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Interview: MOLLLUST
Titel: Mit zutiefst beseelter Leidenschaft

Der kalte Januar 2010 brachte die Gründung dieses in allen Belangen außergewöhnlichen Leipziger Ensembles hervor, in dem sich ausgesprochene Ästheten für eine gemeinsame musikalische Vision zusammenfanden: Opera Metal.

Dementsprechend wird bei Molllust den alten Großmeistern der prächtigen Klassik auf instrumentelle und gesangliche Weise genauso leidenschaftlich und versiert gehuldigt wie der dazu vermeintlich eher konträren Schwermetall-Stilistik. Doch die findige ostdeutsche Ausnahme-Band um die klavierspielende Sopranistin Janika Groß fühlt sich bei solcherlei vielschichtigen und emotional kontrastreichen Klängen deutlich hörbar am wohlsten, wie das aktuelle Album „Schuld“ mit hohem gesamtkünstlerischen Anspruch aufzeigen kann.

Prägnant auffallend im herausragend niveauvollen Repertoire der seriösen Leipziger Notenkünstler ist vor allem die sinnlich stimulierende, nicht selten gar glockenhell jubilierende Sopranstimme von Kehlen-Talent Groß. Kein Wunder, denn gesungen hat sie laut eigenem Bekunden, seit sie physisch dazu in der Lage war, sogar schon als Kleinkind. So folgten nach und nach mehrere Chöre, in denen ihre Stimmbildung fortschritt. Professionalisiert hat das ansehnliche Aushängeschild von Molllust das Ganze in geradezu vorbildlicher Weise ab 2005 – von da an hat sie aktiv Gesangstunden genommen und gezielt an ihrer Stimme gearbeitet.

„Die Idee, auf diese Weise Klassik mit Metal zu vereinen, hatte ich bereits als Jugendliche. Ursprünglich komplett aus der Klassik kommend, faszinierten mich Projekte wie beispielsweise Therion oder alte Nightwish-Lieder mit Tarja. Doch mir ging die Vereinigung von Klassik und Metal hier nicht weit genug – mir kamen die Möglichkeiten der Klassik zu kurz. Ich wollte den Nuancenreichtum, das Feine, Filigrane aus der Klassik bewahren und in Kontrast mit der schroffen Härte und Ungezügeltheit des Metal stellen. Weil ich einfach keine Band fand, die das so umsetzte, wie ich mir das vorstellte, gründete ich eben meine eigene, nachdem ich dafür gesorgt hatte, dass meine musikalischen Fähigkeiten auf dem für meine Pläne notwendigen Level sind. Das war im Herbst 2009. Mit Frank fand ich Anfang 2010 meinen ersten Mitstreiter, der heute noch dabei ist. Ende 2011 hatte ich schließlich eine komplette Besetzung zusammen“, lässt Janika zum basierenden Hintergrund ihrer Band wissen.

„Wir suchten nach einem Bandnamen, der unsere Art Musik zu machen beschreibt. Molllust setzt sich zusammen aus Moll, also dem Tongeschlecht, da wir größtenteils in Moll schreiben, und Lust – ein Ausdruck unserer Freude an der Musik. Darüber hinaus klingt es ähnlich wie Wollust. Das war tatsächlich im ersten Moment nicht einmal beabsichtigt. Als ich den Namen vorschlug, wurde ich auch prompt falsch verstanden und bekam einen folglich recht ungläubigen Blick mit entsprechendem Kommentar von Frank ab. Uns gefiel das Wortspiel aber, da für uns Musik auch sehr viel Leidenschaft bedeutet. Und diese steckt wiederum in Wollust.“

Anschließend gezielt danach befragt, was in ihr so alles vorgeht, wenn sie singt, wenn sich Janika in ihren Vortrag vertieft, offenbart die Feinsinnige:

