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Special: CIRITH UNGOL
Titel: Erlesene Einzigartigkeit

Eine enorm innovative als auch gleichfalls hocheigenständige und wohl einzigartige Formation waren Cirith Ungol aus Kalifornien. Der geheimnisvolle und nie zuvor gehörte Bandname, der sofortiges Interesse nach sich zog, wurde wie das übrige Konzept der talentierten Mystiker aus Passion aus J.R.R. Tolkiens Monumentalepos „Der Herr der Ringe“ adaptiert.

Der Beginn der Bandhistorie reicht bis in das Jahr 1979 zurück; in eine Zeit, in der das damalig vorherrschende Disco-Fieber also eine gehörige Portion Leidenschaft erforderte, um unsere Lieblingsmusik zu spielen. Zumal damit nicht ein Dollar zu verdienen war.

Davon sichtlich ziemlich unbeeindruckt, gingen Vokalist Tim Baker, die beiden Gitarristen Jerry Fogle und Greg Lindstrom, Bassist Michael Flint und Drummer Robert Garven also mit schier unstillbarer Begierde und Enthusiasmus ans harte Werk.

Das erste Album mit dem Titel „Frost And Fire“ erschien 1981 auf dem amerikanischen Indie-Label Liquid Flame Records und stellt heute in der originalen Version ein teures Sammlerstück dar. Der Stil der exzentrischen Truppe, den sie bis zu ihrem unrühmlichen und stillen Ende tapfer und unbeirrbar beibehielt, kann als eine Kreuzung aus härteren Black Sabbath und Eloy definiert werden. Zusätzlichen Reiz erfuhr der Sound der sagenhaften Fantasy-Metaller durch die eingangs erwähnten Tolkien-Thematiken. Eine sehr gute und beeindruckend einnehmende Mischung für reinrassigen Heavy Metal in seiner zeitlos reizvollen Urform.

Ein wunderbares Coverartwork, welches sich auch noch 20 Jahre später wie ein Pfeil in die Augen bohrt, forcierte die faszinierende Wirkung dieses zeitlosen Klassikers. Es stammt wie die noch folgenden der anderen drei Alben von dem als Genie in die Annalen eingegangenen Künstler Michael Whelan, der eine nicht besser umzusetzende Arbeit für Cirith Ungols Erstling spendierte. Unvergleichlich und sprachlos machend. Für Interessierte: Whelan zeichnete übrigens auch noch für die Landsmänner Demolition Hammer und die Power-Proggies Sacred Rite aus Florida.

Ein nicht von der Hand zu weisendes Trademark und zeitgleiches Faszinosum war von Anfang an die bizarre und prägende Lead-Stimme von Frontmann Tim Baker, welche die Geister schied und die Fronten polarisierte. Welch´ ein herausragender Riesenpluspunkt für diese genialen Idealisten! Baker klingt wie eine rostige Gießkanne, die einen ausgetrockneten tiefen Brunnenschacht hinunter fällt und immer wieder an den Wänden abprallt.

Und doch paßt diese urige und begeisternde Röhre wie keine andere zum Stil von Cirith Ungol. Auch einige Jahre später kann man die Musik von einer der Urväter-Gruppen des Heavy Metal in Reinkultur mit unvermindertem Hörgenuß erleben. Und auch darin liegt der ungemeine Reiz dieser während ihrer gesamten Karriere unbeirrbaren Visionäre und ihrer wunderbaren Musik.

1984 erschien „King Of The Dead“. Die wiederum mit superbem Artwork ausgelieferte Platte wurde zwar von Roadrunner Records lizensiert, aber durch den ungewöhnlichen Gesangsstil Bakers und die grassierende Disco-Manie wurden breitenwirksame Akzeptanz und weitreichender Erfolg unglücklicherweise sabotiert. Eine Cover-Version von Bachs „Toccata in D-Moll“ kontrastierte angenehm das übrige Material. „One Foot In Hell“, das dritte Album der beständigen Metaller aus dem Jahre 1986, war wiederum nur ein kleiner Schritt auf der turmhohen Leiter zum großen Erfolg für diese Amis.

Mit dem vierten Langspieler, dem genialen „Paradise Lost“ wagten sie es dann 1991 ein weiteres - und letztes Mal. Fantastische Kompositionen, rundum blendend inszeniert. Zutiefst beschämend finde ich die traurige - und mal wieder typische - Tatsache, daß die heimische Metalpresse sowie die übrigen Medienvertreter auch für dieses weitere Fabelwerk kaltschnäuzige Ignoranz und selbstherrliches Desinteresse an den Tag legten und Cirith Ungol damit nicht zum verdient übergreifenden Erfolg verhalfen.

Nun, auf diese Weise wurden die Burschen wenigstens zum Insider-Tip für alle Ewigkeit. Das stolze Hören und stilvolle Genießen ihrer famosen Veröffentlichungen sichert dem Hörer also eine hohe Exklusivität, was neben der herrlichen Musik an sich das Beste ist, was man aus dem leidigen und traurigen Werdegang dieser Ausnahmeband hervorgeht.

© Markus Eck, 03.03.2000

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