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Special: Alexander ‚Alexx‘ Wesselsky
Titel: Von klein auf musikalisch

Als ausdrucksstarker Sänger der erfolgreichen Münchner Electro Rocker führt und hält Sänger Alexander „Alexx“ Wesselsky seine Band somit seit so einigen Jahren stets zielsicher auf Kurs.

Was nicht zuletzt daher rührt, dass der humorige und eloquente Hüne, der seine eigenen vier Dekaden bereits überschritten hat, sich seit Ende der 1970er aktiv mit kernigen Klängen beschäftigt. Gerne nennt und erläutert er mir noch seine ihm persönlich allerwichtigsten fünf Scheiben. 


AC/DC „Highway To Hell“ (1979):

„Bevor ich wusste, wie die Band klingt, wusste ich, dass mich diese Typen, speziell der mit den Hörnchen und der Schultasche, extrem faszinierten. Der gigantische Vier-Buchstaben-Schriftzug (der als Rückenaufnäher damals schon manche ältere Schlumpf-Nase in der Schule zum echt coolen Typen machte) dazu‚ Wow! Ich weiß nicht, wie oft ich die Platte in diversen LP-Abteilungen diverser Groß-Supermärkte (da durfte man mit Mutti immer zum Einkaufen hin und bekam meist ein lustiges Taschenbuch von Disney oder ein Asterix-Heft) in den Händen hatte, bevor ich zuschlug. Und dann: Bombe! Mit AC/DC kam der Achtelbass in mein Leben. Die Bandproben klangen von da an anders. Alles war anders. Ich hatte das Tor zur Welt des Dirty Rock‘n‘Roll aufgestossen. Elvis (mein Album Nummer eins, das ich mit dem Dual-Plattenspieler zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte) musste nach hinten ins Regal. Und ,Highway To Hell‘ drehte sich ohne Unterlass. Eine der besten Rock-Scheiben der Welt und für mich das ultimative Gegenstück zu ,Stairway To Heaven‘ von Led Zeppelin. Einfach, schmutzig, roh und auf den Punkt! Höllisch gut!“

Nine Inch Nails „Broken“ (1992):

„Wir schreiben das Jahr 1993; ich trug Kampfstiefel, Bugs Bunny-Shirt, bayerische Lederhosen. Irgendwo in Seattle in einem Used-Records Laden; drei Buchstaben auf Flamme. Wieder ein Icon, der mich magisch anzieht. Kopfhörer auf und ,Opinion‘ baut sich auf und dann: Bohrer ins Ohr, Faust ins Gesicht. ,Wish‘. Danach ,Last‘. Das war meine Industrial Elektro Post Apokalyptic Rock-Erweckung! So krass, beissend und gemein darf Rock sein. Und wieder ein grosser, dunkler Inspirations-Stein im werdenden Rock-Musiker-Mosaik Alex Wesselsky. Die Texte wurden fieser, die Musik dunkler. Früher war Rock Spaß und Weiber und Party. Jetzt wurde es schwer, finster und gemein anders. Das Megaherz-Fundament wurde gesetzt!“

Alice In Chains „Dirt“ (1992):

„Auch dieser Dreher hat mir 1993 in den USA gezeigt, wie viel mehr emotionale Spielarten Rockmusik bietet, als mir bis dato in good old Germany zu Gehör gekommen waren. Ich war nicht auf der Suche nach Neuem, nach Inspiration. Aber dann hat mich ,Dirt, wie ein Tanklaster im Benzinrausch überfahren. Wie schräg, wie bitter, wie schwer, wie leidend, wie tief und zerstörerisch ist dieses Album?! Und die Stimme von Lane Stayley. Die ultimative Röhre. Ein Mann im freien Fall in die Finsternis. Alice In Chains, der musikgewordene LSD-Trip! Und trotzdem hittig. Einfach grandios! So irgendwie musste Megaherz dann auch klingen. Ich werde die Fahrt nach Leavenworth nie vergessen. Toyota Celica. Highway. Und nur eine Scheibe im Player. Und fünf Leute im Auto, die sich die Seele aus dem Leib geschrien haben. Hallelujah!“

Iron Maiden „The Number Of The Beast“ (1982):