„Es ist ein Wechselspiel von inneren und äußeren Einflüssen. Auf der einen Seite lebe ich natürlich die Emotionen, die in der Musik und in den Texten liegen. Ich muss jede Zeile fühlen, um sie auch authentisch nach außen tragen zu können. Im Idealfall läuft das wie von selbst und ich denke sonst gar nichts weiter, genieße einfach nur das Musizieren an sich. Andererseits habe ich auch ein perfektes Klangbild im Ohr, was ich mit jeder Darbietung wieder zu erreichen versuche. Wo ich mich auch mal kurz ärgere, wenn mir etwas nicht perfekt gelingt. Auf Konzerten kommt dann natürlich noch die Außenwelt hinzu – kann ich dem Publikum vermitteln, was mich bewegt? Versteht es meine musikalische Sprache? Ich freue mich sehr, wenn ich spüre, dass ich mit meinen Zuhörern auf einer Wellenlänge schwimme und es macht mich ein wenig traurig, wenn ich bemerke, dass sie mich entweder nicht verstehen oder sich nicht darauf einlassen wollen.“

So behandelt der weitere Dialog aus gegebenem Anlass die Frage, wie Janika als Frau mit Geschmack zur stetig anwachsenden, vor allem graphischen Brutalisierung in der Metal-Szene steht. Eine Brutalisierung mithin, die leider immer mehr zu Lasten von Qualität und Zeitlosigkeit geht. Wir erfahren zu diesem Kontext:

„Ehrlich gesagt fehlt mir hier oft die emotionale Bindung. Häufig ist die Darstellung so übertrieben, dass ich sie nicht mehr als authentisch empfinde – und dann löst das in mir nichts aus. Übertreibung ist denke ich ein absolut legitimes Mittel, um etwas hervorzuheben – wenn man es im gesunden Maß einsetzt. Manchmal ist die Realität an sich schon ausreichend brutal, da lenkt das ganze Blut doch eher von den schlimmeren Verletzungen ab – denen der Seele.“

Das weltweite musikalische Genre, in dem sich Molllust mit ihrer Musik bewegen, ist mittlerweile ebenso vielfältig wie unüberschaubar geworden. Janika erläutert zur Markt-Positionierung ihrer Formation:

„Ich sehe Molllust als ein Projekt, das Grenzen, die mit vielen Vorurteilen behaftet sind, zu überschreiten trachtet. Ich möchte den Klassikern abgewöhnen zu denken, dass ordinäres Geschrammel folgt, sobald ein Verstärker auf der Bühne steht. Und genauso möchte ich dem Metaller nahelegen, dass die feinen, in der Klassik schlummernden Nuancen mehr sind als Bombast-Streicherberge oder Intro-Musik. Ich denke, dass wir mit diesem Grenzgang ein bisschen Staub aufwirbeln können. Ich sehe uns nicht als direkte Nachfolger von bestimmten Projekten, aber es gibt viele Wegbereiter, die bereits auf verschiedene Weise daran arbeiten, diese auf den ersten Blick sehr verschiedenen Welten zu verbinden.“

Für die Anhänger möglichst dogmatisch zu befolgender historischer Aufführungspraxis sind Molllust natürlich ein Dorn im Auge, so die Frontfrau.

„Aber gerade in der Klassik finden wir extrem viele Menschen, die neugierig und aufgeschlossen dem gegenüber sind, was wir tun. Im Bereich der klassischen Musik gibt es sehr viele bewusste Zuhörer: Es wird sehr intensiv gehört und erkannt, was eigentlich alles in den Werken steckt. Das ist in diesem Bereich unsere Chance. Ein klassisches Konzert, bei dem ein Teil des Publikums sich permanent während der Darbietung unterhält – undenkbar, in der Unterhaltungsmusik aber leider häufig Realität.“

Die größte Inspirationsquelle für die Lyriken der Molllust-Kompositionen ist das wahre Leben, wie in Erfahrung zu bringen ist.

„Ihren Niederschlag haben aber sicher auch die Kunstlieder und damit altes, deutsches Gedichtgut gefunden, mit denen ich als klassische Sängerin natürlich automatisch intensiv zu tun hatte. Auch in der klassischen Oper gibt es teils sehr ansprechende poetische Textpassagen. Es gibt aber bislang erst ein einziges Stück, wo mich konkret eine literarische Vorlage inspiriert hat – und das ist auf ,Schuld‘ noch nicht zu hören. Was die Hintergründe der Songtexte anbelangt, so sind es meist reale Erlebnisse, die ich in einen anderen Kontext gebettet und versteckt habe. In ,Sternennacht‘ beispielsweise sprechen wir Mobbingopfern Mut zu, ,Kartenhaus‘ ist geballter Frust, als es mal so überhaupt gar nicht voran gehen wollte, und ,Spiegelsee‘ beschäftigt sich mit dem Titel der CD – mit Schuld. Oberflächlich betrachtet handeln viele unserer Stücke in irgendeiner Form um Liebe, darunter liegt aber meist eine Auseinandersetzung mit dem Menschsein an sich.“

Apropos, wie lief der Kompositionsprozess zum aktuellen Album-Dreher, Janika?

