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Interview: THEATRE OF TRAGEDY
Titel: Alles andere als spekulativ

Mittels ihres 2006er Comeback-Studioalbums „Storm“ konnten diese ewigen Theatraliker aus Stavanger endlich wieder verlorenen Beliebtheits-Boden bei den alten Fans wettmachen. Darauf zeigten sich die unverwüstlichen Norweger Düsterseelen um die zuvor neu rekrutierte Sängerin Nell Sigland nach vorangegangen Stil-Experimenten von ihrer klassischen musikalischen Seite: Melodramatischer und anmutiger Gothic Metal eben, mit welchem die Formation in einschlägigen Kreisen seit Mitte der 1990er weltberühmt geworden ist.

Schlagzeuger Hein Frode Hansen erwies sich bereits bei der vorab inszenierten Video-Dreh-Session zu „Storm“ als höchst schlitzohriger und gleichfalls schlagfertiger Komödiant. So geriet auch das aktuelle Jahresrückblicks-Gespräch mit ihm für mich zum reinsten Vergnügen.

„Immer, wenn eine bekannte Band den Sängerposten auswechselt, verfallen sowohl Teile der Musikmedien als auch der Fans immer wieder in große Hysterie. Sensationshascherei ist da oft auch die Folge. Und ganz egal, wie gut der oder die Nachfolgerin den Mikro-Job auch macht, es gibt immer Leute, welche mit der neuen Situation einfach nicht klarkommen. Von daher sahen wir solcherlei Reaktionen einigermaßen gelassen entgegen. Ich vergleiche das immer wieder sehr gerne mit einer Art Lotteriespiel: Man weiß vorher nie, ob man gewinnt oder nicht. Schließlich sind wir doch Musiker in Theatre Of Tragedy und genau genommen auch nichts anderes“, gibt mir der Trommelstock-Artist eingangs zu Protokoll.

Dann stellt er klar: „Wir spekulieren nicht vor der Veröffentlichung einer neuen Platte herum, wie diese oder jene stilistische Vorgehensweise bei den Hörern wohl auf Anklang oder Ablehnung stößt. Dies würde unsere Musik beziehungsweise ihre Authentizität an sich doch massiv verfälschen.“

Seiner im Weiteren geäußerten Ansicht nach ist das gerade frisch zu Ende gegangene Jahr 2006 für seine Truppe bestens verlaufen. „Auch wenn `Storm`, wie alle unserer bisherigen Alben zuvor, auch wieder höchst differierende Reaktionen nach sich zog, sind wir persönlich sehr mit der Platte und dem ganzen Drumherum wie Live-Gigs etc. zufrieden. Es gab auch diesmal wieder Leute, die meinten, diese Platte wäre unsere schlechteste Leistung bislang. Daran haben wir uns schon gewöhnt, bei solchem Feedback bricht keiner von uns mehr in Tränen aus. Glücklicherweise mag die überwiegende Anzahl der Leute das Album aber sehr, wie sich herausgestellt hat. Auch Nell als unsere neue Sängerin ist nun überwiegend akzeptiert, auch wenn so manchem Fan der Abschied von Liv Kristine schon sehr schwer gefallen ist, wie wir mitbekommen haben.“

Denn die gute Nell hat sich auch auf der Bühne in diesem Jahr bestens bewährt, wie sich der Drummer anschließend resümierend zurück erinnert. Dass sie sehr gut aussieht und dies auch gut in Szene zu setzen weiß, ist die eine Sache. „Dass sie aber auch eine verdammt gute Stimme hat, die perfekt zu unserer Musik passt und dass sie außerdem eine sehr sympathische Person mit einem herzlichen Naturell und wertvollem Charakter ist, das ist für uns und unsere Hörer mindestens genauso wichtig. Nell hat bei unseren vergangenen Konzerten ein schier unglaubliches Charisma ins Publikum transportiert. Immer wieder stellte sie mit jedem neuen Theatre Of Tragedy-Lied binnen weniger Sekunden inniglichen Kontakt mit dem jeweilig angereisten Auditorium her. Ehrlich gesagt hätte uns nach der Trennung von Liv gar nichts Besseres passieren können, als Nell in die Gruppe zu holen. Die ohnehin ungezwungene Zusammenarbeit mit ihr geriet von Beginn an immer noch harmonischer und künstlerisch ergiebiger. Stellenweise waren wir überrascht von ihrer Professionalität und gleichzeitigen Natürlichkeit als Mensch. Zu unser aller Glück gehört eben die Tatsache, dass Nell nicht erst seit gestern Musik macht.“

Die Festival-Saison 2006 sowie einige kleinere Touren wurden also gut absolviert von den wiedergekehrten Norweger Gothic Metal-Meistern um Bandleader und Sänger Raymond Istvàn Rohonyi. Nun sind sie ausgeruht und sitzen bereits an neuem Songmaterial für das nachfolgende Album, so Hein.

„Auf gar keinen Fall wollen wir noch mal eine so große Lücke bis zu unserem nächsten Werk, wie dies vor `Storm` der leidige Fall war. Bald geht es nun sogar wieder regelmäßig in unseren Proberaum hier in Stavanger, darauf freuen wir uns schon sehr“, erklärt der gewohnt redselige Taktmann mit aller Glaubwürdigkeit im Stimmfall.

Wenn alles nach Plan läuft, legen Theatre Of Tragedy im kommenden Sommer 2007 den Albumnachfolger vor, wie von Hein in diesem Kontext noch zu erfahren war. Und nachdem die letzte Video-Dreh-Session mit dem norwegischen Tragödientheater im Frühjahr dieses Jahres in Nürnberg für mich zu einer einzigen Frosttortur ausartete, empfahl ich dem Drummer bei der Gelegenheit, den nächsten Clip doch bei wärmeren Temperaturen aufzunehmen. Hein feixt:

„Yeah, das werden wir wiedergutmachen, du sollst deine Entschädigung kriegen. Wir agieren darin in Blümchenhemden und mit Blütenkränzen und wir werden den Clip dann `Evil In Hawaii` nennen“, entfährt es diesem ausgesprochenen Filou mit zutiefst verschmitzter Stimme. Dann wird er jedoch wieder ernst: „Ich kann abschließend nur hoffen, dass alles nach unseren derzeitigen Vorstellungen klappt. Dann können wir das nächste Album wie erwähnt im kommenden Sommer auf den Markt bringen. Diesmal sind wir in einer noch günstigeren künstlerischen Ausgangsposition, was einige wirklich gute Kompositionen mit sich bringen dürfte.“

© Markus Eck, 12.01.2007

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