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Interview: RUNNING DEATH
Titel: Unbändige Spielfreude

Aus Kaufbeuren, am nordöstlichen Rand des malerischen bayerischen Allgäu gelegen, stammen diese betont qualitativ orientierten Vollblut-Thrasher.

2004 würfelten die Jungs ihre Geschicke und Talente zusammen. Man hat es dabei mit einer wahren Prachttruppe zu tun, die ihre erfreulich eingängigen Kompositionen mit riesig viel aufrichtiger Liebe und Hingabe edel zu kultivieren versteht.

Und während auch in dem von ihnen bespielten Genre doch vieles in Sachen Sound, Lyrik und Optik allzu extrem und gleichzeitig inhaltsarm geworden ist, haben Running Death keinerlei derartigen, billigen Effekthaschereien nötig. Eines treibt das Quartett allerdings dennoch ganz gezielt auf die höchste Spitze: Diese anspruchsvollen Thrash Metal-Meister fokussieren sich nämlich darauf, ihre vollauf durchdachte Musik extrem gut werden zu lassen!

2012 erschien die zweite EP „The Call Of Extinction“. Derzeit arbeiten die Beteiligten emsig am kommenden Debütalbum. Gitarrist und Vokalist Simon steht bis heute voll und ganz hinter seiner Thrash Metal-Meute.

„Wie ich zum Metal gekommen bin … dazu habe ich keine spannende Geschichte zu erzählen. Es gibt keine bestimmte Person, die ich diesbezüglich nennen kann. Durch radiotauglichen Rock habe ich bemerkt, dass mir Riffs und verzerrte Gitarren gefallen. Bei einem kleinen Musikgeschäft hier in Kaufbeuren, von dem ich wusste dass es dort viel Metal gibt, habe ich mir damals ein Rage-Album gekauft. Dann war‘s um mich geschehen“, schwärmt der Axeman.

Das Allerschönste beim Musikmachen mit Running Death ist für den rundum enthusiastischen Frontmann das Ausflippen, wie er weiter mit quirliger Stimme verkündet.

„Nicht mitzubekommen, was um einen herum passiert, darum geht es mir auch bei unseren Gigs! Sondern einfach darum, das Rummsen abzufeiern mit den anderen in der Band, die das mit verursachen, und die gleichzeitig zu den besten Freunden gehören. Und das Ganze auch noch zu einer Musik, die wir gemeinsam kreiert haben. Das ist mit Abstand das Geilste!“


Hinter dem EP-Titel „The Call Of Extinction“ steckt laut Simon eine traurige Tatsache. „Dass die Leute, welche die politische Macht über uns haben, überwiegend doch gar keine Ahnung von den Problemen der Allgemeinheit haben. Kurz formuliert.“

Das Gerüst der explosiven Rhythmusausbrüche dieser Kaufbeurer Thrash-Dynamiker errichten sie normalerweise mit ihren Gitarren.

„Sprich, Julian und ich beginnen in der Regel, was später ein Song wird. Aber durch aneinandergereihte Riffs entsteht noch lange kein Song. Erst wenn ein Lied bei uns im Gesamten fertig ist, haben alle ihren Beitrag dazu geleistet.“

Mit den bisherigen Presse-Reaktionen zur aktuellen EP ist der auskunftsfreudige Griffbrett-Könner sehr zufrieden, wie er wissen lässt.

„Das, was wir an unserer Musik selbst schätzen, haben viele beziehungsweise die meisten Rezensenten erkannt! Zu den Kompetenzen: Es gibt Reviews, bei denen man erkennt, dass sich der Schreiber gut auskennt und sogar dazu recherchiert hat. Andere weniger. Ist mir eigentlich egal, solange sie uns ein gutes Ergebnis geben. Es ist genauso wichtig, dass Leuten die Musik gefällt, die nicht das Wissen und die Fertigkeit, haben, um die einzelnen Komponenten auseinander zu pflücken und zu bewerten.“

Im Weiteren darauf angesprochen, welche speziellen Gefühle er meistens beim Erarbeiten neuer Songs für Running Death verspürt, hellt sich die Miene des Six-stringers merklich noch mehr auf.

„Freude! Es ist häufig ein langer Weg bis alle bei uns zufrieden sind. Das Endergebnis zu hören, beschert dann aber allen ein dickes Grinsen ins Gesicht!“

Der anschließende Dialog dreht sich um das Band-Gefüge bei Running Death an sich.

Gibt es einen „Kopf“ der Band?

„Der ,Frontmann‘ bin ich. Aber das kommt daher, dass ich der Hauptsänger der Band bin. Wir haben ohnehin keinen in der Band, dessen Meinung über der Meinung der anderen steht.“

Viele diskutieren über den Stil, Simon bringt es gerne auf den Punkt: „Wir spielen rockigen und melodischen Thrash Metal. Das trifft es recht gut!“

Die Running Death-Stücke sind außerordentlich „Old school“-lastig, aber auch sehr melodisch und dabei sehr griffig. Wie entstand diese Mischung mit der Zeit? „Das sind ganz klar die Einflüsse. Wir hören ja nicht nur Thrash Metal. Wobei im Begriff Thrash allgemein Melodie und Eingängigkeit nicht ausgeschlossen ist! Das vergessen nur sehr viele, wie ich finde. Es gibt viele tolle Beispiele bei denen das der Fall ist.“

Running Death haben sich 2004 gegründet. Wie ist es zu erklären, dass es zehn Jahre bis zu einem vollen Album dauert? Arbeiten die Jungs etwa strikt und stoisch nach dem Motto ,Gut' Ding braucht Weile‘?

