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Band: AEVERON
Titel: The Ancient Realm
Genre: Melodic Death Metal
Label: Castamere
Format: Mini-Album CD
Punkte: 9 / 10

Auf diesem knapp über spannende 20 Minuten andauernden Minialbum der ostdeutschen Death Metal-Melodiker Aeveron passiert doch glatt mehr als in manch gesamter „Band-Karriere“. Kein Witz, Freunde!

Vielfältigkeit hoch zehn, zahllose gesanglich strahlende Glanzpunkte und perfekt zweckdienliche Spielleidenschaft der absoluten Sonderklasse machen aus „The Ancient Realm” ein überaus genussvolles Hammerwerk. Die ersten 1.000 Exemplare kommen laut Label-Info im limitierten Digipak daher. Ich hatte die talentierte Zwickauer Todestruppe ja schon seit ihrer 2004er Debüt-CD „Construality“ stark im Fokus, welche dem damaligen 2003er Demo folgte. Während „Construality“ aber jedoch eher noch durchschnittlich ausfiel, entern die Jungs mit diesem edel komponierten Donnerdiskus hochelitäre Gefilde. Was für eine unglaubliche Steigerung! Und die Überraschung ist ihnen absolut geglückt.

Derbe Grollgesänge duellieren sich beinahe ständig mit erhabenen klaren Vokallinien, welche stellenweise gar heroische Züge annehmen. Der trotz aller musikalischen Extremität auffallend gekonnt ästhetisch inszenierte Mix des Sixpacks besticht mich daher enorm. Derlei hochkarätig zelebrierte Gitarrenkünste sind viel zu selten, dies wird einem beim verzückten Lauschen jedes der enthaltenen fünf Lieder beinahe durchgehend bewusst.

So dermaßen druckvoll wie auch energisch und wollüstig jubilierend habe ich jedenfalls schon seit Längerem keinen Axtmann auftrumpfen gehört. Und das trifft auch auf die mit geradezu eruptiver Eingängigkeit erklingenden Soli zu. Aeveron lassen übermächtige Rhythmus-Kaskaden aufsteigen, wie sie sich manch´ einer nicht mal zu erträumen wagt: Immer wieder kernig-bissige Breaks zündender Erscheinung, gekoppelt an aufbrausende Uptempo-Passagen und alles auch noch nobel zueinander arrangiert, wahrlich superb, was hier abgeht.

Selbst mit dem Keyboard können sie beziehungsweise ihr Tastentipper dermaßen gut umgehen, dass man ins anhaltende Schwärmen gerät. Der elektronische Klimperkasten setzt auf der Scheibe lange in der Erinnerung zurückbleibende, epische Fantasy-Akzente zuhauf. Letzteres, verbunden mit abartig niveauvoll gegossenem Feingeist-Todesstahl und den erwähnten Gesangs-Attacken ergibt letztlich die einzigartige, die fesselnde, die fantastische Mischung von Aeveron.

Authentisch emotional, betont melodisch, bewusst ästhetisch, spielerisch kompetent, immens spielfreudig – ja, das sind sie, die Schlagworte, die ich brauche, um mich nach all den Jahren noch immer für diese Art von Musik begeistern zu können. Und Aeveron schmeißen hier mit solchen Einschätzungen geradezu inflationär um sich, dass man es kaum glauben mag beziehungsweise kann.

Vom „regulären“ Death Metal habe ich mich offiziell ja schon seit längerer Zeit verabschiedet. Aber hochpotente Melodic Death Metal-Acts wie diese tapferen Musikanten hier sind mir immer noch mehr als willkommen und sie werden es auch bleiben. Das Sextett vollbringt die hohe und seltene Kunst und zockt auf diesem beseelt gemachten Silberteller absolut Eigenständiges. Und die Band steckt mit dieser sensationellen Zauberscheibe glatt einen beängstigend hohen Prozentsatz vergleichbarer Kommandos aus deutschen Landen in den Sack.

© Markus Eck, 22.05.2007

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