es aktuell das vierte Album der Norweger, für welches er am Werk war. „Meiner Tätigkeit für ‚Grand Serpent Rising‘ ging ich vom Fleck weg mit aller Begeisterung nach. Für mich ist es musikalisch nämlich das bislang beste Werk der Band. Es befindet sich kein schlechter Song darauf. Das ganze Prozedere war sowieso durch Professionalität, Erfahrung und vor allem auch von spitzenmäßiger Rundum-Vorarbeit durchzogen, die man in unserem Alter einfach hat, wenn man so viele Jahre zugange ist. Daher konnte ich auch nach Abschluss der Aufnahmen etc. abschließend ganz einfach ‚loslassen‘ - es zog mich nicht mehr dazu hin, um erneut immer wieder an diversen Details zu herum zu ‚fieseln‘. Da kann man nämlich auch übel ‚verschlimmbessern‘, wie ich in all der Zeit lernte.“
Spricht’s mit Überzeugung und lässt weiter wissen, dass Letzteres nicht wenig daran liegt, dass Shagrath sich nach dem Release und vielen weiteren Aktivitäten für den 2018er Albumvorgänger „Eonian“ regelrecht danach sehnte, sich auszuruhen und ihm das nachfolgende Covid-Desaster genau die Möglichkeit dazu gab - so konnten außergewöhnlich viele gute Song-Ideen ersonnen und anschließend fokussiert verfolgt werden.“
© Markus Eck, 04.05.2026
Photo Credit: Fredrik Nordström
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