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Interview: SCARLET ANGER
Titel: Echte Arbeiter

Mit dermaßen Funken sprühender Inbrunst polterten vor so einigen Jahren höchstens damalig überlegene Elite-Kommandos wie beispielsweise Forbidden, Despair, Target oder Intruder los.

Dennoch, diese robuste Luxemburger Old School Thrash Metal-Macht scheint derzeit mit ihren betont melodischen Hammersongs ganz und gar uneinnehmbar.

Formidabel, und das auf ganzer Linie! Mit ihrem machtvollen Debütalbum „Dark Reign“ holzen sich Scarlet Anger schon gleich mit aller Kraft in die vorderste Liga der neuzeitlichen Thrasher.

Die Band, ein versiertes Quintett, zelebriert ihr technisch sehr souverän umgesetztes Material mit immer wieder beinahe sprachlos machender Originalität. Der Fünfer ist fest entschlossen, schlagartig zu den Besten der Zunft zu gehören, das ist nicht zu überhören.

Die enthaltenen Lieder auf „Dark Reign“ bieten demnach dynamisch-wildes und herrlich schlüssiges Songmaterial, als wenn die Urheber das Ganze in die Ewigkeit hämmern möchten. Allerdings sind Scarlet Anger eben aber beileibe keine uninspirierten Drauflos-Schläger, sondern sie machen ihre Sache mit einem hohen Maß an Eigenständigkeit.

So fanden auf „Dark Reign“ auch einige nicht zu überhörende Kreator-Einflüsse Einzug.

Dies schließt diverse fein ziselierte Gitarren-Ornamente im Sound-Teppich des hörbar auf spielerische Klasse bedachten Quintetts ebenso mit ein wie immer wieder vorpreschende Geschwindigkeitsausbrüche.

Mit Joe Block haben diese beständigen Thrash-Idealisten zudem auch noch einen sehr wandelbaren Vokalisten in ihrer harten Reihe, der sich zuweilen gar als wahres Stimmungs-Chamäleon erweist.

„Das eine oder andere Bier ist natürlich geflossen, da die Freude riesengroß war, dass wir einen Plattenvertrag in der Tasche hatten. Anschließend machten wir uns aber schnellstmöglich an die Arbeit, um die neuen Songs für ,Dark Reign‘ zu schreiben und im Weiteren aufzunehmen. Wir wussten, dass eine Menge Arbeit auf uns wartete, so hielt sich das Feiern doch eher in Grenzen. Wir sind halt echte Arbeiter, mit hoch gesteckten Zielen, die es zu erreichen gilt“, weiß Block zu berichten, der sich in stimmlich reizvoller Weise mit einigem Können von einer Sekunde auf die andere zwischen stark differierenden Gefühlslagen erstaunlich sicher zu bewegen weiß.

Wir sprechen nachfolgend gleich auch mal darüber, was der Bandname Scarlet Anger eigentlich so ganz genau zu bedeuten hat. Joe erläutert:

„,Scarlet‘ heißt Scharlachrot und ist demnach eine kräftige rote Farbe. ,Anger‘ ist bekanntermaßen der englische Begriff für Wut. Beide Begriffe passen meiner Meinung nach hervorragend zusammen, da die Emotion Wut sich ja gut mit der Farbe Rot in Einklang bringen lässt. Der Name passt demnach auch zu unserer Musik, da diese ja bekanntermaßen eine gewisse Aggressivität, im positiven Sinne, ausstrahlt.“

Das aktuelle Debütalbum „Dark Reign“ wurde laut Aussage des Vokalisten insgesamt sehr gut angenommen, was sich an den vielen guten Kritiken und Rezensionen zeigt.

