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Interview: WITCHCRAFT
Titel: Mit aller Liebe

Einst starteten sie selbst als Fans, die den amerikanischen Doom Metal-Urvätern Pentagram devot Tribut zollen wollten.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 hat die schwedische Band neben diversen EP-, Split- und Single-Tonträgern auch drei handwerklich sehr solide Alben auf den Markt gebracht.

Aufgenommen wurde der melodische Doom Metal der skandinavischen Nostalgiker, der mit atmosphärisch beseelenden Psychedelic Hard Rock-Nuancierungen daherkommt, in weiten Hörerkreisen bislang mit berechtigter Begeisterung.

Jetzt hat der Verbund aus Überzeugungstätern das neue Album „Legend“ fertiggestellt. Witchcraft zimmerten hierfür eine ebenso abwechslungsreiche wie identitätsreiche Kollektion an wunderbar eingängigen, stilistisch zeitlosen und inspirierenden Liedern zusammen. Höchste Zeit wurde es, denn das letzte Album „The Alchemist“ erschien bereits 2007.

Bassist Ola Henriksson genießt den prächtigen Sommer in Schweden, wie er eingangs freudig verkündet.

„Ich liebe die heißen Tage und Nächte bei uns in Skandinavien schon seit jeher, so könnte es mir derzeit wohl kaum besser gehen! Ich koste jeden Moment voll und ganz aus.“

Anschließend aufgrund der stark emotionalen und inniglichen Klänge seiner Band Witchcraft um eine Selbstbeschreibung seines Persönlichkeitsprofils gebeten, gerät der Tieftöner ebenfalls ins Schwitzen.

„Das ist für mich ebenfalls schon immer sehr schwer gewesen. Ich denke, und meine Freunde werden dies sicherlich auch ganz genau so sehen, man kann mich als jemanden beschreiben, der andere Menschen immer mit allergrößter jeweiliger Fairness behandelt. Daher macht es mich sehr wütend, wenn ich beispielsweise mitbekomme, wie Menschen und Tiere unter dem Machtmissbrauch gewisser Institutionen zu leiden haben! Das ist es, was mich als Charakter hauptsächlich auszeichnet. Mein anderweitiger Geisteszustand ist wohl viel zu verdreht und viel zu seltsam, um das Ganze hier vor den Lesern ausbreiten zu wollen. Ich stehe nämlich neben der Musik auch voll auf Horrorfilme“, gibt der Viersaitenspieler und bekennende Fußball-Fanatiker zu Protokoll, dezent schief grinsend.

Auf die hohe Qualität des neuen Albums „Legend“ hingewiesen, gerät der Mann erst so recht ins Schwärmen.

„Musik ist ohnehin eine meiner ganz großen Leidenschaften. Und dieses neue Album darf sich definitiv all meiner Liebe sicher sein. Bei Witchcraft genieße ich ohnehin das Glück, starke Gefühle für Menschen und Dinge, die ich liebe, musikalisch genau nach meinem Gusto entsprechend umsetzen zu können. Meine Inspirationen sind daher immer sehr vielfältig. Einmal ist ein bestimmter prächtiger Baum, der meine Aufmerksamkeit und Zuwendung erweckt. Ein anderes Mal ist es eine sich fantastisch anfühlende Nacht voller toller Stimmungen. Und, ja, unsere Musik ist tatsächlich zeitlos und sie klingt auf eine ganz gewisse Weise auch typisch schwedisch, da kann ich nur vollauf zustimmen. Und das liegt daran, dass wir beim Songwriting extrem beflissen und leidenschaftlich vorgehen. Unsere Nummern werden eben nämlich nicht aus den Ärschen von ,Hit-Produzenten‘ gequetscht, und das würden wir auch niemals zulassen. Heutzutage ist die ganze Welt von so dermaßen viel Scheißmusik verpestet, dass ich es oftmals kaum noch glauben mag!“

Und wie Ola im Weiteren zu berichten weiß, haben sich die Beteiligten spieltechnisch sogar in den letzten Jahren merklich steigern können, was als Folgeeffekt auch zu mehr Härte im Witchcraft-Gesamtsound geführt hat. Er lässt verlauten:

„Es hat sich sowieso einiges getan. Wir haben ja auch zwischenzeitlich drei neue Leute in die Band geholt, und zwar die beiden Gitarristen Simon Solomon und Tom Jondelius sowie Drummer Oscar Johansson. Die Neuen haben ihr jeweiliges Flair und Feeling bestens einbringen können, was die Stücke enorm zu bereichern weiß. Unser Bandkopf Magnus Pelander hat seine Gitarre dabei an den Nagel gehängt, um sich fortan ausschließlich auf die Gesangslinien konzentrieren zu können. Das hat sich mehr als gelohnt, wie wir finden. Wer Magnus auf ,Legend‘ singen hört, wird mir zustimmen müssen. Letztlich klingen wir nun zwar noch immer vollauf wie Witchcraft, aber primär eben halt viel deutlicher an griffigen Riffs und Melodien orientiert.“

Wie sich danach herausstellt, ist Meistersänger Magnus auch der Haupt-Songwriter bei der fünfköpfigen Gruppe. „Seine immense Kreativität kommt ihm stets sehr zugute, um aus den Tracks regelrecht eigenständig lebende und klingende Kreaturen zu machen. Er sammelte die Ideen und Ansätze für neues Witchcraft-Material schon seit längerer Zeit, doch so richtig zu finalisieren begannen wir das Ganze dann vor ungefähr eineinhalb Jahren. Wenn wir das Songwriting so richtig anpacken, gehen wir immer ohne große Erwartungshaltung ran. Das garantierte es uns auch diesmal wieder, authentische und organische Musik erschaffen zu können, die frei ist von jedweden Zwängen. Glücklicherweise sehen das die neuen Mitglieder in der Band vollkommen übereinstimmend mit uns.“

© Markus Eck, 06.09.2012

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