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Interview: ORDEN OGAN
Titel: Mit mutiger Offenheit

„German Teutonic Epic Melodic Power Metal“, exakt so sollte die Musik dieser immer beliebteren Hoffnungsträger international marketingstrategisch angepriesen werden.

Dabei auch genussvoll bombastisch, schön dezentsymphonisch und auch zeitgemäß am merklich traditionellen Werk, zeigt die 1996 gegründeten Schwermetallertruppe auch auf der aktuellen Liedersammlung, dem Album „Easton Hope“ auf, dass sie eisern gewillt sind zu den ganz Großen im Genre zu zählen.

Energische Instrumentierungen und tendenziell hymnische Passagen in den zuweilen progressiv angehauchten Kompositionen dienen Orden Ogan dabei als überaus probates Rüstzeug, was bislang nicht nur bei den Fans solcherlei Stilistik, sondern auch in der Fachpresse höchsten Anklang fand.

„Orden Ogan kommen aus dem Raum Arnsberg im Sauerland. Die Szene in unserer Region war jahrelang sehr überschaubar und es gab keine Auftrittsmöglichkeiten. Das war für uns der Grund 2004 zum ersten Mal unser WinterNachtsTraum-Festival zu veranstalten, welches mittlerweile zum größten Metalfestival des Sauerlandes und einer deutschlandweit bekannten festen Größe avanciert ist. Im Februar 2010 spielen dort u.a. Unleashed, Týr, Dark Age, Sacred Steel, Nightmare, Disillusion, The Mercury Arc, Mob Rules und natürlich Orden Ogan. In den letzten Jahren waren hier schon Bands wie Rage, Ensiferum, Skyclad, Eisregen usw.“, weiß Gitarrist und Sänger Seeb mir zu berichten.

Abbath von Immortal hat mal gesagt „Die Band in der du spielst sollte deine Lieblingsband sein“, so Seeb.

Und der Orden Ogan-Frontmann sieht das ganz genau so, wie er nachfolgend erzählt.

„Die Musik die du komponierst sollte genau das sein, was du am liebsten hören würdest. Da es keine Band gibt, die Orden Ogan wirklich ähnlich klingt wussten wir recht schnell wie der Orden Ogan-Sound sein würde. Wir werden oft mit Blind Guardian verglichen, aber ich denke das liegt nur am Mangel weiterer Schubladen, denn obwohl es einige ähnliche Elemente im Sound gibt machen Blind Guardian doch ganz andere Mucke. Bei Blind Guardian zählt der Thrash-Faktor mehr und bei den neueren Sachen der anspruchsvollere Art-Rock beziehungsweise Prog, bei uns sind es hingegen die modernen Metal-Elemente, Riffs und atmosphärische Orchesterarrangements bis in den Gothic-Bereich hinein. Wir lieben einfach diese düster-melancholische und doch edle und sehr melodische Stimmung. Das habe ich zumindest noch bei keiner anderen Band so gefunden.“

Bei Orden Ogan ist das Songwriting größtenteils Bauchsache, wie Seeb zu Protokoll gibt. „Die Ideen und auch Arrangements fließen aus einem heraus, zum Großteil entwickelt sich ein kompletter Song bei uns schon aus dem Gefühl der einzelnen Elemente, dafür muss man nicht mal eine Gitarre in der Hand gehalten haben. Songs die so entstehen sind auch meistens die besten Nummern und das ist ein kontinuierlicher Prozess. Wir entwickeln jetzt schon wieder neue Ideen. Ich denke was den Orden Ogan-Sound so anders macht ist die Offenheit gegenüber stilistisch fremden Elementen (Synthiesounds, Chöre, Orchester usw.), den Mut diese einzusetzen und vor allem ein gesundes Ohr dafür zu haben wenn etwas mal nicht funktioniert“, verkündet er lachend.

Die musikalischen Ziele und Interessen mit der Band waren von Anfang an und sind noch immer dieselben, so der Gitarrist und Sänger.