„Anfang der 1980er in Rudis Plattenladen in Fürstenfeldbruck: Ich dürfte so um die 13, 14 Jahre jung gewesen sein. Und ich wollte diese Single hören, deren Frontcover ich so wild und so gut fand. Vor allem der Schriftzug in rot-weißer Kolorierung hatte es mir angetan! Die Platte drehte, ich hörte ,Run To The Hills‘ von Maiden! Dieser Song riss die Wand zu meiner mir bis dato völlig unbekannten Heavy Metal-Seele ein. Zuhause schaffte ich es dann tatsächlich durch das permanente Wiederholen ein und desselben Liedes in adäquater Phon-Stärke, den entspanntesten Menschen der Welt, nämlich meinen Vater, zu einem genervten ,Lautstärke runter, sonst kracht es‘, zu nötigen. Das durch die Single entfachte NWOBHM-Feuer in mir wurde dann mit der Langrille zum Flächenbrand. Was für eine Stimme, was für ein Album. Und was für ein Frontcover-Artwork. Alle fanden es furchtbar hässlich und abstoßend. Hurra! Jetzt erst recht, dachte ich. Lauter, schneller, wilder. Aus dem braven Bubi Alexander wurde ein Partyschreck und Donald Duck bekam einen neuen Kumpel: Eddi! Mein Wunsch Rockstar zu werden ist Maiden geschuldet. Und Gitarristen mussten mindestens so tun als hätten sie das Niveau von Adrian Smith oder Dave Murray. Ach ja, und mein Bass-Spiel orientierte sich natürlich ad hoc an Mister Fastfinger Steve Harris. Wir alle wollten damals viel und konnten unglaublich wenig. Allen voran ich. Aber geil war es und Iron Maiden wiesen mir mit diesem Album den Weg zu Judas Priest und Accept. Eine wunderbare Reise.“

Rammstein „Herzeleid“ (1995):

„1995. München. WOM in der Sonnenstrasse. Olli: ,Hey Alex, du Deutschrocker, kennst du schon Rammstein?‘ Alex: ,Nö!‘. Olli: ,Solltest du mal reinhören!‘ Alex: ,Her damit!‘ Der Rest ist Geschichte. Die Erst-Single ,Du riechst so gut‘ hat mir die Schädeldecke davonfliegen und die Kinnlade herunter krachen lassen! Was war das? Ich nenne diese Erfahrung bis heute den ,Rammstein-Schock!‘ Denn mir war mit einem Schlag klar, dass diese damals noch albumlosen Berliner Jungs mit dieser Art Deutschrock mal eben alles niederwalzen würden, was da so in der Post Grunge-Ära herum irrlichterte und versuchte, deutschsprachige Mucke jenseits von Schlager und Betroffenheit, jenseits von BAP, den Toten Hosen, Westernhagen und Pur und Konsorten zu etablieren. Wir wollten dann auch mutiger und härter sein. Irgendwo zwischen Nine Inch Nails, Alice In Chains und AC/DC suchten wir mit Megaherz unsere neue Heimat. Leider wurde dies dann nicht unser Land, sondern ,Rammstein-Land‘! Die Tür wurde uns mit ,Du riechst so gut‘ hart sinnbildlich vor der Nase zugehauen, ja, mehr noch, mit dem furiosen Meisterklasse-Album ,Herzeleid‘ gleich zubetoniert und das Gelände vor dem Haus vermint! ,Herzeleid‘ ist für mich das mutigste, frechste, amüsanteste, verrückteste und fetteste Album der Nachkriegszeit. D-a-s Ausrufezeichen in punkto Deutschrock. Unerreichbar für alle Nachahmer, unwiederholbar, selbst für Rammstein selbst! Von da an musste und muss sich alles und jeder an Rammstein messen lassen. Was natürlich auch wieder völlig bescheuerte Stilblüten zu Tage förderte, wie zum Beispiel jene, dass sich eine Band wie Oomph! als Rammstein-Klon titulieren lassen musste, obwohl sie schon lange vorher da gewesen ist. Zehn lange Jahre haben mich die Rammstein-Vergleiche genervt und wir haben versucht aus dem übermächtigen Schatten der Überflieger herauszukommen, ins Licht! Heute kann ich darüber lachen, kann jeden Vergleich als Kompliment sehen und mit Fug und Recht sowie stolz behaupten: Ich war ein Fan der ersten Stunde und habe selten so sehnsüchtig auf ein Album gewartet wie auf ,Herzeleid‘. Die Erwartung war haushoch und wurde übertroffen. So ging es mir zuletzt bei Maiden‘s ,The Number Of The Beast‘!“

© Markus Eck, 10.02.2012

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