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Interview: MYSTIC CIRCLE
Titel: Vorwärts durch einen Schritt zurück
Mittels „Damien“, dem Albumvorgänger, schien die neuzeitliche stilistische Routenführung dieser schwäbischen Black Metal-Helden vorerst zielsicher und linientreu festgelegt. Die musikalische Entwicklung des stand- und kompositionsfesten Teufelstrios unter Tieftonbiest und Kehlenmasochist Graf von Beelzebub brachte über die Jahre ja so manche Überraschung mit sich.

Doch Mystic Circle wären nicht sie selbst, wenn nicht jetzt auf dem aktuellen Album „Open The Gates Of Hell“ abermals eine etwas modifizierte Stilistik zu vernehmen wäre. So sollten sich am Nachmittag des 19.06.2003 erst die Türen des in Frankfurt am Main gelegenen Cream Studios öffnen, dann die Tore der Hölle. Denn Label, Produzent Gerhard Magin und die Band luden diverse Journalisten zum Studioreport für das brandneue Werk. Wo auch schon legendäre Rock-Opas wie Nazareth und für mich völlig indiskutable Teenager-Figuren wie Nena aufgenommen hatten, saßen nun Beelzebub, Saitenkiller Ezpharess sowie Schlagwerker Necrodemon.

Gemastert wurde „Open The Gates Of Hell“ in den Finnvox-Studios, welche auch schon höchst populären Acts wie Him, Stratovarius und Children Of Bodom wohlklingende Nordsounds verpassten. In Frankfurt anwesende Griffelknechte mussten sich an diesem Tage vorerst jedoch mit ungemastertem Material zufrieden geben. Laut Bandboss Beelzebub behandelt das aktuelle Album „die Beschwörung der Öffnung der Pforten der Hölle.“ Als Grundlage zur Erarbeitung der neuen Stücke diente das unheilige Buch Necronomicon.

Nach einem gewohnt unheilvollen und knisternden Horror-Intro verschlang dann der Opener „Beyond The Black Dawn“ die Stille.

Schnell fiel auf, dass Mystic Circle wieder ursprünglicher klingen, als ich mir das erwartet hätte, was sich primär in lustvoll gezockter Heavy Metal-Gitarrenarbeit traditioneller Anmut, sekundär in verwendeten Death Metal-Parts und tertiär im unbekümmert bestialischem Gesang äußert.

Der bedrohliche Beschwörer „Satanic Rituals“ verdeutlichte die gewonnenen Eindrücke. Abwechslungsreiches Riffing und überaus differenziert polterndes Drumming animieren hier schnell zu ekstatischem Mattenschütteln.

Die Band wirkt damit einerseits vielseitiger und kompositorisch offener, andererseits mehr denn je auf ihre Wurzeln bezogen. So ist „Awaken By Blood“ pfeilschneller und hochaggressiver Satanic Old School Death Metal, dessen unbarmherzige Rhythmik und hundsgemeine Attitüde so richtig wuchtig aus den Speakern donnern. Auffallend sind hier die abermals gesteigerten spielerischen Fähigkeiten des langjährigen Gitarrenschleifers Ezpharess.

Mit dem nachfolgenden Tragikstück „Wings Of Death“ bewegen sich die drei stockdunklen Schwermetallschwaben erstmals auf dieser neuen Platte in harmonischer orientierten Gothic Metal-Gefilden und dulden hier sogar lieblichen Frauengesang im tosenden Output. Herrliche Keyboardkreationen wissen diesen Track dezent zu veredeln.

Einer erneut sehr atmosphärischen Introduktion folgt der tollwütige Titelsong, welcher als zackiger Dämonentanz klassifiziert werden kann: Ein harsches Riffmonster von unbarmherziger Häme und erbaulich präziser Taktung, tiefteuflischer Todesstahl traditionell inszenierter Ausprägung. Einem erneuten Intro schließt sich „The Book Of Shadows“ an, temporeich, knallhart und grausam, mit interessant akzentuierter Melodik. In diesem Fahrwasser kreuzen auch „Burning Souls“ und der bitterböse Rausschmeißer „Demoniac Dimension“.