„Primär geht es uns um Selbstverwirklichung. Wir machen unsere Musik in erster Linie weil wir Spaß daran haben und vermutlich ist es genau das, was die Leute den Alben anmerken – die Liebe zum Detail und zu dem was man da tut. An dem Tag, an dem ich mich hinsetzen muss um aktiv einen Song zu schreiben obwohl ich das gerade nicht aus eigenem Antrieb möchte, werde ich aufhören Musik zu machen. Natürlich freuen wir uns riesig über den Erfolg der Band und das es Leute gibt, die unsere Platten kaufen und hören, zu Konzerten kommen und beispielsweise über Myspace Nachrichten schicken. Aber verbiegen würden wir uns trotzdem niemals.“

Für die Aufnahmen und den Mix von „Easton Hope“ haben Orden Ogan laut Aussage des Vokalisten insgesamt etwa fünf Monate gebraucht.

„Da ich hauptberuflich in meinem eigenen Studio arbeite waren die Aufnahmen relativ kostengünstig machbar. Diesmal haben wir uns auch einen Traum erfüllt uns zum ersten Mal in der Wildeshausener Kathedrale mit einem echten Chor aufgekommen. Das kann man sich auch im auf YouTube veröffentlichten Making Of zu "Easton Hope"“ ansehen. Ich liebe die Arbeit im Studio – an kleinsten Details so lange herumzutüfteln bis sie perfekt sind – aber da ich diesmal Musiker, Engineer, Produzent und Mischer in Personalunion war und wir gegen Ende im Mix sehr in Zeitnot gerieten war das Ganze auch eine sehr anstrengende Angelegenheit. Spieltechnisch ist der Orden Ogan-Sound sowieso schwer umzusetzen (Beispiel: "Nobody Leaves"), aber da die Jungs durch die Bank sehr gute Musiker, sehr entspannte und lustige Leute sind war das eigentlich kein Problem. Schwieriger gestaltet sich allerdings die Live-Umsetzung der neuen Stücke, da wir erst hinterher gemerkt haben, wie komplex und schwierig das neue Material eigentlich ist. Es ist jetzt erstmal wichtig die Songs auf das wesentliche für den Live-Einsatz zu reduzieren, ohne dass dabei wichtige Elemente verloren gehen. Dieser Prozess ist extrem spannend. Wir improvisieren live gern und setzen sowieso seit jeher nicht alles eins zu eins um. Das ist doch auch langweilig, oder? Da kann man sich auch gleich die CD reinschmeißen“, konstatiert er.

Mit dem vorliegenden Endresultat in Albumform sind die Beteiligten total zufrieden, wie mein Gesprächspartner darlegt.

„"Easton Hope" ist unsere "Master Of Puppets" geworden. Das Songmaterial ist das stärkste, das wir je komponiert haben und die viele Arbeit, die wir in die Produktion und den Mix gesteckt haben, hat sich ebenfalls ausgezahlt. Ich glaube nicht, dass man unsere Musik soundtechnisch wesentlich besser umsetzen kann. Das Sahnehäubchen ist das fantastische Mastering von Sound-Guru Michael Schwabe (Monoposto Studio, u.a. Tote Hosen, H-Blockx, Xavier Naidoo usw.). Er hat den Mix noch mal auf ein neues Level gehoben, vom erneut grandiosen Coverartwork von Andreas Marschall ganz zu schweigen. Im Moment gibt es wirklich nichts, was wir selbst an der Platte auszusetzen hätten.“

Wir beschäftigen uns anschließend mit Einflüssen und Inspirationen. Seeb expliziert hierzu:

„Alles was dir über den Weg läuft kann auf irgendeine Art und Weise Inspiration sein. Wir hören alle sehr unterschiedliche Musik, von Jazz über Filmmusik bis Death Metal ist alles dabei. Genau festmachen kann man das allerdings nie. Zwei Songs stechen hier allerdings etwas heraus: Zum einen wäre da "We Are Pirates", der sich als ultimative Running Wild-Hommage versteht, unsere Art dem desertierten Rock'n'Rolf Danke zu sagen für so viele Stunden toller Musik. Zu diesem Song haben wir auch einen Videoclip gedreht, bei dem wir tatkräftig von Ex-Running Wild-Gitarrero Majk Moti unterstützt wurden. Zum anderen gibt es da "Nothing Remains". Eine Nummer, die schon in einer frühen Songwriting-Phase den Charme alter Blind Guardian-Klassiker ausstrahlte, vor allem, was das Drumming anging. Wir haben gescherzt und uns gesagt, dass eigentlich nur ex-Blind Guardian-Trommler Thomen "The Omen" Stauch diesen Song richtig spielen könnte. Was soll ich sagen. Wenige Tage später rief unser Management an und sagte uns, dass Thomen Stauch die Nummer sehr gern für uns eintrommeln würde.“