„Nein“, so Simon entschlossen, „das ist recht einfach zu erklären: Wir waren bei der Gründung junge Teenager. Außer unserem Schlagzeuger Jakob hat von uns keiner sein Instrument gescheit beherrscht. Bis es auf einem guten Niveau war, hat also noch etwas gedauert. Die Suche nach einem vierten - wir waren zu Beginn noch als Trio unterwegs - hat auch vergleichsweise lange gedauert. Songs haben wir in der Anfangszeit sehr viele geschrieben. Ich erinnere mich an einen Auftritt 2007, da haben wir 21 eigene Lieder gespielt. Aber es kamen dann immer bessere Nummern dazu, sodass wir auch Material verworfen haben. 2008 war ein Jahr Pause wegen einem wieder mal unvollständigen Line-Up. 2009 ging es dann wieder weiter. Seitdem haben wir zwei EP's aufgenommen. Es ist im Allgemeinen heute noch so, lange nicht jeder Song, den wir schreiben, wird auf lange Zeit gespielt. Oft stellen wir fest dass, wir es besser können und dann verschwindet wieder einer aus unserem Repertoire.“

Was genau erwartet die geneigten Hörer seiner eigenen Einschätzung nach auf musikalischer Ebene auf dem kommenden Debütalbum, und wird der Titel hier jetzt schon verraten?

„Der Titel steht eigentlich fest. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das letzte Wort darüber schon gesprochen ist, deswegen gibt es keinen Titel. Es ist musikalisch im selben Fahrwasser wie unsere EP's. Allerdings haben wir mehr Wert auf die Eingängigkeit gelegt. Eine Mischung aus der ,Raging Nightmare‘ und ,The Call Of Extinction‘. Das trifft‘s am Besten.“

Das weitere Gespräch geht in Richtung Frontcover-Gestaltung für das kommende Running Death-Album.

Und wir erfahren: „Das Thema Cover nehmen wir sehr ernst! Das ist das erste, was der potenzielle Käufer wahrnimmt und eventuell deshalb entscheidet, ob er die CD anhört oder nicht. Am liebsten wäre uns dafür jemand im nahen Umfeld. Es wäre schön, einen persönlichen Bezug zu den Leuten zu haben, die dabei mitwirken. Aber wenn uns das Ergebnis nicht überzeugt, dann lassen wir es letztlich einen Cover-Profi machen. Namen will beziehungsweise kann ich da noch keinen nennen. Eine Recherche neulich hat mir gezeigt, wie viele gute Leute es in diesem Bereich gibt. Jemanden, dessen grafische Werke mir am besten gefallen haben, konnte ich da allerdings nicht finden.“

Die kommenden Kompositionen der Kaufbeurer Thrash-Band werden markant und daher eingängig sein, wie der Gitarrist dazu schon mal primär informiert.

„Zum Hören finde ich sie sehr angenehm. Die neuen Stücke sind abwechslungsreich und bei mehrmaligem Hören kann man immer wieder neue Sachen darin entdecken.“

Wie viel Zeit das gesamte Songwriting für das kommende Debütalbum in Anspruch nehmen wird, das kann mein Gesprächspartner nicht genau beantworten. Fest steht jedenfalls:

„Es kommen auch alte Ideen von uns wieder darin vor. Wir werden mehr Material haben als das, was am Ende auf das Album kommt. Da wird dann ausgemistet. Die Zusammenarbeit bei uns klappt sehr gut. Momentan machen wir die Vorproduktion, um uns alles mal genauer anzuhören und dementsprechend Verbesserungspotenzial finden.“

Primäre lyrische Inhalte des zu erwartenden Debütalbums legt der Mann wie folgt in sportlicher Kürze dar: „Sozialkritische Texte, aber auch Dinge die uns persönlich beschäftigen.“

Songtexte werden bei Running Death mit derselben Sorgfalt wie die Musik erstellt. Simon konkretisiert den Kontext:

„Es ist wichtig, dass der Song eine Aussage hat, der Text gut zu singen ist und dass er prägnant ist an manchen Stellen wie beispielsweise in den Refrains.“

Seine erste selbst gekaufte Metal-CD war das „Black In Mind“-Album von Rage. „Ja, ich hör sie sehr gerne noch!“

Stehst du auch auf Metal-Vinyls, Simon? „Ich besitze keinen Plattenspieler. Daher hab ich keine. Meine Sammlung besteht aus CD's.“

Der Autor liebt seine allerersten Metal-Scheiben von damals noch heute aus ganzem Herzen und würde niemals eine davon schmähend behandeln. Und wie steht mein Gegenüber generell zu dem Thema musikalische Linientreue hinsichtlich eigenem Geschmack und auch hinsichtlich Stilistik seiner eigenen Band? 



„Musikalische Linientreue? Schwieriges Thema. Ich möchte niemanden verurteilen, der mal keinen Bock mehr auf Metal hat. Aber ich persönlich verstehe nicht, wie man einfach aufhören kann damit. Dafür gibt mir die Musik zu viel. Zur Band: Veränderungen kann es schon geben in Zukunft. Aber keine so drastischen, dass wir in eine andere Richtung einzuordnen sind!“

Und welche Bands packen den Running Death-Frontmann, welche Bands fesseln ihn, welche Bands betet er sinnbildlich gesehen regelrecht an? „Da sind zwei zu nennen. Für mich sind es Rage und Megadeth.“

Für Running Death hofft Simon für den Rest von 2014 vordergründig auf eine „geile Releaseparty!“ Mehr: „Ebenso hoffe ich ein paar Gelegenheiten mehr, um auf der Bühne so richtig auszuflippen. Und natürlich auf ein Debütalbum, das möglichst viel Gefallen finden wird!“

© Markus Eck, 17.04.2014

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