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Interview: MORGENSTERN
Titel: Rauschhafte Begierden

Ihr drittes Album „Rausch“ bietet erneut lyrisch ausgefeilten und vor allem sehr eigenständigen Mittelalter Metal allerhöchster Güteklasse, welcher hinsichtlich grandioser Stilistik nahtlos an die beiden begeisternden Vorgängeralben „Feuertaufe“ und „Heute ist die Rache mein“ anknüpfen kann. Während diese Musikszene in der Vergangenheit immer populärer wurde und immer mehr künstlerischen Zulauf erhielt, erreichten wenige die Klasse des beflissenen Sextetts.

In einem umkämpften Klangmetier, in dem sich also sehr viele berufen fühlen, ohne wie hier ein solches erfreuliches Höchstmaß an spürbarer Authentizität in ihren Kompositionen zu äußern, erleuchtet der Morgenstern also erneut die Szenerie. Rhythmusschlagwerker Matthias Ullmann alias Silvester Goldfarb verfing sich mit mir in den Digitalfäden des weltweiten Netzes. Dort hängend, gab es für uns einiges Informatives auszutauschen.

Von verschiedenen Seiten war zu vernehmen, Morgenstern hätten sich mit ihrem neuen Album sowohl musikalisch als auch kompositorisch stark verbessert, was nicht von ungefähr kommt. Er haut auf seine Trommel:

„Es wäre wirklich schlimm, wenn wir uns nicht gesteigert hätten. Nach `Heute ist die Rache mein` waren manche Leute sogar der Meinung, dass es nicht noch schlimmer werden könnte. Aber im Ernst: Wir haben ein Jahr an den neuen Songs, an uns und unserem Material beziehungsweise Instrumenten gearbeitet. Wenn jetzt von verschiedenen Seiten gesagt wird, wir hätten uns verbessert, denke ich mir, die Arbeit hat sich gelohnt.“

Die neuen Songs muten hinsichtlich Musizierleidenschaft irgendwie noch hingebungsvoller an als die älteren Morgenstern-Lieder. Silvester gibt mir diesbezüglich zu Protokoll:

„Wie schon gesagt haben wir uns diesmal richtig reingekniet um eine gute Scheibe zu machen. Dass die neuen Songs hingebungsvoller klingen, ist der Hauptverdienst unseres Sängers Rico. Der bringt die Texte sehr gefühlvoll und glaubwürdig rüber. Das wirkt natürlich auch auf uns Musiker: Wir spielen jetzt sowohl mit mehr Power als auch mit mehr Gefühl.“

Das verflixte dritte Album, es hat schon so oft über Sieg oder Niederlage einer Band bei den Fans entschieden. Für Silvester wird „Rausch“ auf keinen Fall solch ein verflixtes drittes Album, er gibt selbstbewusst vor: „Wenn dieses Album eine Niederlage wird, soll mich der Teufel holen.“

Das will keiner hoffen. Der neue Albumtitel „Rausch“ soll auf vielerlei Lebenssituationen greifen. Der Trommler erklärt mir: „`Ich war wie im Rausch`, sagt man doch oft, wenn einen etwas gefühlsmäßig schwerwiegend beeindruckt oder mitgenommen hat. Das kann ein Vollsuff sein, oder man tanzt volles Rohr bei einem Konzert seiner Lieblingsband ab. Oder man hat unglaublichen Sex mit einer Frau und dergleichen mehr. In diesem Sinne ist der Titel `Rausch` zu verstehen. So findet man auf dem Album hauptsächlich Songs, die von Liebe und Sex handeln. Natürlich wird auch wieder höhnisch auf Spießern rumgehackt, das muss bei uns einfach sein.“

Der letzte Langspieler hieß „Heute ist die Rache mein“; haben Morgenstern sie also bekommen, diese im übertragenen Sinne zu sehende Rache? Teils ja, teils nein, so Silvester:

„Wir haben ein paar Leuten kräftig in den Arsch getreten. So viel ist sicher. Dummerweise haben sich aber nicht alle so geärgert, wie wir es wollten. Ist aber auch egal. Heute würde ich so einen Titel nicht mehr verwenden. Meine Rachegelüste sind definitiv gestillt.“

Seit dem letzten Morgenstern-Album gab es auch einen Besetzungswechsel, wenn ich mich recht entsinne.

„Seit `Heute ist die Rache mein` singt Rico bei uns und Jörg spielt die Bassgeige. Sie ersetzen Steffen, welcher bei uns Sänger und Bassist in einem war. Die Stelle des zweiten Gitarristen Maan Men haben wir ersatzlos gestrichen.“

Die neuen Songtexte weisen eine geänderte lyrische Direktive auf, was der Band aber ganz gut zu Gesicht steht. Silvester berichtet dazu:

„Wie schon gesagt sind die meisten der neuen Stücke Liebeslieder. Den ganzen Kram mit Tod und Teufel haben wir diesmal weggelassen. Ich würde sagen, dass der geneigte Hörer sich selbst ein Bild von jedem neuen Morgenstern-Song machen sollte. Ich mag jedes Lied und seine Geschichte aus meiner Sicht. Andere wiederum fühlen sich vielleicht an eine Geschichte erinnert, die sie selbst erlebt haben und mögen den ein oder anderen Song gerade deswegen.“

Die bisherigen Live-Shows der Morgensterne waren höchst erfolgreich, wie der Drummer noch resümiert. „Großartig, würde ich sagen. Die Sääle sind immer gut gefüllt. Die Leute tanzen, trinken und haben eine gute Zeit. Wir natürlich auch. Und seit dem wir das berüchtigte Bad Salzunger Publikum zum Tanzen brachten, halte ich bei uns eigentlich sowieso alles für möglich. Das Wichtigste ist das Erscheinungsbild der Band. Dazu zählen passende Klamotten und selbstbewusstes Auftreten jedes einzelnen. Natürlich finde ich auch das zeitgemäße Bühnenbild und geile Beleuchtung inklusive Feuer-Effekten sehr wichtig.“ Abschließend gewährt man mir noch Einblick in die Zukunftspläne der Gruppe: „Touren, touren, touren. Außerdem neue Songs machen und vor allem gesund und cool bleiben!“

© Markus Eck, 02.08.2002

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