„Und wenn es mit der Band gut läuft, dann sind wir auch zufrieden. Natürlich gibt es immer Sachen, die wir jetzt im Nachhinein verbessern würden, aber ich glaube, das geht jedem Musiker so. Aber im Großen und Ganzen bin ich mehr als zufrieden. Und dadurch dürfen wir jetzt größere Festivals spielen. Jetzt heißt es für uns nur dranbleiben und weiter fokussiert und engagiert arbeiten.“

So erwartet die Hörer auf musikalischer Ebene auf dem neuen Scarlet Anger-Werk laut entsprechendem Statement des Frontmannes reiner und purer Thrash Metal, der zudem mit Melodien bestückt ist. Joe ergänzt:

„Ob das jetzt alles ,Old School‘ ist oder nicht, das ist dem Hörer überlassen. Und dieser Punkt ist auch meiner Meinung nach auch nicht so wichtig, da es um das reine Hörvergnügen geht. Also sollten die Leute einfach mal bei uns reinhören und sich ihr eigenes Urteil zu Scarlet Anger bilden.“

Neue Kompositionen entstehen bei diesen fünf Luxemburgern meistens aus ganz bestimmten Saiten-Ideen heraus, wie zu erfahren ist.

„Unsere beiden Gitarristen Fred oder Jeff kommen dazu in der Regel mit einem guten Riff an, und dann wird das Ganze bei den Band-Proben weiter ausgebaut. Wobei jeder seine persönliche Note dazugibt, solange, bis am Ende ein fertiges Lied entsteht. Für die Texte der Songs sind Fred und ich zuständig. Die meisten Lyrics basieren auf dem was wir erleben oder dem, was in der Welt so vor sich geht beziehungsweise was uns daran stört. In der Tat haben wir aber auch Songs, deren Songtexte auf einen Film beziehungsweise ein Buch zurückgehen. Der Songtext von ,A Tale Of Hate‘ nämlich findet seinen Ursprung in Jack Ketchum’s Roman ,The girl next door‘ wieder. Es verhält bei Scarlet Anger eigentlich aber ohnehin grundsätzlich so, dass bei uns hauptsächlich Fred für das Musikalische steht. Aber auch Jeff, Bassist Vince, Drummer Alain oder ich versuchen, unsere persönliche Note in die Lieder mit einzubringen. Dies hatte sich bei der EP ,Kill The King‘ bereits sehr gut bewährt und somit beließen wir es auch für den Rest der neuen Scheibe dabei. Daran etwas zu ändern hätte zudem die konzeptuelle Balance des Albums gekippt.“

Der weitere Dialog befasst sich mit musikalischen Einflüssen bei Scarlet Anger, und Joe offenbart zu diesem Kontext mit freudiger Miene:

„In erster Linie beeinflussen uns natürlich unsere Thrash Metal-Idole von früher und heute wie beispielsweise Metallica, Kreator, Slayer usw. Aber auch die Musik von melodischen Heavy Metal-Bands wie beispielsweise Iron Maiden fließen in unser Songwriting mit ein.“

Da die Thrash-Kapelle, so der Sänger, die gesamte Produktion von „Dark Reign“, mit Ausnahme des Masterings, selbst in die Hand nahm, gab es natürlich lange Tage und Nächte diesbezüglich für Scarlet Anger.

„Genau die richtigen Sounds zu finden usw. kostete uns recht viel Zeit. Aber dies ist von Nöten, wenn man einen möglichst guten Sound haben möchte. Im Großen und Ganzen verlief die Arbeit im Studio aber ohne größere Schwierigkeiten. Die Scheibe wurde in der Tat in zwei Teilen eingespielt. Das Kapitel ,Kill The King‘ ist bereits 2010 eingespielt worden, das zweite Kapitel dann hingegen in 2011. Dies hat damit zu tun, dass ,Kill The King‘ die neu gemasterte EP-Version von 2011 ist, mit der wir uns beim Label bewarben. Das zweite Kapitel enthält komplett neue Stücke, welche nach dem Deal mit dem Label komponiert und aufgenommen wurden.“

Was künstlerische Ziele der Beteiligten für ihr aktuelles Debütalbum anbelangt, so betitelt der Vokalist das oberste Band-Bestreben damit, Scarlet Anger nach vorne zu bringen und bestmöglich zu pushen.