„Am Anfang war die größte Hürde die Kommunikation mit der E-Fraktion. Da ich wie die alten Komponisten Partituren schreibe, denke ich komplett in Noten. Im Gegensatz zu Gitarrist und Bassist, die haben viel lieber ihre Gitarren-Tabs. Das ließ sich aber leicht beheben – mit einem Computerprogramm. ,Guitar Pro‘ wandelt automatisch Noten in Gitarren-Tabs um. Dann müssen sich die Jungs diese nur noch zu halbwegs sinnvollen Grifffolgen zusammenschieben. Ansonsten gab es eigentlich keine großen Hindernisse. Hier und da wurde vielleicht mal ein Ton umgelegt, weil er auf einem Instrument extrem ungünstig lag, aber das war es auch schon. Weiterentwicklungen haben danach die Kompositionen aber definitiv erfahren. Zunächst durch Anregungen und Ideen der Bandmitglieder. Später auch durch den kreativen Input von Andy Schmidt im Studio.“

Janika schreibt, so berichtet sie ergänzend, ganz wie die alten Komponisten, Partituren. „Gelegentlich binde ich dabei auch mal ein Gitarrenriff von Frank ein. Die Bandmitglieder geben mir im Anschluss ein Feedback und bringen hier und da noch kleine Verbesserungsvorschläge. Außerdem ist meine Schlagzeugspur nie ausgereift – hier erarbeiten wir gemeinsam in der Probe immer eine deutlich ausgefeiltere Version als meine eher richtungsweisende Notation in der Partitur.“

Nachfolgend sprechen wir auch gleich noch darüber, ob die intensive Beschäftigung mit der Band beziehungsweise mit den Song-Texten mehr oder weniger zu ihrer charakterlichen Entwicklung beigetragen hat, und die Dame weiß dazu zu berichten:

„Ich habe viele Überraschungen erlebt. Am Anfang war die Bandgründung für mich ein einziger Kampf. Ich habe recht hohe Erwartungen an meine Mitmusiker und massive Probleme gehabt, Menschen zu finden, die technisch auf dem von mir gewünschten Stand waren und gleichzeitig bereit, ein Projekt von Grund auf mit aufzubauen und gänzlich ohne Bezahlung zu spielen. Nachdem wir ein Album und eine EP eingespielt und selbst finanziert haben, verrate ich sicher kein Geheimnis, wenn ich sage, dass das Bandkonto tiefrot ist. Da kann ich nicht auch noch Musiker bezahlen, sondern ich muss irgendwie erst einmal die ganzen Ausgaben wieder hereinbekommen. Anfangs war ich teils frustriert, weil ich mit allen Kräften ruderte und es dennoch nicht so voranging, wie ich es gerne gehabt hätte. Inzwischen freue ich mich auch über die ersten Früchte all der Mühen. Ich bin nicht mehr alleine mit meiner Vision, sondern habe Menschen gefunden, die ebenso daran glauben, dass die Musik in meinem Kopf nicht nur verrückte Ideen sind. Das gibt mir sehr viel Kraft. Natürlich hat auch die Musik ihren therapeutischen Wert: Wenn ich mir Dinge von der Seele schreibe, mich in einem Stück so richtig austobe oder aber auch, wenn es mir einmal nicht so gut geht und ich unserer eigenen CD zuhöre. Dann kann ich mir immer wieder bewusst machen: Das hast du schon geschafft. Und der nächste Schritt – das wäre doch gelacht, wenn es daran scheitern sollte!“

Welche nun für die Sängerin die besten und eigenständigsten Symphonic- beziehungsweise Metal-Bands mit Klassik-Einschlag sind, das ist für sie wirklich schwer zu sagen. Schließlich dreht sie den Spieß kurzerhand um:

„Eigentlich müsste ich dir die Frage stellen – du hast sicher viele Stunden Musik gehört, in denen ich mit Musik machen beschäftigt war. Für mich prägend waren Therion und Nightwish in der Ursprungsbesetzung, weil sie für mich die ersten Berührungspunkte mit dem Genre waren. Das Projekt von Rage mit dem Prager Sinfonieorchester, was auf ,Lingua Mortis‘ in Erscheinung trat, war ebenso eine sehr spannende Sache. Auch haben mich einige orchestrale Arrangements von Rhapsody und dem Transsiberian Orchestra fasziniert. Ich würde aber nicht behaupten, dass dies zwangsläufig die besten Bands sind, nur weil ausgerechnet diese mir zur richtigen Zeit in die Hand fielen.“

Zur weiteren Frage, welche Bands beziehungsweise Klassikkomponisten die Beteiligten von Molllust von Anfang an bis heute massiv beeinflusst haben, wird von ihr offenbart, dass die klassischen Einschläge wohl am stärksten durch Janikas Auseinandersetzung mit Rachmaninow und Brahms geprägt worden. Mehr:

„Aber unbewusst sind es sicher mehr, schließlich mache ich seit nunmehr knapp 20 Jahren fast jeden Tag klassische Musik – wenn ich nicht gerade mit Molllust beschäftigt bin. Aus der Metal-Welt haben mich am stärksten Therion und Nightwish in der Ursprungsformation beeinflusst. Und darüber hinaus ganz unmittelbar natürlich Andy Schmidt von Disillusion – er hat schließlich unser Album produziert und an einigen Stellen sehr hilfreiches Feedback aus der Außensicht gegeben, um die einzelnen Linien noch besser zur Geltung zu bringen.“

Damit, welche Gefühle die Musik von Molllust in den Hörern eigentlich auslösen soll, tut sich die Leipzigerin eher hart. „Es ist schwer pauschal zu sagen, denn natürlich transportiert jedes Stück auch eine etwas andere Botschaft. Als Gesamteindruck ist natürlich das Ideal, ein inniges Lächeln auf dem Gesicht zu hinterlassen, weil die Musik den Zuhörer bereichert hat. Im Kleinen kann das ganz vieles sein: Melancholie und Verträumtheit, Stärke und Mut, Nachdenklichkeit, Überraschung.“

Janika äußert sich stimmlich mit absoluter Leidenschaft. Im Weiteren bezieht sie Stellung zum Thema, ob man sich als Sopranistin nach so vielen Jahren Übung und Praxis überhaupt noch markant verbessern kann.

„Man bekommt immer mehr Feingefühl. Daher werden immer mehr verschiedene Nuancen möglich. Und auch die Kraft für laute oder hohe Passagen wächst weiterhin. Die Fortschritte werden immer kleiner, aber das ist ja auch bei anderen Instrumenten so. Was aber in jedem Fall reifer wird, ist die Interpretation, da man ja auch selbst immer mehr Erfahrungen macht. Das schlägt sich natürlich auch darin nieder, wie man singt.“

Als nächste Veröffentlichung nach dem aktuellen Album „Schuld“ wird es von Mollust eine interessante EP mit eigenständigen Johann Sebastian Bach-Interpretationen zu hören geben. Die Sängerin konkretisiert diesbezüglich:

„Da mit Bach natürlich eine zweite Handschrift mit in die Werke fließt, klingen die Werke in jedem Fall klassischer. Wer typisch barocke Interpretationen erwartet, wird aber enttäuscht sein. Wir haben einen sehr emotionalen, modernen Zugang gewählt. Zum einen dadurch, dass natürlich prägnante Metal-Parts in die barocken Strukturen integriert wurden und diese aufbrechen. Zum Anderen, weil ich häufig nur die Melodielinie übernommen und die gesamte Begleitung umgeschrieben oder ergänzt habe. Außerdem halten wir uns auch nicht an die tradierten barocken Spielweisen, geschweige denn, dass wir eine historische Instrumentenstimmung benutzen: Wie auch in unserem sonstigen Schaffen werden etwa das Vibrato von Stimme und Streichern teils dezent, aber bewusst eingesetzt. Damit wird der Ausdruck weniger verspielt, sondern dichter und für mein persönliches Empfinden emotionaler. Insgesamt klingt das Ergebnis dadurch luftiger als ,Schuld‘ und stellt die Stimme stärker in den Vordergrund, bleibt aber in der Spielweise und wichtigen kompositorischen Stilmitteln den reinen Eigenkompositionen treu.“