Der erneute stilistische Kurswechsel dieser drei schwäbischen Black Metal-Knechte ist also unüberhörbar, Mystic Circle haben sich auf ihrem neuen Werk „Open The Gates Of Hell“ ohnehin mehr denn je dem ursprünglichen und rauen Death Metal verschrieben. Keyboards sind bis auf eine überraschende Song-Ausnahme somit nun fast ganz aus dem Gesamtsound verschwunden.

„Open The Gates Of Hell“ wird nach Auskunft der Band im November 2003 veröffentlicht werden.

Vorher werden Beelzebub und seine beiden Mitstreiter laut eigenem Bekunden jedoch noch live im fernen Australien zu sehen sein und den dortigen Schwermetallern sowie einheimischen Känguruhs und Beuteltieren eine schallende Schwarzmetalllektion erteilen.

Und unmittelbar vor dem Release des Albums wird das schwäbische Trio Infernale wieder in unseren Breitengraden auf der Bühne um sich wüten. Die Stimmung in der Band ist derzeit sehr gut, wie ich erfuhr:

„Wir können es kaum erwarten bis das neue Album auf den Markt kommt. Wir sind sehr zufrieden damit und bereiten uns derzeit auf eine ganze Welle von Live-Gigs vor“, schwingt Bassist, Sänger und Songtexter Beelzebub eingangs das verbale Zepter. Der neue Drummer Necrodaemon ist schon seit längerem zum festen Bandmitglied geworden, wie im Weiteren zu erfahren war.

„Er hat sich sehr gut eingelebt. Ich denke, ihm gefällt es bei uns und wir werden sicher noch einige geile Stücke zusammen schreiben und eine tolle Zeit mit ihm verleben. Wir hoffen, dass er nun länger bei uns bleiben wird, denn das derzeitige Bandgefüge ist das professionellste und menschlich beste, welches wir je hatten.“

Laut seiner Aussage wollten Mystic Circle mit „Open The Gates Of Hell“ in erster Linie ein hartes Album machen, welches trotzdem die gewohnte Portionierung an Melodie und den typischen Mystic Circle-Stil besitzt:

„Wir haben Härte auch durch Mittelparts produziert und sind insgesamt einen Schritt zurückgegangen. Denn man hört auf dem Album, wie wir wirklich live klingen – also nicht Tausende von Gitarrenspuren und Keyboardmelodien. Aber natürlich haben wir nicht ganz auf Keyboards verzichtet, denn die auf dem Album enthaltene Gothic-Nummer `Wings Of Death` zeigt, dass wir auch das nicht verlernt haben. Alles in allem bin ich davon überzeugt, dass es vom Sound und den Songs her das reifste und abwechslungsreichste Album unserer Bandgeschichte ist.“

Mystic Circle haben ihre Wurzeln im satanischen Death Metal: „Für uns bedeutet dies, extreme dunkle Musik zu machen. Wir spielen Dark Satanic Metal, also die ganze Bandbreite extremer Musik, schrecken aber niemals vor Melodien und Bombast zurück. Auf der aktuellen Platte sticht somit das Brutale heraus – trotzdem werden wir uns nicht in eine bestimmte stilistische Ecke drängen lassen. So sind wir nicht gezwungen, immer mehr und mehr an instrumentellem Zusatz aufzufahren, wie zum Beispiel ein Orchester. Was soll danach kommen? Wie sollten wir das live präsentieren? Das können andere Bands machen, wir nicht“, stellt mein Interview-Partner in aller Entschlossenheit klar.

„Unsere Fans sollen darauf abgehen, bangen und grölen, was das Zeug hält“, wünscht er sich, und hängt unmittelbar daran an: „Und dann sollen sie beim Song `Wings Of Death` eine Überraschung erleben, dessen Gänsehauteffekt auskosten.“

Der aktuelle Albumtitel „Open The Gates Of Hell“ sowie die neuen Songs handeln wie erwähnt davon, die Pforten der Hölle zu öffnen, gibt mir der Mystic Circle-Boss zu Protokoll:

„Die neuen Stücke sollen musikalisch ein wahrer Hammerschlag sein und der Albumtitel `Open The Gates Of Hell` ist ein starker Slogan der genau auf die Musik passt. Denn es sind Beschwörungen und Riffings, die auf dem Album diese Pforten öffnen.“