Meister Joe konkretisiert das Ganze sehr gerne in herzlicher Manier mit den folgenden Worten:

„In Luxemburg sind wir bereits sehr bekannt in der Metal-Szene. Jetzt gilt es, sich einen Namen in Deutschland und in den anderen Nachbarländern zu machen. Mit steigender Popularität spielt man als Band wie gesagt natürlich auch viele gute Konzerte und man verkauft mehr Platten. ,Dark Reign‘ hat die gesteckten Ziele bisher voll und ganz erfüllt. Durch die erwähnten guten Kritiken wurden und werden die Leute natürlich aufmerksam auf uns, was uns einige wichtigen Türen geöffnet hat. Unsere Hauptziele sind jedoch noch längst nicht erreicht. Wir sind hungrig, ein neues Album ist bereits in Planung, und Ende 2012 werden wir wieder in unser Studio gehen, um 2013 eine neue Scheibe auf den Markt zu feuern. Man darf also gespannt sein. Von nichts kommt nichts.“

Passend zum vorangegangenen Kontext navigierte der nachfolgende Gesprächsinhalt in Richtung wichtige Impulse und inhaltlicher Tiefgang im gegenwärtig aktiven Genre Thrash Metal.

Der Stimmband-Könner selbst ist, wie er dem Autoren voller Überzeugung im Stimmfall darlegt, bereits von Kind auf mit Thrash Metal aufgewachsen.

„Bands wie Metallica, Kreator, Slayer, Overkill, Sodom usw. waren meine absoluten Helden. Solche Bands, die 30 Jahre im Geschäft sind, und sich dabei immer wieder neu beweisen müssen, um im harten Musikgeschäft bestehen zu können, sind für mich absolute Ikonen. Sie haben viel für die Metal-Szene an sich getan und diese ganz sicherlich auch entscheidend mit geprägt. Ich denke, wenn solche Bands nicht mit größtmöglichem Tiefgang agieren würden, dann könnten sie nicht so lange bestehen. Denn eines ist gewiss: Die Musikbranche ist hart, ohne Liebe zur Musik. Und ohne den nötigen Tiefgang wäre das meiner Meinung nach eine ,Mission Impossible‘. Aber sicherlich gibt es auch Thrash Metal-Bands, die Alben veröffentlichen, welche die Welt meiner Meinung nach nicht braucht: Ohne Wiedererkennungswert, ohne Tiefgang und ohne Liebe zum Detail. Aber solche Alben findet man in jeder Musiksparte, nicht bloß im Thrash Metal. Es hängt halt immer von den Leuten ab, welche die Musik machen, und wie sie zu ihrer Musik stehen. Ich kann nur für Scarlet Anger sprechen und dazu sagen, dass wir mit dem nötigem Tiefgang arbeiten und uns wortwörtlich den Arsch aufreißen.“

Und worin beziehungsweise in welcher Position sieht der auskunftsfreudige Shouter seine Combo Scarlet Anger inmitten des Ganzen?

„Wir arbeiten sehr hart an unseren Liedern, setzen uns mit den für uns wichtigen Themen auseinander und schreiben anschließend die Lyrics der jeweiligen Songs. Unsere Message soll dabei bestmöglich rüberkommen. Auch musikalisch muss alles passen. So ist kein Song auf unserem Album zu finden, wo wir nicht hundertprozentig dahinterstehen. Wie und was andere Künstler machen, ist mir persönlich egal. Jedem das seine, sage ich. Mir tut es nur leid zu sehen, dass einige Leute gutes Geld für schlechte Musik ausgeben. Ich hoffe, dass wir noch einige Alben verkaufen, und dass wir gute Konzerte an Land ziehen werden. Und darüber hinaus hoffe ich auch, dass wir weitere Fans gewinnen und dadurch bekannter werden.“


© Markus Eck, 12.06.2012

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