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Interview: NEKROPOLIS
Titel: Provokative Sprachführung

Diese fünf Schweizer bolzen mit ihrem neuen Album „The Perversion Of Humanity“ eine gehörige Death Black Metal-Ladung raus. Mittels dieses enorm facettenreichen Debütalbums konnten Nekropolis bisher ein nicht geringes Maß an wohlwollender Aufmerksamkeit erlangen, ist der Silberteller doch eine ebenso brachiale wie durchdachte Ohrenpackung geworden.

Laut Gitarrist Marcel Rösch alias Marcellus standen bei der Gründung von Nekropolis im Jahr 1998 diverse einschlägige Berühmtheiten Pate für die stilistische Selbstfindung: Deicide, Dissection, Cannibal Corpse, Machine Head, Metallica, At The Gates und viele weitere bekannte Kapellen:

„Nekropolis haben sich entwickelt und wir können jetzt auf ein Album schauen, welches aus unserer Sicht doch eine recht eigene Note vorgibt. Auf jeden Fall findet man Parallelen zu anderen Bands, aber bei diesem riesigen Musikangebot ist das auch nicht weiter verwunderlich.“

Und das Debütalbum läuft wie erwähnt erstaunlich gut an. „Auf Grund der uns bekannten Fanbase konnten wir mit einem gewissen Absatz schon im Voraus rechnen. Diese Erwartungen haben sich auch erfüllt oder sogar etwas übertroffen. Erstaunlicher war mehr, welche Leute aus der ganzen Schweiz über unsere Homepage CDs bestellt haben. Wir erklären uns das auch ein wenig mit den rundum gut ausgefallenen Reviews in über 70 Magazinen. Die Reviews sind rundum gut bis sehr gut, was uns mit Stolz erfüllt. Mit der Zeit wiederholen sich die Meinungen der Rezensenten auch, was es für uns einfacher macht für ein nächstes Album genau auf die Schwachpunkte einzugehen, uns aber auch in unseren Stärken weiterzuentwickeln; wovon Letztere in den Magazinen in der Mehrzahl sind.“

So wollen die fünf spielfreudigen Eidgenossen das Gelernte aus der Produktion von „The Perversion Of Humanity“ mitnehmen um sich entsprechend noch detaillierter und konkreter auf die nächste Scheibe vorbereiten zu können. Marcellus lässt Neugierige wissen:

„Es wird sicher keine totale Abkehr zu unseren Grundzügen werden und doch wollen wir uns verbessern. Auch im Review hier sind Punkte aufgeführt, die wir in einem nächsten Review lieber nicht mehr lesen würden. Also beispielsweise einen Song bringen, der ganz speziell heraus sticht. Aber zurzeit wollen wir dieses Album unter die Leute bringen und werden für eine weitere Produktion für alles offen bleiben und nicht borniert auf etwas beharren.“

Die Songtexte von Nekropolis sind in gewisser Weise sehr gesellschafts-, wirtschafts- und religionskritisch, wie zu erfahren ist. „Das Ganze wird dann bei uns durch eine ziemlich provokative Art der Sprache untermalt. Deshalb sind unsere Texte wohl nicht immer gleich nach dem ersten Hören zu verstehen. Mal ganz abgesehen davon, man verstehe sie trotz dem Gekreische und Gegrunze“, lacht der Axeman, „wir wollen damit keinesfalls die Welt verbessern. Es gibt schon genügend andere Personen die das unbedingt versuchen. Die Texte sind einfach gesagt unsere Ansicht der Dinge.“

Die Musiker samt einem sie immer etwas begleitenden Produzenten legen großen Wert darauf, dass jeder der Beteiligten gleich viel zu sagen hat. „Wir haben sicher Elemente, welche im Theoriebereich stärker sind, was sich auch in der Komplexität eines Songs widerspiegeln kann. Doch bestehen auch die nötigen Gegenpole, dies nicht zu experimentell lassen zu werden. Jeder hat seine Vorstellung eines neuen Songs und da wird halt gearbeitet bis eine Variante da ist, mit der sich jeder zufrieden geben kann. Wenn es aber sonst um Nekropolis geht, stehen wir zusammen wie eine Familie.“

Laut Marcellus wurde ganz klar angestrebt, dass mit „The Perversion Of Humanity“ ein Album erscheint, welches von einem sauber erkennbaren roten Faden durchzogen ist. Und dies ist ihnen aus ihrer Sicht, aber auch in all den Reviews lesbar, gut gelungen.

„Die Songs sollten keine achtminütigen Großwerke werden, sondern logische Gebilde, die eingehend anzuhören sind. Auf der anderen Seite musste es unbedingt voller Aggression, Wut und technisch anspruchsvoll sein.“ Inspirationen für all die Texte der neuen Songs wurden aus dem Leben an sich bezogen, erklärt er mir.