Ein Konzept steckt jedoch nicht dahinter, wie Beelzebub aufklärt. „Jeder einzelne Song beschäftigt sich mit Beschwörungen oder aber gibt einen Einblick auf alte Überlieferungen, die davon berichten, wie es in der Hölle aussehen könnte. Natürlich handeln die Songs aber auch über die Dämonen der Hölle.“

Das aktuelle Cover-Artwork überzeugt mich nicht. Wenn ich das wirklich fantastische Motiv vom damaligen vorletzten Album „The Great Beast“ zum Maßstab nehme, haben sich die Frontcover von Mystic Circle meiner Meinung nach leider rückgängig entwickelt. Das neue Frontbild sieht mir doch etwas „kiddie-comic-haft“ aus. Beelzebub sieht dies jedoch ganz anders:

„Wir selbst haben die Idee zum aktuellen Cover gehabt und finden, dass es genau die Stimmung des Albums rüberbringt. Es beschreibt eine schwarze Messe, welche im Song `Satanic Rituals` beschrieben wird. Wir sind sehr damit zufrieden und werden unseren stil auch weiterführen mit den gezeichneten Covern. Siehe Iron Maiden, die machen das schon seit zwanzig Jahren. Ich denke es gehört auch zum Erkennungsmerkmal einer Band, und wie gesagt, das Cover fügt sich genau in die Discografie von Mystic Circle ein.“

Da ich nun schon länger keinerlei Hetze mehr gegen die Band vernommen habe, haben sich die verleumderischen Stimmen der Neider und Denunzianten der letzten Jahre wohl nun wieder gelegt. Beelzebub legt im Nachfolgenden die gegenwärtige Situation dar.

„Nun, die Leute wissen, dass wir hinter dem stehen, was wir machen und nicht irgendwelche Lutscher sind. Mystic Circle gibt es seit 1992 und wir sind heute eine etablierte Metal-Band. Die Szene wird auch wieder größer und die ganzen kleinkarierten Arschlöcher sterben aus, da sie nichts mit Metal zu tun haben, sondern nur ihren Frust an irgendwelchen Leuten auslassen, egal ob an uns oder an anderen Gruppen. Wir haben jedenfalls immer weiter gemacht.“

Haben ihn speziell diese negativen Erfahrungen als Mensch, als Charakter besonders geprägt, besonders stark gemacht? Er bekennt:

„Wie gesagt, die Band ist unser Leben. Und Musik ist das, was wir können und machen. Mystic Circle ist eine Berufung und nicht nur ein Hobby.“

Was mich schon länger interessiert: Was hat der Bandname zu bedeuten?

„Der mystische Kreis ist eine Zusammenkunft von Leuten, die auf dunkle extreme Musik stehen und wir erwarten viel von jedem Bandmitglied. Man muss hier viele Opfer bringen, für wenig Geld. Wie zum Beispiel das Touren und Studioproben. Das kostet viel Zeit und deshalb sind auch viele Mitglieder wieder von uns gegangen, da die Band mehr als ein Hobby ist und wir sehr wenig Geld damit machen konnten. Aber es geht bergauf. Wir sind jetzt eine Einheit zu dritt und in der Zukunft wird sich noch einiges Geiles ergeben, denke ich.“

Zukünftige Bühnenshows werden seiner Voraussage nach schlicht und brutal gestaltet werden. „Wir spielen demnächst viele Headlining-Shows in ganz Deutschland. Ab September 2003 geht es dann ja für uns ab nach Australien und ab Ende Oktober betouren wir ganz Europa. Im Dezember spielen wir hierzulande wieder einige Gigs als Headliner und im Januar 2004 reisen wir für einige Konzerte nach Südamerika.“

Er schließt das Gespräch ab: „Wir danken allen Leuten, die uns die ganzen Jahre über unterstützt haben! See you on tour! Besucht unsere homepage www.mystic-circle.de Wir hoffen wirklich, das neue Album gefällt euch, denn es steckt viel 'blood, sweat and tears' drin.“

© Markus Eck, 23.06.2003

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