Der weitere Gesprächsinhalt konzentriert sich auf die Songtexte. „Die entstehen meist wie die Musik an sich aus einem selbst heraus. Der Prozess ist schwer zu beschreiben und genau so wenig gut nachvollziehbar. "Easton Hope" ist genau wie der Vorgänger "Vale" ein Konzeptalbum. Bei "Vale" war das allerdings nicht beabsichtigt, sondern wir stellten erst nach Vollendung der Songs und Texte fest, dass es da irgendwie einen roten Faden gibt. "Easton Hope" erzählt die Vorgeschichte der Story auf "Vale". Übertragen geht es um die Frage nach der Gewichtung und des Wertes des Lebens und der Frage, was die Menschen anfangen mit der Freiheit, die ihnen gegeben wird. Ein an sich hochphilosophisches Thema im Fantasy-Gewand. Die Konzeptstory haben wir übrigens aus Platzgründen nicht im Booklet abdrucken können. Besitzer der Original CD können sie jedoch auf der offiziellen Orden Ogan-Homepage oder auf der AFM Records-Seite downloaden.“

Da Seeb laut eigenem Bekunden sowohl die Texte als auch die Konzeptstory zu „Easton Hope“ schrieb, die gegenseitig ineinander greifen, kann er mir dazu fundiert berichten.

„Bei "Easton Hope" wurden erneut die Lyrics verfasst bevor die Konzeptstory fertig war. Alles andere hätte die Texte in ein Korsett gezwungen und uns beim Komponieren beziehungsweise Schreiben zu stark limitiert. Wie bei fast jeder Metalband steht bei uns eher die Musik im Vordergrund, aber was ist ein tolles Riff ohne einen eingängigen Refrain zum mitsingen?! Was das Texten selbst angeht – da gibt es mehrere Ansätze: Einige Songs haben einen tiefgehenden persönlichen Background ("Requiem"), manche sind philosophisch inspiriert ("Welcome Liberty") und bei anderen schreiben wir sehr phonetisch ("All These Dark Years") – also so, dass es einfach gut klingt und sich in den Kontext des Albums einbetten lässt. Reine politische Texte kommen für uns aber nicht in Frage, das beraubt die Musik ihrer Eigenständigkeit und macht sie nur noch zum Transportmittel für dumme Parolen. Für mehr ist in einem Fünfminuten-Song nämlich kein Platz.“

Anfang 2010 wird es natürlich Releaseshows zum neuen Album geben.

Und zwar u.a. mit Dream Evil im Turock, Essen oder auf dem bandeigenen WinterNachtsTraum Festival in Arnsberg, weiß der singende Gitarrist noch zu berichten.

„Weiterhin sind mehrere Tourneen in Planung, aber bisher ist noch nichts offiziell bestätigt. Im Sommer geht’s dann auf einige Festivals, von denen das Wacken Open Air sicherlich den Höhepunkt für uns darstellt. Wir hoffen möglichst viele deiner Leser dort vor der Bühne begrüßen zu dürfen!“

Orden Ogan freuen sich laut Seeb nun erstmal riesig auf den Release des Albums im Januar, die Pressestimmen dazu und natürlich die Reaktionen der Fans.

„Im August werden wir dann in Wacken total durchdrehen und rocken bis der Arzt kommt. Im Winter geht es wieder intensiver ans Songwriting. Natürlich wäre es toll irgendwann mal nur noch Musik zu machen. Wir arbeiten dran!“ [lacht]

© Markus Eck, 22.12.2009

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