Die musikalische Symbiose von Nekropolis ist sehr interessant, ich frage daher hierzu im Weiteren gezielt nach. Und zu erfahren ist:

„Dies kommt sicherlich daher, dass jeder von uns seinen ganz eigenen persönlichen Musikstil favorisiert, welchen er sich privat zuhause sehr gerne anhört. Unser Bassist Reto beispielsweise kommt von früher her eher aus dem Death Metal-Bereich und ist für das „Böse“ beziehungsweise die Death Metal-Elemente zuständig und schaut, dass es mit mir als Thrash Metal-Süchtigem nicht zu weit geht. Unser Beni ist vom Keyboard her ohnehin an den Black Metal-Bereich gebunden, was unser Sänger Marc mit seiner Stimme sicherlich auch unterstützt. Thies' Drumming ist einzigartig brutal und gib dem Gesamten die nötige Power. Andreas Sigrist, unser Produzent für diese Scheibe, gab den Songs am Ende den letzten Schliff. Mit David dem neuen Gitarristen kommt ein weiterer Bereich hinzu, der sich bestimmt in den neuen Songs widerspiegeln wird. Ich denke, es sind genau diese Unterschiede, welche Nekropolis die nötige Eigenständigkeit in der großen Masse geben.“

Bei ihrer CD-Release Party haben die Jungs nun erstmals auch mit ein paar Accessoires auf der Bühne gearbeitet. „Daniel Steffen, der für uns Videoclips dreht, hat einige Schädel moduliert und die mit verschieden reagierenden Lampen versehen. Weiter hat er einen Kopf konstruiert, aus dessen Augen Blut spritzt; natürlich aber kein echtes. Aber ansonsten lebt die Show von unserer Performance gegen vorne und dem Sound. Bis jetzt hatten wir noch nie unzufriedene Leute, die sich über die Bühnenaktivitäten beschwert hätten. Schließlich machen wir ja Musik, um sie live darbieten zu dürfen und da geben wir entsprechend immer alles.“

Nekropolis haben sich in den sechs Jahren ihres Bestehens von einer Garagenband zu einer Truppe entwickelt, die laut Auffassung von Marcellus mit internationalen Größen mithalten kann.

„Während der vielen Live-Auftritte und den Produktionen zu den ersten beiden Demo-CDs und dem jetzigen Longplayer haben wir riesige Fortschritte gemacht. Es gibt noch viel zu lernen bis wir an Dimmu Borgir oder Cradle Of Filth herankommen könnten, aber der Weg ist der richtige. Wir werden weiter hart an uns arbeiten, um die nächsten Schritte auch zu gehen.“

Wir sprechen noch über den Bandnamen. „Warum auch immer, aber ein griechischer Name wurde angestrebt. An einem regnerischen Nachmittag, sassen Beni, Marc und Reto bei vielen Bieren in einer Kneipe und hatten ein griechisches Wörterbuch im Gepäck. Einer der Jungs stieß ein Messer ins Buch und dort wo die Messerspitze stehen bleiben würde, dies sollte der neue Bandname werden. Tja, glücklicherweise traf es auf ein Wort, das dem damals angestrebten Image von „dunkel und böse“ entsprach. Nekropolis heißt ja „Stadt der Toten“ oder „Friedhof“. So war's.“

Trotzdem hat die Band mit dem Teufel ungefähr soviel zu tun wie mit Gott oder sonstigen Religionsaushängeschildern, also laut Bekennen von Marcellus rein gar nichts.

„Zwar sind wir meist schwarz gekleidet, spielen mit den Klischees von Pentagrammen, verkehrten Kreuzen, Totenköpfen und Blut. Aber dass wir mit dem Herrn der Hölle sympathisieren, wäre eine reine Falschaussage oder -interpretation.“

In diesem Jahr 2005 wollen Nekropolis möglichst viele Konzerte in der Schweiz geben, damit sie ihre CD weiter gut unters Volk bringen können. Aber das ist selbstverständlich nicht alles: „Zurzeit sind wir bereits in konkreten Vorbereitungen für eine kleine Tournee durch den Osten von Europa. Für Ende September beziehungsweise Anfang Oktober wollen wir in den nächsten Wochen damit beginnen, eine Herbsttournee durch Deutschland und eventuell auch Holland zu planen. Hervorzuheben ist auch, dass wir immer noch auf der Suche nach einem guten Label sind. Ich denke wir haben ein Album, welches sich vorzeigen und 100%ig auch außerhalb der Schweiz verkaufen lässt. Diesbezüglich bleiben wir zuversichtlich. Mit der Energie, mit der wir hinter diesem Produkt und dieser Band stehen, sind gepaart mit diesem Album, alle Voraussetzungen für eine Plattenfirma absolut vorhanden.“

© Markus Eck, 21.01.2005

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