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Interview: SAXON
Titel: Britannisches Bewusstsein

1979 debütierend und damit seit einem respektablen Vierteljahrhundert zu den unantastbaren Ikonen des klassischen Heavy Metal an sich zählend, haben diese englischen Urgesteine ihr ursprüngliches Ziel niemals ganz aus den Augen verloren: Anspruchsvolles, aber eingängiges Schwermetall mit unverwechselbarem britischen Themencharakter zu schmieden.

Um nun das 25-jährige Jubiläum ihres Bestehens angemessen zu feiern, konnten Saxon ihren zahllosen Fans wohl kein schöneres Gedeck servieren als das neue Album „Lionheart“: Ein durch und durch heroisches Epos um die gleichnamige mittelalterliche Legende um den König, Kreuzritter und Abenteurer Richard Löwenherz.

„`Lionheart` ist die exakte Weiterführung unseres Albumvorgängers `Killing Ground`, meines Erachtens sind die neuen Stücke sogar noch kraftvoller als zuvor ausgefallen. Schon auf `Killing Ground` konnten wir eine erweiterte Bandbreite an Einflüssen ja nicht von der Hand weisen, doch auf dem neuen Release scheint es so, als hätten wir es geschafft, das Ganze jeweilig noch besser auszudefinieren“, eröffnet mir Sänger Biff Byford gut gelaunt.

„`Lionheart` ist damit als gut portionierte Mischung aus unseren klassischen Wurzeln und modernerer Kompositions- bzw. Spielkultur zu sehen – das ist Saxon 2004, das ist, was wir sind“, ergänzt der langjährige blonde Shouter.

Mit dem neuen Frontcover-Artwork zu „Lionheart“, einem weiteren prachtvollen Gemälde aus der Galerie des treuen Landsmannes Paul Raymond Gregory, kann das etablierte Quintett um den umtriebigen Drummer Jörg Michael einen weiteren grafischen Volltreffer auf der Habenseite verbuchen. Biff erzählt mir hierzu:

„Eine ganze Menge an Leuten hat uns bisher wissen lassen, wie gut es ihnen gefällt und auch wir mögen das Cover wirklich sehr. Paul Raymond hat erneut großartige Arbeit geleistet mit diesem Bild, welches einen schon fast klassischen Metal-Style hat. Geradezu perfekt für Saxon.“

Der Frontmann gibt im Weiteren vor, schon immer sehr an historischen Themen interessiert gewesen zu sein. „Auch die Geschichte um Richard Löwenherz birgt eine Unmenge an für mich hochinteressanten Überlieferungen und altertümlichen Spekulationen. Mir machte es ohnehin noch nie besonders viel Freude, frei erfundene Fantasy-Lyrics zu verfassen. Da eignet sich die englische Historie doch viel besser, um daraus Songs – bzw. -texte zu machen. Gerade König Löwenherz ist noch immer einer der am meisten beschriebenen Figuren seiner Zeit und ein ausgesprochener Eroberer, also eine inspirativ höchst ergiebige Thematik.“

Löwenherz starb 1199 bei der Belagerung von Châlus in Frankreich durch eine tödliche Verwundung eines verirrten Pfeils. Er starb kinderlos und sein verhasster Bruder Johann I. – bekannt aus der Robin Hood-Saga – folgte ihm auf den Thron. Ich frage den gut gelaunten Biff, ob er aufgrund dieser von ihm favorisierten Person nicht selbst gerne in die Rolle des mittelalterlichen Königs schlüpfen würde, was dem Sänger ein erstauntes Lachen abringt.

„Ehrlich gesagt lieber nicht, denn er verstarb ja bereits im Alter von 42 Jahren“, scherzt er. „So tief geht meine Bewunderung für ihn dann doch nicht. Es bereitet mir eben lediglich Spaß, zurück in die Vergangenheit zu blicken.“

Aus diesem Statement heraus bitte ich Mr. Byford nachfolgend sogleich auch noch um einen kritischen Blick in die Gegenwart. Er konstatiert:

„Speziell Saxon war seit jeher als Band bekannt, welche in erster Linie für ihre Anhänger da war. Für uns selbst hat sich daher über all die Jahre nicht allzu viel geändert, denn wir versuchten in erster Linie immer, uns und unseren Fans treu zu sein. Und so blieben die Fans wiederum auch uns treu. Wir veröffentlichten in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen unsere Alben und waren mit vielen Touren stets gut beschäftigt, somit gerieten wir mit Saxon auch niemals in Vergessenheit.“

Auch die für viele klassische Heavy Metal-Bands unerträglich schwere Zeit zu Beginn der 90er, als jeweilig lediglich Grunge-Sound und Death Metal die Blöcke harter Musik dominierten, zog laut Aussage von Biff spurenlos an seiner Truppe vorbei:

„Und wir können mit Stolz behaupten, zu jeder Zeit unserer Karriere das Beste aus uns herausgeholt zu haben, für uns und unsere Fans. Im August dieses Jahres 2004 spielten wir bei euch in Wacken, der Gig war eine wundervolle Bestätigung für unsere Philosophie. Es sieht jedoch ganz danach aus, als ob die Dinge für viele Metal- und Rock-Acts neuzeitlich nach der Jahrtausendwende besser laufen als noch einige Jahre zuvor, egal, ob Motörhead, Iron Maiden oder all die anderen aus unserer älteren Riege.“

© Markus Eck, 14.09.2004

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