Spricht man dabei auch vom musikalischen Vermächtnis von Bach, so hat Janika großen Respekt vor seinem Schaffen, wie sie zu Protokoll gibt. „Er war damals seiner Zeit voraus und hat viele Innovationen in die Musik gebracht, die Zeitgenossen und spätere Generationen inspiriert haben. Insbesondere seine Fugen sind hochgradig intelligent konstruiert. Außerdem hat er einen extrem großen Umfang an Kompositionen geschaffen. Beides halte ich für eine beachtliche Leistung. Dennoch ist es für mich als Komponistin der heutigen Zeit wichtig, zwar mit wachem Geist das bereits Tradierte wahrzunehmen, aber meinen eigenständigen Weg in der Beschäftigung mit Musik zu finden.“

Darum gebeten, spezielle Stärken und noch vorhandene Schwächen der Molllüstigen auf der Bühne zu nennen, skizziert die Leipzigerin unumwunden:

„Unsere größte Schwäche ist eine gewisse Statik in der Bühnenshow. Dadurch, dass das klassische Instrumentarium extrem auf sein momentan noch komplett statisches Monitoring angewiesen ist und wir alle verkabelt sind, können wir nur begrenzt miteinander agieren. Hier müssen wir noch an einer Verbesserung unserer technischen Ausstattung arbeiten und uns dann natürlich an den neuen Freiraum gewöhnen, um ihn voll ausnutzen zu können. Dadurch, dass ich als Frontfrau mit einem Piano ein denkbar unbewegliches Instrument habe, ist natürlich auch mein Bewegungsraum äußerst eingeschränkt. Unsere Stärke ist, dass wir allesamt mit Leidenschaft dabei sind und einige starke Charaktere in der Band haben, die jeder auf seine Weise ein Stück zum Molllust-Gefühl beitragen. Wenn ich mir Fotos von unseren Auftritten anschaue, fliegen beispielsweise Franks Haare ständig in diverse Richtungen, weil er sehr agil ist. Von mir dagegen könnte man eine Grimassen-Galerie anfertigen, da ich all die Emotionen nicht nur in die Musik lege, sondern augenscheinlich auch in die Körpersprache. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass das Publikum spürt, wie sehr unser Herz an der Musik hängt – denn nur so kann der Funke auch überspringen.“

Für das kommende Jahr 2013 erhofft sich Janika vor allem, dass sich die Vision von Molllust herumspricht.

„Unser Genre ist denke ich sehr global – es macht für uns nicht viel Sinn, uns nur im Umkreis von Leipzig zu bewegen. Wir möchten daher Menschen auch fern von unserer Basis erreichen und sie neugierig auf uns machen. Im nächsten Schritt möchten wir dann natürlich viele Konzerte geben, um auch mit all diesen Menschen persönlich in Kontakt zu treten. Wir wollen eine gute Ausgangsbasis für das nächste Album schaffen und uns für Festivals interessant machen. Das große Ziel auf längere Sicht ist, mit der Musik ein ausreichendes Standing zu erreichen um sich allein davon finanzieren zu können. Sich mit Brotjobs herumschlagen zu müssen, wenn man eigentlich lieber komponieren oder üben möchte, hält einfach auf und ist Kräfte zehrend. Häufig bedeutet die Doppelbelastung extrem lange Arbeitstage, obwohl ich meine Tätigkeiten außerhalb der Musik und den damit verbundenen organisatorischen Aufgaben auf ein absolutes Minimum heruntergefahren habe. Traumhaft wäre es auch, problemlos zusätzliche Musiker für Projekte engagieren zu können. Auf ideologischer Ebene erhoffe ich mir, dass der Verstärker auf der Bühne im Klassikbereich Akzeptanz erhält und man sich hier mehr den Neuerungen öffnet. Ich wünsche mir, dass eine Gruppierung, wie wir es sind, auch einmal ohne Vorbehalte in einer Oper aufspielen darf. Aber genauso, bei Festivals wie Wacken willkommen zu sein. Kurzum: Grenzen zu sprengen. Danken möchte ich ganz herzlich unserem Photographen Frank Helbig, von dem alle Bilder sind, die es in diesem Interview zu sehen gibt. Molllust freuen sich auf die weitere gute Zusammenarbeit mit ihm.“

© Markus Eck, 07.12.2012

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